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KfW-Förderung
Bund stoppt Förderprogramm, in Ludwigsburg verschärft dies die Wohnungsnot

Das neue Baugebiet am Gämsenberg unterhalb des Schlösslesfelds wird derzeit erschlossen, doch für den Wohnungsbau fehlen im Moment die nötigen Förderzusagen. Foto: Andreas Becker
Das neue Baugebiet am Gämsenberg unterhalb des Schlösslesfelds wird derzeit erschlossen, doch für den Wohnungsbau fehlen im Moment die nötigen Förderzusagen. Foto: Andreas Becker
Städtische Wohnungsbau Ludwigsburg und Bauträger kritisieren den Förderstopp der Bundesregierung – Teils müssen Planungen eingestellt werden

Ludwigsburg. Die Regierung verlangte energiesparendes Bauen und legte ein Förderprogramm auf. Alle haben sich darauf eingestellt – ausgerechnet der grüne Wirtschaftsminister Robert Habeck kappte jüngst die Leine und verfügte einen Auszahlungsstopp. Die Mittel, die über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) für Häuser mit dem Energiestandard 55 zur Verfügung gestellt wurden, reichten nicht aus. Vor Ort wirkt sich dies katastrophal aus. Die Entscheidung sei „fatal“, kritisiert Andreas Veit, Chef der Ludwigsburger Wohnungsbau (WBL). „Kurzsichtig“, ergänzt OB Matthias Knecht, der dort dem Aufsichtsrat vorsteht. „Denn das verschärft die Wohnungsnot anstatt sie zu lindern.“

Gerade in Ludwigsburg ist der Druck hoch, für weiteren Wohnraum zu sorgen. Doch mit dieser Entscheidung wird der Schwung erst einmal ausgebremst. Wer Glück hatte, hat schon Förderanträge eingereicht, bevor das plötzliche Aus seitens des Bundes kam. Bauherren und Unternehmen können zwar hoffen – aber ohne Zusagen können sie nicht anfangen zu bauen. „Weil die Zusagen fehlen, können wir die Baufirmen nicht beauftragen“, ärgert sich Veit. Dabei hätte man jetzt im Gebiet Schauinsland und in Grünbühl richtig loslegen können. Darüber hinaus müsse man damit rechnen, dass Preissteigerungen ins Haus stehen.

Die Wohnungsbau muss jetzt auf die Bescheide zuwarten. „Das ist, als ob man bei Tempo 100 auf eine Betonwand fährt“, schildert Veit mit diesem drastischen Vergleich die Situation für Bauunternehmer und die Bauwirtschaft. „Das zerstört Vertrauen“, so Veit zu dem Vorgehen. Noch im Juli vergangenes Jahr hat der Bund das Förderprogramm bis 31. Januar verlängert, am 24.Januar wurde es überraschend eingestellt.

Abgesehen davon, dass Anträge noch nicht bewilligt worden sind, auch dieses vorgezogene Datum trifft Bauherren. Wer die Frist versäumt hat, steht nun mit leeren Händen da. Denn mit der KfW-Förderung konnten Häuslesbauer wie Bauträger mit bis zu 26000 Euro pro Wohneinheit rechnen, teils als Zuschuss, teils als zinsgünstiges Darlehen.

Warten auf Förderbescheide ist in Ludwigsburg an mehreren Baugebieten angesagt. Betroffen sind beispielsweise WBL-Projekte im Gebiet Schauinsland. Im ersten Bauabschnitt kann gebaut werden, im zweiten nicht. 53 Wohnungen sollten dort entstehen. In Grünbühl wartet die WBL auf die Freigabe für den Bau von 74 Wohnungen, bei der Jägerhofkaserne 85 Wohnungen. Dass auch das Programm für Sanierungen gestoppt wurde, „trifft uns hier mit voller Wucht“, so Veit. Denn für die Sanierung der alten Kasernengebäude, in die Wohnungen eingebaut werden, hat man auf Fördergelder gesetzt, zumal es sehr aufwendig ist, die Denkmalgebäude zu sanieren. „Wir hoffen aber, dass die Anträge alle noch bewilligt werden.“

Ohne die Förderung steigen die Preise weiter an

Noch drastischer sind Neubauprojekte betroffen, die erst in der Planung sind. So hat die Wohnungsbau für den dritten Bauabschnitt die Planungen eingestellt, weil unklar ist, wie künftige Förderungen, die der Bund angekündigt hat, aussehen werden. Wie auch Bauträger mitteilen, ist jetzt „ein zweimonatigen Stillstand“ zu befürchten, bis in Berlin weitere Entscheidungen getroffen werden, so etwa Dr. Lis Hannemann-Strenger und Julien Ahrens von der Strenger-Gruppe. Es fehle die Richtschnur für Planungen, „momentan ist das recht schwammig“. Konkrete Projekte seien derzeit nicht betroffen, allerdings würden die Kunden die fehlende Förderung zu spüren bekommen. Manche haben auch schon reagiert, weil ihnen das Geld wegbricht. In der Baustolz-Reihe, bei der Strenger günstig für junge Familien baut, sei bereits eine erste Reservierung für ein Haus zurückgezogen worden.

Auch bei der Pflugfelder-Gruppe schätzt man die Lage ähnlich ein. Wer eine Wohnung kauft oder ein Haus baut, ist von dem Förderstopp stark betroffen. „Es gibt sicher einige Wohnungskäufer, die fest mit den Geldern gerechnet hatten und nun gezwungen sind, umzuplanen“, so Stefan Kullmann. Die Entscheidung bringe viel Ungewissheit für Bauträger und Kunden, betont Pressesprecher Benjamin Klein. Man warte jetzt „sehnsüchtig auf neue Signale aus der Politik“.

Dass die Förderung für KfW 55 irgendwann ausläuft, war abzusehen. Doch energetisch zu bauen ohne irgendeine Förderung, werde den Wohnungsbau deutlich verteuern. Bei größeren Projekten, wie sie die WBL plant, müssen Millionenbeträge ausgeglichen werden. Manche Häuslesbauer, befürchten Fachleute, werden möglicherweise künftig auf manches verzichten, weil sich hohe Energiestandards wirtschaftlich nicht rechnen.

WBL und Bauträger fordern ein Umdenken

Strenger und Pflugfelder betonen, dass sie weiterhin an dem KfW-Standard festhalten werden, dies allerdings auch preislich darstellen müssen. Eine andere Möglichkeit wäre, den Maßstab beim CO2-Verbrauch anzulegen. Die WBL verweist auf Projekte wie den Eisspeicher in Grünbühl, der regenerative Energie liefert. Statt Dämmmaterial zu verbauen, wären solche Perspektiven besser, so Veit. „Wir brauchen dringend ein Umdenken.“ Lis Hannemann-Strenger sieht das ähnlich. Sie hält zwar den Anspruch auf KfW 55 aufrecht, aber klimafreundliches Bauen brauche finanzielle Anreize wie beim Ausbau der E-Mobilität, um CO2-neutral bauen zu können und insbesondere nachhaltige Produktzyklen aufzubauen.

In Richtung Berlin richtet sich auch der Appell von Oberbürgermeister Knecht, der dazu auffordert, „die Förderung für energieeffizientes Bauen schnell wieder aufzunehmen.“ Er bedauert den Förderstopp. „Das treibt die Kosten in die Höhe und erschwert damit unsere Bemühungen in Ludwigsburg, mehr Wohnraum und vor allem mehr preisgünstigen Wohnraum anzubieten. Für viele wird der Traum von den eigenen vier Wänden jetzt Wunschtraum bleiben.“