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Nahverkehr

Eine Million zusätzliche Bus-Kilometer

Ab 2020 gibt es für die Buslinien im Ludwigsburger Stadtverkehr neue Fahrpläne mit deutlichen Verbesserungen. Die Stadt bekommt das alles zum Nulltarif. Stadträte sehen aber nach wie vor Schwächen und fordern weitere Nachbesserungen, nötigenfalls auf Kosten der Stadt.

Erst das verbilligte Tagesticket, dann Hybridbusse und W-LAN, ab 2020 bieten Carry Buchholz (links unten) und ihre LVL auch noch eine Million zusätzliche Kilometer Fahrleistung pro Jahr.Archivfotos: Wolschendorf, Bürkle
Erst das verbilligte Tagesticket, dann Hybridbusse und W-LAN, ab 2020 bieten Carry Buchholz (links unten) und ihre LVL auch noch eine Million zusätzliche Kilometer Fahrleistung pro Jahr. Foto: Wolschendorf, Bürkle
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Die Ludwigsburger dürfen sich auf einen weiteren Qualitätssprung beim Busverkehr freuen. Ab 2020 kommt zum Beispiel der durchgängige Zehn-Minuten-Takt auf vier Hauptlinien (siehe Überblick). Als das Paket kürzlich Stadträten präsentiert wurde, gab es viel Lob für den Betreiber des Stadtverkehrs, die Ludwigsburger Verkehrslinien (LVL). Diese tragen die Verbesserungen voll auf eigene Kosten, ihre Busse werden jährlich eine Million Kilometer zusätzlich auf die Strecke bringen (siehe auch Analyse).

Trotz der Freude sehen einige Stadträte nach wie vor Lücken und fordern auch mit Blick auf die Debatte um den Klimaschutz schnelles Handeln. „In Poppenweiler kann man ohne Auto nicht leben“, sagte etwa Christine Knoß für die Grünen. Der 20-Minuten-Takt werde nicht gehalten, immer wieder bleibe es bei 40 Minuten. Ihre Forderung: „Wir brauchen auch hier den 10-Minuten-Takt.“

Knoß bemängelte zudem, dass hunderte Schüler des Bildungszentrums West morgens aus Stadtteilen kommend bereits am ZOB abgeladen werden. An diesem Punkt hakte auch Margit Liepins (SPD) ein.

Andreas Rothacker (Freie Wähler) hält solche Forderungen und Fragen für überzogen, im Gegenteil: „Wenn wir das tolle Angebot nutzen, brauchen wir keine Stadtbahn.“ Poppenweiler brauche noch Zeit. Vorbildlich nannte auch Elga Burkhardt (Lubu) die Ausweitung der Betriebszeit. Aber auch sie hält weitere Verbesserungen für geboten, etwa mit Blick auf die Zukunft im Bereich Gänsfußallee/Osterholzallee (Weststadt).

Reinhold Noz (CDU) findet erfreulich, dass nach zwei Jahren endlich der Weststadt-Express kommt. Diese Linie sollte allerdings mit Entstehen des geplanten P+R-Parkhauses nahe der Autobahn über die Waldäcker verlängert werden. Auch Fraktionskollege Mike Braumann sieht erhebliche Fortschritte. „Wir erwarten uns vom 10-Minuten-Takt der Linie 421 in Neckarweihingen einiges.“

Wie Dieter Juranek von der SPD fragte Braumann aber nach, warum eine neu geplante Verbindung zwischen Neckarweihingen-Au (Linie 428) durch den Ort in den Bereich Neubaugebiet und Edeka-Markt hinüber nur von 9 bis 11 Uhr verkehren soll. Und warum der Edeka-Markt nicht direkt angefahren werde. Die Antwort des LVL-Betriebsleiters Frank Metzger: Solche weiteren Verbesserungen würden noch einmal viel Geld kosten. Und die Möglichkeiten der LVL, zusätzliche Leistungen aus eigener Kraft anzubieten, habe ihre Grenzen erreicht. Der 20-Minuten-Takt auf der Poppenweiler Linie zum Beispiel sei schon mehr als der Nahverkehrsplan eigentlich fordere. Und ein 10-Minuten-Takt in alle Stadtteile sei aus eigenen Mitteln nicht mehr zu stemmen.

„Jetzt bekommen wir schon eine Million zusätzliche Kilometer und sind immer noch nicht zufrieden“, hielt Rothacker zusätzlichen Forderungen entgegen. Er entschuldigte sich schon mal bei der LVL für dieses Verhalten.

Bei den anderen Fraktionen kam er damit nicht an. Liepins: „Ja, das ist ein tolles Angebot der LVL. Aber es ist doch klar, dass es auf Kosten der Stadt gehen muss, wenn wir weitere Verbesserungen angehen.“ So forderte auch Knoß für die Grünen, die LVL sollten doch einmal vorrechnen, was Verbesserungen bei der Poppenweiler Linie 430 kosten würden. Und Braumann will wissen, was es kosten würde, die Linie 428 auszuweiten. An Rothacker gerichtet gab der CDU-Mann verärgert zurück, er brauche niemanden, der sich für ihn entschuldige. „Aber wir brauchen überall echte Verbesserungen, sonst steigen die Leute nicht um.“

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