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Goethe-gymnasium

Ein geheimnisvoller Holzschrank

Bei der Renovierung des GoetheGymnasiums ist ein alter Holzschrank aufgetaucht. Er enthält stapelweise Schulakten, die bis 1880 zurückreichen. Schüler erforschen jetzt gemeinsam mit dem Stadtarchiv ihren Inhalt.

Der alte Holzschrank in seinem Originalzustand wie er bei der Renovierung vorgefunden wurde. Und ein Blick auf die handschriftlichen Akten.Fotos: Stadtarchiv
Der alte Holzschrank in seinem Originalzustand wie er bei der Renovierung vorgefunden wurde. Und ein Blick auf die handschriftlichen Akten. Foto: Stadtarchiv
Der alte Holzschrank in seinem Originalzustand wie er bei der Renovierung vorgefunden wurde. Und ein Blick auf die handschriftlichen Akten.Fotos: Stadtarchiv
Der alte Holzschrank in seinem Originalzustand wie er bei der Renovierung vorgefunden wurde. Und ein Blick auf die handschriftlichen Akten. Foto: Stadtarchiv

Seit mehreren Jahrzehnten steht ein großer Holzschrank in einem etwas abgelegenen Raum des Goethe-Gymnasiums. Sein Inhalt: Hunderte Schulakten aus der Zeit von 1880 bis 1950. Inzwischen weiß niemand mehr genau, was sich in den einzelnen Schrankfächern befindet. Schulleiter Wolfgang Medinger hatte das Möbelstück im Zusammenhang mit der jüngst abgeschlossenen Generalsanierung „entdeckt“.

Uwe Jansen und Marc-Steffen Bremer, beide Lehrer am Goethe-Gymnasium, hat der Schrank gleich in seinen Bann gezogen. Schon im vergangenen Jahr nahmen sie sich des Schranks und seiner Geschichte an. Im Rahmen des schulübergreifenden Projekts „Goethopia – Schule als Staat“ riefen der Geschichts- und der Kunstlehrer das Archiv des Staates Goethopia ins Leben. Den Schülern des Gymnasiums stellte sich die Aufgabe, die Unterlagen zu sichern und für die Nachwelt zugänglich zu machen.

Alle Schriftstücke wurden

gesäubert und verpackt

Dafür holte man sich die Unterstützung des Ludwigsburger Stadtarchivs. Gemeinsam mit Stadtarchivleiter Simon Karzel barg man die alten Schriftstücke, säuberte und verpackte sie und erstellte eine grobe inhaltliche Auflistung anhand der alten Aktendeckel. Die Foto-AG der Schule fotografierte den Schrank in seinem ursprünglichen Zustand. Dieser soll in absehbarer Zeit im frisch renovierten Foyer der Schule als Zeitzeuge an die Schulgeschichte erinnern – allerdings ohne die empfindlichen Akten. Dank einer Fotomontage vermittelt der Schrank aber immer noch sein ehemaliges Erscheinungsbild. In die eigentlich leeren Fächer des Schranks sind täuschend echte Fotografien eingesetzt.

Die Schulakten selbst lagern mittlerweile sicher im städtischen Archiv. Dort kümmert sich inzwischen eine von Uwe Jansen geleitete AG zusammen mit Stadtarchivar Simon Karzel um die intensive Erschließung der Unterlagen.

Auch bekannte Namen tauchen in den Akten auf

Die Jugendlichen der Klassenstufen 10 und 11 haben in den letzten Monaten eine Einführung in die Schriftkunde erhalten und beschäftigen sich jetzt ausführlich mit der eigenen Schulgeschichte. Welche Schätze sich aus der Anfangszeit der ersten höheren Mädchenschule der Stadt sich in den Akten befinden, bleibt abzuwarten. Die Auseinandersetzung mit der Schulvergangenheit erweist sich für die jungen Forscher zeitintensiver als gedacht. Die alte Schrift muss entziffert, Inhalte zusammengefasst und so beschrieben werden, dass Außenstehende den Schulalltag in der ersten Hälfte des 20...Jahrhunderts nachvollziehen können. Die Mädchen und Jungen wühlen sich aber inzwischen schon mit einer gewissen Routine durch die alten Papiere und entdecken neue Informationen.

Wohin gingen Klassenfahrten in den 30er Jahren? Und warum erhielten die Schülerinnen früher Jodtabletten? Antworten finden sich in den Akten. Dort tauchen auch Namen bekannter Ludwigsburger auf: Der Archäologe und Historiker Oscar Paret war Elternbeirat; die Schulleiterin Elisabeth Kranz wurde von den Nationalsozialisten ihrer Stellung beraubt und nach dem Krieg von den Alliierten wieder eingesetzt. (red)