Ludwigsburg. Ein möglichst sanfter Start ins Leben – dieses Ziel steht im Mittelpunkt der Geburtshilfe und Neugeborenenmedizin. Im RKH Klinikum Ludwigsburg wird dies künftig durch eine innovative medizinische Ausstattung zusätzlich unterstützt: In der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin unter Leitung des Ärztlichen Direktors Professor Dr. Jochen Meyburg kommt nun ein sogenannter Concord Birth Trolley für ein verzögertes Abnabeln zum Einsatz. Ermöglicht wurde die Anschaffung durch eine großzügige Finanzierung von knapp 60.000 Euro der Sabine-Dörges-Stiftung, heißt es in einer Mitteilung des Klinikums.

Der mobile Behandlungsplatz erlaubt es erstmals, Früh- und Neugeborene unmittelbar nach der Geburt medizinisch zu versorgen, während sie weiterhin über die Nabelschnur mit der Mutter verbunden bleiben. Durch die neonatologische Erstversorgung noch an der Nabelschnur wird die Stabilisierung deutlich unterstützt, und erleichtert so einen komplikationslosen Übergang der Früh- und Neugeborenen ins Leben außerhalb der Gebärmutter. Damit kann das verzögerte Abnabeln auch dann umgesetzt werden, wenn das Kind direkt nach der Geburt Unterstützung benötigt.
Verzögertes Abnabeln - das ist der Vorteil
Das verzögerte Abnabeln ist heute ein wichtiger Bestandteil internationaler Leitlinien in der Neugeborenenmedizin, so das Klinikum in seiner Mitteilung. Über die Nabelschnur erhält das Kind in den ersten Minuten nach der Geburt zusätzliches Blut aus der Plazenta – Blut, das bei einem frühen Durchtrennen der Nabelschnur verloren gehen würde. Besonders für Frühgeborene ist dies von großer Bedeutung: Sie profitieren unter anderem von einer besseren Eisenversorgung, stabileren Kreislaufwerten und einem geringeren Risiko für Komplikationen.
Baby kann bei der Mutter bleiben
Bisher mussten Kinder, die direkt nach der Geburt medizinische Unterstützung benötigten, meist rasch von der Mutter getrennt werden, um sie im benachbarten Erstversorgungsraum behandeln zu können. Mit dem Concord Birth Trolley ist nun beides gleichzeitig möglich: medizinische Versorgung und das Belassen des Kindes an der Nabelschnur. Die Eltern erleben die Erstversorgung hautnah mit. Dies ermöglicht eine sofortige Bindung zwischen Eltern und Kind.
„Der größte Nutzen liegt ganz klar bei unseren kleinsten Patientinnen und Patienten und ihren Eltern“, sagt die leitende Oberärztin der Kinderklinik Dr. Katrin Braun. „Mit dem Concord Birth Trolley können wir Frühgeborene unmittelbar nach der Geburt stabilisieren und gleichzeitig die Vorteile des verzögerten Abnabelns nutzen. Das verbessert die Anpassung der Kinder an das Leben außerhalb des Mutterleibs.“
Auch für die Eltern bedeutet das neue System eine wichtige Veränderung. Bei einer spontanen Geburt können sie ihr Kind bereits während der ersten medizinischen Maßnahmen sehen und berühren. Nach einem Kaiserschnitt wird ein früher Kontakt zwischen Eltern und Kind unmittelbar nach dem Abnabeln ermöglicht – ein wichtiger Moment für die Bindung.
Ludwigsburg ist Perinatalzentrum
Der Concord Birth Trolley wird inzwischen in immer mehr spezialisierten Geburtskliniken eingesetzt, insbesondere in Perinatalzentren mit Versorgung von Frühgeborenen. Dass diese moderne Form der Versorgung nun auch im RKH Klinikum Ludwigsburg möglich ist, verdankt das Team der finanziellen Unterstützung der Sabine-Dörges-Stiftung.
Die Mittel der Sabine-Dörges-Stiftung stammen unter anderem aus der im Landkreis Ludwigsburg seit vielen Jahren etablierten Zahnaltgold-Sammelaktion und Spenden von rund 20 Zahnarztpraxen, sowie aus weiteren großzügigen Spenden engagierter Unterstützerinnen und Unterstützer. (red)
