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Literatur

Auf dem Spannungsbogen

Das dreitägige Festival „Wort Welten“ startet Mitte Oktober in der Ludwigsburger Innenstadt

Mit von der Partie: Die Autorin Carolin Callies (links), Zukunftsforscher und Kurator Harald Welzer sowie Stadtschreiberin Ebru Nihan Celkan.Fotos: Thommy Mardo, Jens Steingässer/p, Ramona Theiss
Mit von der Partie: Die Autorin Carolin Callies (links), Zukunftsforscher und Kurator Harald Welzer sowie Stadtschreiberin Ebru Nihan Celkan. Foto: Thommy Mardo, Jens Steingässer/p, Ramona Theiss
Mit von der Partie: Die Autorin Carolin Callies (links), Zukunftsforscher und Kurator Harald Welzer sowie Stadtschreiberin Ebru Nihan Celkan.Fotos: Thommy Mardo, Jens Steingässer/p, Ramona Theiss
Mit von der Partie: Die Autorin Carolin Callies (links), Zukunftsforscher und Kurator Harald Welzer sowie Stadtschreiberin Ebru Nihan Celkan. Foto: Thommy Mardo, Jens Steingässer/p, Ramona Theiss
Mit von der Partie: Die Autorin Carolin Callies (links), Zukunftsforscher und Kurator Harald Welzer sowie Stadtschreiberin Ebru Nihan Celkan.Fotos: Thommy Mardo, Jens Steingässer/p, Ramona Theiss
Mit von der Partie: Die Autorin Carolin Callies (links), Zukunftsforscher und Kurator Harald Welzer sowie Stadtschreiberin Ebru Nihan Celkan. Foto: Thommy Mardo, Jens Steingässer/p, Ramona Theiss

Ludwigsburg. Um Aufbruchstimmung zu verbreiten, braucht es dieser Tage, da die Corona-Lage nach dem Lockdown noch überaus fragil bleibt, nicht allzu viel. Die Maßstäbe haben sich verschoben. Und so kommt das dreitägige Literaturfestival „Wort Welten“ trotz starker Reduktion im Vergleich zur ursprünglichen Planung schon fast als kulturelles Schwergewicht daher. Vom 16.bis 18. Oktober geben sich Schriftsteller, Slam-Poeten und Unterhalter die Klinke in die Hand, je nach Zählweise sind es um die 20 Veranstaltungen, die der städtische Fachbereich Kunst und Kultur gemeinsam mit der Volkshochschule und der Stadtbibliothek nun in den Kalender gehoben hat.

Die Barockstadt sei zwar ein wenig zwischen dem Literaturhaus Stuttgart und dem Deutschen Literaturarchiv Marbach eingekesselt, erklärt Wiebke Richert, Fachbereichsleiterin Kunst und Kultur, gestern beim Pressegespräch, und doch biete die literarische Tradition der Stadt viele Anknüpfungspunkte, die man nun mit aktuellen Themen in Verbindung bringen wolle. „Wir wollten nicht nur klassische Lesungen haben“, sagt sie. „das Wort hat heutzutage schließlich auch im Internet Hochkonjunktur.“ Über die Unsicherheiten, die es mit Blick auf die derzeitigen Herausforderungen für die Menschheit gibt, bestehe schließlich eine Menge Gesprächsbedarf.

„Übers Aufbrechen und Ausbrechen“ ist das diesjährige Motto, unter dem das Festival von Zukunftsforscher Harald Welzer kuratiert wird. Das Team hat mit diesem Begriffspaar laut Richert einen Spannungsbogen gesucht und gefunden, in dem sich Zukunftsthemen wie der Klimawandel abbilden lassen. Thomas Stierle, Leiter der Stadtbibliothek, erläutert, dass er sich im Vorfeld eine zentrale Frage gestellt habe: Was liest die Generation „Fridays for Future“? Die junge Umweltbewegung setze überdurchschnittlich oft auf dystopische, apokalyptische und Fantasy-Literatur, so seine Einschätzung. Und das schlägt sich auch im Programm nieder. Tatsächlich präsentiert sich dieses recht schillernd: Die Schriftstellerin Carolin Callies bietet am Samstag, 17. Oktober um 16Uhr unter der Losung „Schatullen & Bredouillen“ eine Lyriklesung und Performance auf der Kleinen Bühne der Karlskaserne. Die Künstlergruppe „Vier im Doppelpack“ ist um 18.30 Uhr im MIK zu Gast, um „kurzweilige Unterhaltung mit Ernst, Satire, Humor und heiterer Besinnlichkeit“ zum Leitthema des Festivals vorzutragen. Ebenfalls mit dem Kern befasst sich um 19.30Uhr die „Lange Nacht der Literatur“ mit Harald Welzer, der Schriftstellerin Zoë Beck und der Journalistin Jacky Thomae. In der Reithalle der Karls- kaserne gehen sie zwischen gesellschaftlich relevanten Perspektiven und alternativen Realitäten auf Spurensuche. Um Erzählungen der etwas anderen Art geht es am Sonntag um 14 Uhr bei „Say Yes to videogames“ mit dem Ludwigsburger Computerspiel-Studio Fizbin im Kulturzentrum. Nachdem Schriftsteller Peter Prange um 15Uhr im Großen Saal des Kulturzentrums aus „Eine Familie in Deutschland“ gelesen hat, ist der „utopische Raum“ um 18 Uhr bei Harald Welzer, Thomas Gebauer, Eva von Redecker und Ilja Trojanow in der Reithalle erneut Thema.

Coronabedingt sind die Plätze in diesem Jahr stark begrenzt, es soll nichts riskiert werden – die meisten Zuschauer könnte es mit knapp über hundert noch in der Reithalle geben. Doch davon wollen sich die Veranstalter keineswegs entmutigen lassen – stattdessen blicken sie optimistisch in die Zukunft. Nachdem in den vergangenen Jahren bereits mehrere städtische Literaturfeste sowie, 2018, die Literaturtage Baden-Württemberg stattfanden, soll das Thema nun intensiviert werden. Das Festival „Wort Welten“ sei eine Weiterentwicklung, so Richert, der Begriff soll dem Kind einen Namen geben und damit die Voraussetzung dafür schaffen, dass es – Finanzierung vorausgesetzt – künftig jährlich stattfinden könnte. Im vergangenen Jahr hatten sich die Stadträte noch skeptisch gezeigt und eine Finanzspritze verweigert. Dank Spenden und Sponsoren kann das Festival stattfinden.

Zumindest alle zwei Jahre soll künftig der Stadtschreiberposten über ein Stipendium besetzt und das Ergebnis beim Literaturfestival präsentiert werden. In diesem Jahr ist es die türkische Autorin Ebru Nihan Celkan, die ihr großes Interview-Projekt über Identitäten am 17. Oktober ab 10 Uhr an verschiedenen Orten in der Innenstadt vorstellt – womit sie auf ihre eigene Weise dann weitere Überzeugungsarbeit leisten kann.

Internet: www.ludwigsburg.de/veranstaltungskalender. Das Programm liegt zudem an vielen Orten in der Innenstadt aus. Darin finden sich auch die E-Mail-Adressen für die Anmeldung.

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