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POlitik

„Die Arbeit hat jetzt eine andere Qualität“

Der erste Schwieberdinger Beigeordnete Manfred Müller über Karriereziele, ambitionierte Investitionen und unerwünschte Mülltransporte

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„Mein Ziel ist es jetzt, in dem Amt anzukommen und es gut zu machen“: Schwieberdingens Beigeordneter Manfred Müller. Foto: Oliver Bürkle

Ludwigsburg. Am Ende war die Wahl zum ersten Beigeordneten in der Geschichte der Gemeinde Schwieberdingen für den Kämmerer und Volleyballspieler Manfred Müller wie ein Schmetterball ohne Block. 17 von 18 Stimmen holte Müller, der seit zwei Wochen im neuen Amt ist. Ein Gegenkandidat wollte ihm zwar den Posten streitig machen, er erfüllte jedoch nicht die fachlichen Voraussetzungen.

Müller gehört damit zu einer Kämmererriege, die jetzt richtig Karriere macht. In Oberriexingen ist Frank Wittendorfer bereits gewählter Bürgermeister, in Asperg will es ihm der Ingersheimer Finanzchef Christian Eiberger nachmachen – und auch in Freiberg wurde ein Kämmerer zum Beigeordneten gewählt. Im Gespräch mit unserer Zeitung äußert sich Müller über...

...die Karrieresprünge der Kämmerer. „Ich glaube, dass die Häufung, die derzeit zu beobachten ist, Zufall ist.“ Allerdings sitzen Kämmerer an den Schnittstellen der Macht, sie sind bei fast allen kommunalen Projekten dabei. Müller nennt seinen Posten deshalb „ein Querschnittsamt“.

...über das Wahlergebnis. „Das deutliche Ergebnis freut mich natürlich sehr. Eine geheime Wahl, wie wir sie gemacht haben, ist immer etwas anderes, als eine offene Abstimmung. Da kann man auch mal ein Feld freilassen.“ Müller ist das bei seiner Wahl nicht passiert, obwohl die Aktive Bürgergemeinschaft, die über drei Sitze im Gemeinderat verfügt, den Beigeordnetenposten kritisch sieht.

Hinzu kommt, dass sich Müller als Finanzchef nicht nur Freunde gemacht hat. „Auch wir haben die Finanz- und Wirtschaftskrise zu spüren bekommen“, sagt er. Von Gewerbesteuereinnahmen in zweistelliger Höhe ist keine Rede mehr.

...über den neuen Posten und die Änderungen, die er mit sich bringt. „Es war immer klar, dass es Änderungen geben wird, wenn nach 32 Jahren ein neuer Bürgermeister kommt. Wir haben eine Entwicklungsoffensive gestartet und ein externes Büro mit der Frage beauftragt, wie wir die Verwaltung zukunftsfähig aufstellen können.“ Herausgekommen ist unter anderem die Auflösung des Hauptamts, aus vier Ämtern wurden drei, und die Einsetzung eines Beigeordneten.

„Meine Arbeit hat jetzt eine andere Qualität“, sagt Müller. Unter ihm bleiben weiterhin die Kämmerei, das Wasserwerk und das Personal, dazu kommen Liegenschaften. „Wir haben nun zwei Geschäftskreise“, sagt der Schwieberdinger Spitzenbeamte. Bürgermeister Nico Lauxmann hat die Haupt-, Ordnungsverwaltung und das Bauamt unter sich. Müller: „Es gilt selbstverständlich, dass der Bürgermeister Chef der Verwaltung ist.“

...über Karriereziele. „Ich bin 52. Das ist ein Alter, in dem man sich Gedanken macht“, so der neue Beigeordnete. Das jetzt eroberte Amt bezeichnet Müller als „Ende der Fahnenstange“. Einen Plan B habe er für den Fall einer Niederlage nach eigenen Angaben nicht gemacht. Sein Ziel ist es nun, in dem neuen Amt anzukommen. „Ich will es gut machen“, sagt Müller. „Eine Beigeordnetenstelle gab es bisher in Schwieberdingen ja noch nicht.“

