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Atomkraftwerke

EnBW bereitet sich auf Castor-Transporte vor

Die EnBW treibt ihre Vorbereitungen für die geplante Verlagerung verbrauchter Brennelemente aus dem Kernkraftwerk Obrigheim (KWO) in das Standort-Zwischenlager des Kernkraftwerks Neckarwestheim (GKN) voran.

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Die Schiffsrampe am Kernkraftwerk Neckarwestheim. Foto: Alfred Drossel

Ludwigsburg. In den kommenden Wochen wird das Unternehmen einen Funktionstest durchführen, der sich an der Praxis der späteren „echten“ Transporte orientiert. Der Funktionstest umfasst die Beladung des Transportschiffes in Obrigheim mit leeren, unbenutzten Castor-Behältern und die Fahrt des Schiffes zum Kernkraftwerk Neckarwestheim. Dort wird das Schiff erst entladen und dann wieder beladen, bevor es sich auf den Rückweg nach Obrigheim begibt. Der Funktionstest wird mehrere Tage dauern und weitgehend ohne Auswirkungen auf die Schifffahrt auf dem Neckar umgesetzt.

„Wir wollen mit ausreichendem zeitlichen Vorlauf einen Test durchführen, der möglichst nah an den realen Transportabläufen ist. Das entspricht unseren Vorstellungen von einer sorgfältigen und gewissenhaften Vorbereitung“, erläutert Jörg Michels, Geschäftsführer der EnBW Kernkraft GmbH. „Ein wesentlicher Unterschied zu den späteren Transporten ist, dass wir bei diesem Funktionstest ausschließlich mit leeren, bislang unbenutzten Castor-Behältern arbeiten. Die verbrauchten Brennelemente bleiben selbstverständlich so lange im abgesicherten Lager im Obrigheimer Kraftwerk, bis wir die Genehmigung für ihren Abtransport erhalten haben.“ Zuständige Behörde für die 2014 beantragte Transportgenehmigung ist das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE).

Die EnBW hatte sich im Juni 2016 für die Verlagerung der insgesamt 342 verbrauchten Obrigheimer Brennelemente entschieden. Dadurch werde der Bau eines weiteren Zwischenlagers in Deutschland überflüssig, und der Standort Obrigheim könne schneller zu einer konventionellen Industriefläche werden. Die Brennelemente aus dem früheren Anlagenbetrieb befinden sich derzeit abgesichert in einem Nasslager innerhalb des Kernkraftwerks.

Sobald die rechtliche Grundlage für den Transport vorliegt, wird die EnBW die Brennelemente schrittweise in insgesamt 15 Castor-Behälter einlagern und darin sicher verschließen. Die Überführung der Behälter zum Kraftwerksgelände in Neckarwestheim wird voraussichtlich in fünf einzelnen Schiffstransporten über den Neckar mit jeweils drei Behältern erfolgen.

Das Zwischenlager in Neckarwestheim verfügt über 151 Stellplätze für Behälter mit Brennelementen. Davon werden jedoch – als Folge des vorzeitigen Ausstiegs aus der Kernenergie – nur rund 125 Plätze für die Zwischenlagerung der Brennelemente aus den beiden Kraftwerksblöcken in Neckarwestheim benötigt. Die Unterbringung der 15 Castoren aus Obrigheim sei also ohne Erweiterung des Zwischenlagers möglich. Aktuell stehen dort 53 beladene Behälter. Die Genehmigung für die Einlagerung der Brennelemente aus Obrigheim hat das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit im August 2016 erteilt.

Kritik von Umweltschützern

„Der Schutz von Mensch und Umwelt steht für uns an erster Stelle. Dieser Schutz wird bereits von der massiven, tonnenschweren Metallkonstruktion der eingesetzten Castor-Behälter gewährleistet, die in Tests nachgewiesen haben, dass sie auch unter extremen Bedingungen sicher sind. Nur so haben sie die behördliche Zulassung für ihren generellen Einsatz als Transport- und Lagerbehälter erhalten“, erklärt Jörg Michels. “

Am vergangenen Wochenende hatten Umweltschützer gegen den geplanten Transport auf dem Wasser protestiert. Die Brennelemente sollen in Neckarwestheim untergebracht werden, damit in Obrigheim kein weiteres Zwischenlager gebaut werden muss. Seit 2008 wird das Kernkraftwerk Obrigheim zurückgebaut. In Neckarwestheim ist einer der beiden Blöcke bereits abgeschaltet, der zweite darf noch bis 2022 laufen.

Die BUND-Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender kritisierte: „Auch ein Probelauf ändert nichts daran, dass der Transport auf dem Wasser die riskanteste Variante ist, Atommüll zu transportieren.“ Atommüll sei hochradioaktiv. „Ein gekentertes Schiff kann nicht einfach so geborgen werden. Ein Unfall betrifft automatisch viele Kilometer Wasser und auch Tausende Menschen.(red/lsw)