Nahverkehr
Markgröningen | 21. Februar 2018

Bahn bremst Pläne des BUND aus

Der BUND wollte am kommenden Samstag in Markgröningen ein Zeichen setzen und die stillgelegte Bahnstrecke nach Ludwigsburg von Gestrüpp und Unkraut befreien. Doch daraus wird nichts: Die Bahn stellt sich quer.

Bahnstrecke oder Biotop? Der BUND darf die zugewachsenen Gleise nach dem Willen der Bahn vorerst nicht freischneiden. Archivfoto: Alfred Drossel
Bahnstrecke oder Biotop? Der BUND darf die zugewachsenen Gleise nach dem Willen der Bahn vorerst nicht freischneiden. Archivfoto: Alfred Drossel

Der letzte Zug nach Markgröningen setzt sich am 11. August 2003 in Bewegung. Ein Großtransformator soll über die Gleise ins Umspannwerk nach Pulverdingen transportiert werden. Danach beschließt die Deutsche Bahn, die Strecke zwischen dem Anschluss des Ludwigsburger Handelsunternehmens Lotter und dem Markgröninger Endhaltepunkt stillzulegen.

Mehr als zehn Jahre später ist aus der Bahnstrecke ein naturnahes Fleckchen geworden. Greifvögel machen es sich in den Bäumen bequem, Hasen verstecken sich im Gras und Grünzeug überwuchert die Gleise. Das wird zunächst wohl auch so bleiben.

Denn die Markgröninger Ortsgruppe des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist mit ihrem Ansinnen gescheitert, die Schienenstrecke am kommenden Samstag von Gestrüpp und Unkraut zu befreien. Mit der Aktion wollte der BUND ein Zeichen für eine baldige Reaktivierung der Trasse über Möglingen bis Ludwigsburg setzen. Tatsächlich hatten bereits zahlreiche ehrenamtliche Helfer Unterstützung zugesagt – darunter Vertreter aller im Gemeinderat vertretenen Parteien und Bürgermeister Rudolf Kürner.

Doch die Eigentümerin der Flächen konnten die Aktivisten um den BUND-Chef Peter Fendrich nicht überzeugen. Gemeint ist die Deutsche Bahn. Das Unternehmen verlangt offenbar ein Umweltgutachten und eine Fachfirma für das Vorhaben, weil sie die Verantwortung trage. Auch die Bereitschaft des Bürgermeisters, aus versicherungsrechtlichen Gründen die Schirmherrschaft zu übernehmen, überzeugte die Bahn nicht.

„Ich finde es schade, dass die Bahn nicht mitmacht“, sagt Kürner unserer Zeitung. „Ehrenamtliches Engagement hat in Markgröningen eine lange Tradition.“ Er verweist darauf, dass auf diese Weise auch das Rathaus im 15. Jahrhundert errichtet werden konnte. „Die Aktion wäre zudem ein schönes Signal gewesen“ – für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, den die Stadt Markgröningen herbeisehnt. Der Naturschützer Fendrich sagt: „Die Enttäuschung bei uns ist groß. Unsere Helfer waren euphorisch und haben sich auf die Aktion gefreut.“

Doch geschlagen geben wollen sich die Aktivisten nicht. Sie kündigen einen neuen Anlauf im Herbst an. Klar ist jedoch, dass vorher an den Bahngleisen nichts passieren wird. Fendrich: „Wir müssen die Vegetationsperiode abwarten.“ Bürgermeister Kürner verweist darauf, dass „wir nichts übers Knie brechen müssen“. Er will sich nun Zeit nehmen, um die Angelegenheit vernünftig zu regeln.

Fest steht, dass viele Markgröninger die biotopähnlichen Zustände an der Bahnlinie nach Ludwigsburg lieb gewonnen haben – und das auch in Leserbriefen an unsere Zeitung zum Ausdruck gebracht haben. „Wo gibt es in unserer maisdominierten Landschaft denn überhaupt noch ein naturnahes Stück mit Rückzugsmöglichkeiten für Wildtiere“, fragt sich einer.

Kürner will es am liebsten beiden Seiten – Reaktivierungsanhängern und Naherholungssuchenden – recht machen. Er kündigt bereits Ersatzpflanzungen an. Eines ist für den Markgröninger Rathauschef aber sicher: „Irgendwann muss der Gleiskörper von Unkraut und Gestrüpp befreit werden.“ Kommentar

Philipp Schneider
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