...über den Gemeinderat. „Wir haben seit der Kommunalwahl sechs statt vier Fraktionen. Das macht die Arbeit bunter und vielseitiger.“ Andererseits dauern Diskussionen länger, räumt der Beigeordnete ein. „Daran müssen sich Verwaltungen anpassen.“

...über die Kostenexplosion beim Umbau der Ortsdurchfahrt, der ab den Sommerferien starten soll. „Es haben sich zwar eine Reihe von Unternehmen Unterlagen für dieses Großprojekt abgeholt, aber nur drei haben ein Angebot eingereicht.“ Erschwerend kam für das Schwieberdinger Rathaus hinzu, dass die Offerten zwischen knapp neun Millionen Euro und 13,6 Millionen Euro schwankten.

„Ich halte die Entscheidung des Gemeinderats für richtig, die Ortsdurchfahrt jetzt trotzdem umzubauen“, sagt Müller. Er geht davon aus, dass die Gemeinde in diesen Hochkonjunkturzeiten mit einer neuen Ausschreibung kein besseres Ergebnis erzielt hätte. „Außerdem hat die Bevölkerung eine Erwartung. Es ist bereits alles aufs Gleis gesetzt.“

...über das Investitionsprogramm, das die Gemeinde in den kommenden Jahren vor der Brust hat. „Ich habe kein Bauchgrimmen, auch wenn Unwägbarkeiten immer auftreten können und unser Programm ambitioniert ist.“ Fest vergeben sind bisher der neue Kindergarten Oberer Schulberg für etwas mehr als fünf Millionen Euro und die Ortsdurchfahrt für fast neun Millionen Euro. Hinzu kommen Überlegungen beim Hochwasserschutz. Diese Posten kann Schwieberdingen aus der Rücklage decken, die fast 20 Millionen Euro umfasst.

Noch kein grünes Licht gibt es für den Umbau der Glemstalschule, der mit bis zu 16 Millionen Euro zu Buche schlägt. Müller: „Hier zahlt aber unser Partner Hemmingen mit.“ Außerdem hofft er auf Zuschüsse.

Weiter würde es danach mit dem Umbau der Hallen am Herrenwiesenweg gehen, die Turn- und Festhalle etwa ist baulich in miserablem Zustand.

...über das seit Jahren geschlossene Hallenbad. „Ich weiß nicht wann, ob und in welcher Form das Hallenbad wieder geöffnet werden kann“, sagt der neue Beigeordnete. Auf der Schwieberdinger Prioritätenliste taucht es nicht auf den vorderen Plätzen auf. „Dem Gemeinderat war es aber immer wichtig, dass wir zumindest eine Fläche vorhalten.“ Die liegt, wie die alte Schwimmstätte, am Herrenwiesenweg. Seit einiger Zeit setzt sich auch eine Bürgerinitiative für die Wiedereröffnung ein. Sie hat Tausende Unterschriften gesammelt. Müller sagt: „Wir liegen mit der Bürgerinitiative gar nicht so weit auseinander.“

...über den Freimessmüll aus Neckarwestheim. „Es wäre wünschenswert, wenn die Transporte auf die Kreisdeponien nicht stattfinden würden“, sagt Müller. Konkret geht es um 3350 Tonnen Schutt, die beim Rückbau des ersten Neckarwestheimer Meilers anfallen und in Schwieberdingen und Horrheim landen sollen. Die Gemeinderäte in Schwieberdingen, Vaihingen und Markgröningen haben sich gegen den Müll ausgesprochen. „Die Verunsicherung in der Bevölkerung ist da“, sagt Müller. Er verweist aber darauf, dass es sich um eine verhältnismäßig kleine Menge handelt. Im Schnitt werden jedes Jahr rund 421 000 Tonnen Müll am Froschgraben angeliefert.