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Internationaler Frauentag

Die Gleichberechtigung im Blick

Die Stimme für Frauenrechte zu erheben, das war am Samstag das Ziel eines Spaziergangs beim Internationalen Frauentag. Bei den Stopps an verschiedenen Stellen in der Innenstadt haben die Teilnehmerinnen Ungleichbehandlung in den Blick genommen, etwa in der Politik oder in der katholischen Kirche.

Frauen zeigen Präsenz auf dem Marktplatz. Foto: Holm Wolschendorf
Frauen zeigen Präsenz auf dem Marktplatz. Foto: Holm Wolschendorf
Klare Forderung.
Klare Forderung.

Bevor sich die Frauen mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Ludwigsburg, Judith Raupp, auf den Weg zu dem Rundgang machten, traf sich erst einmal die Ludwigsburger Gruppe des Frauenverbandes Courage auf dem Stadtkirchenplatz zu einer Kundgebung. Mit Trommeln und Percussioninstrumenten machten sie auf sich und ihre Forderungen aufmerksam. „Gleicher Lohn für Frau und Mann, das ist endlich auch mal dran“, war ebenso zu hören wie „Wen ich lieb ist meine Wahl, ob Frau ob Mann, das ist egal“.

Vielleicht lag es an der Uhrzeit, an den noch kühlen Temperaturen oder an der ganz besonderen Stimmung durch den Ausbruch des Coronavirus: Die meisten Menschen hasteten vorüber, statt stehen zu bleiben.

Dann ging es zum Marktplatz, wo der Spaziergang für Frauenrechte ganz offiziell startete. „Wir haben uns entschieden, die Veranstaltung trotz Coronavirus zu machen, weil sie draußen ist und alle Teilnehmer genügend Abstand zueinander halten“, sagte Judith Raupp. Nur der Abschluss im Haus der katholischen Kirche war vorsichtshalber gestrichen worden.

„Wir müssen uns mit Ellenbogen Platz verschaffen“

„Mit 35 Prozent liegt der Frauenanteil im Ludwigsburger Gemeinderat über dem Landesdurchschnitt“, ließ Raupp vor dem Haupteingang des Rathauses Zahlen sprechen. Dann kamen Politikerinnen zu Wort. Judith Skudelny, FDP-Bundestagsabgeordnete und Generalsekretärin der Liberalen in Baden-Württemberg, prangerte an, dass viele politische Veranstaltungen von „männlichen Platzhirschen“ dominiert würden. „Die Herren sitzen auf den Stühlen, wir müssen uns mit Ellenbogen Platz verschaffen“, appellierte sie an die Zuhörerinnen.

„Man kann nicht kritisieren, dass sich zu wenig Frauen politisch engagieren und selbst zu Hause sitzen bleiben“, forderte die Kreis- und Stadträtin Alexandra Metzger (SPD). „Man hat nur eine Chance, wenn man sich auch etwas traut“, sagte Kreisrätin Stephanie Liepins, ebenfalls von der SPD. Frauen sollten in einem Punkt dem Vorgehen der Männer folgen, nämlich bei der Vernetzung untereinander.

Laura Wiedmann, die sich für die Grünen einen Platz im Ludwigsburger Gemeinderat erkämpfte, erzählte auch, dass sie es ohne die Unterstützung ihres Mannes wohl kaum schaffen würde, Beruf, Kinder und Politik unter einen Hut zu bekommen.

Warum sich politisches Engagement trotz aller Widrigkeiten lohnt, erläuterte SPD-Frontfrau Margit Liepins, die seit 30 Jahren dem Gemeinderat angehört. „Es lohnt sich, wenn man den Wunsch und den Willen hat, etwas zu verändern“, sagte sie. Das gehe aber nicht ohne Ausdauer und die Investition von Zeit.

Dann ging der Rundgang weiter. Carolin Weiß vom Verein Afrika hilft Afrika forderte am Burkinischen Dorf hinter dem Rathaus dazu auf, Produkte aus fairem Handels zu kaufen, um die Rechte von Frauen in Afrika zu stärken. „Der Geldbeutel ist eine Waffe. Wir können Frauenrechte stärken, indem wir die richtigen Produkte kaufen“, gab sie zu bedenken.

„Echte Befreiung statt Gleichberechtigung auf dem Papier“, forderte Gertraude Hollstein vom Frauenverband Courage und trat für eine internationale Vernetzung der Frauenbewegungen ein. „Jede dritte Frau erlebt im Laufe ihres Lebens Gewalt“, verurteilte Brigitte Frech, ebenfalls Courage-Mitglied, Gewalt an Frauen sowie die Ausbeutung durch Prostitution.

An der letzten Station, vor der evangelischen Kirche am Marktplatz, erinnerte Gudrun Karstedt vom Arbeitskreis Dialog Synagogenplatz an das Schicksal von Hilde Ottenheimer, die 1896 in Ludwigsburg zur Welt kam. Die Jüdin, die im wissenschaftlichen Bereich tätig war, lebte zuletzt in Berlin, von wo aus sie nach Riga deportiert und dort auch im Jahr 1942 ermordet wurde.

Gegenläufige Bewegungen in der katholischen Kirche

Senem Özer, pastorale Mitarbeiterin der katholischen Gesamtkirchengemeinde, ging auf die Situation der Frauen in der katholischen Kirche ein. Sie beschrieb, dass die Lage aktuell von zwei gegenläufigen Bewegungen geprägt. In der westfälischen Bischofsstadt Münster hat die bundesweite Bewegung Maria 2.0 ihre Wurzeln. Diese macht sich stark für die Erneuerung der katholischen Kirche und insbesondere für die Priesterweihe von Frauen. „Für diese Frauen ist es keine Option aus der Kirche auszutreten. Sie fordern vielmehr die Abschaffung männerbündnischer Machtstrukturen“, so Senem Özer. Es gebe keine biblischen und historischen Gründe, die Frauen von der Priesterweihe ausschließen, berief sich die pastorale Mitarbeiterin auf die Argumente der Bewegung Maria 2.0.

Kritik: Traditionelle Rollen der Geschlechter werden zementiert

Dass die Mutter Gottes keines Updates bedarf und instrumentalisiert werde, führen dagegen die Anhängerinnen der Gegenbewegung Maria 1.0 an. Ihnen gebe die Tradition und Ordnung, von der die katholische Kirche geprägt ist, Halt in einer unsicheren Zeit. Außerdem führen sie an, dass niemand eine Priesterweihe benötige, um Gott dienen zu können.

Senem Özer kritisierte: Mit der Aussage von Papst Franziskus, dass Frauen ihren Beitrag zur Kirche auf ihre eigene Weise leisten, „indem sie die Kraft und die Zärtlichkeit der Mutter Maria weitergeben“, würden traditionelle Geschlechterrollen zementiert. Außerdem würden dadurch Machtansprüche von Frauen ausgeschlossen, gab sie zu bedenken.

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