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Energieversorgung
Fernwärme in Ludwigsburg wird immer teurer und sorgt für Ärger

Nicht nur die Erdgaspreise schnellen nach oben, die Stadtwerke erhöhen auch den Grundpreis. Archivfoto: dpa
Nicht nur die Erdgaspreise schnellen nach oben, die Stadtwerke erhöhen auch den Grundpreis. Archivfoto: dpa
Vertragskündigung, hohe Preissteigerungen – in der Ludwigsburger Oststadt sind Bürger über die teuren Energiepreise für städtische Fernwärme erbost. Eine „horrende Erhöhung“ sei das, das Ganze habe das Zeug für einen „Krimi“. Die Stadtwerke wiegeln ab, verweisen auf Gesetze, Investitionskosten und teure Rohstoffe.

Ludwigsburg. In der City Ost wie in der Kernstadt haben Kunden der Stadtwerke eine Vertragskündigung erhalten. Im Bereich der Jägerhofallee etwa 80, insgesamt waren es mit Kernstadt, Eglosheim und Kornwestheim rund 1000 Kunden. Wer Fernwärme bezieht, musste sich zwangsweise, weil es nur diesen Anbieter gibt, mit den neuen Bedingungen abfinden –und die gehen kräftig an den Geldbeutel, wie Mieter wie Hausbesitzer berichten. Und zwar ganz massiv.

Statt bisher 980 Euro werden in einem Haushalt die Kosten ab 2023 auf 1580 Euro steigen. Dafür verantwortlich ist vor allem der um 500 Euro höhere Grundpreis. In einem anderen Fall steigen die Heizkosten von 830 auf 1220 Euro. Die Bewohner sprechen von einem „Gebaren“ der Stadtwerke, das nicht mehr nachvollziehbar sei. Dies sei nicht durch die teuren Erdgaspreise erklärbar, zumal sich vor allem der Grundpreis – also die fixen Kosten – von 33 Euro je Kilowatt auf 72 mehr als verdoppelt haben.

Beinahe Verdopplung der Kosten

Irgendwie hat man es bei den Stadtwerken befürchtet, dass das für Ärger sorgt. Da wird der Vertrag einseitig gekündigt, eine teure Berechnung vorgelegt, gültig ab 2023. Wobei das vielleicht noch nicht das Ende der Fahnenstange ist, abhängig von den Marktpreisen für Erdgas, auf das die Stadtwerke stark angewiesen sind. Sie sind es trotz der Investitionen in den letzten Jahren in regenerative Energien, wie zuletzt in den Solarpark in Ludwigsburg oder die Biogasanlage in Kornwestheim.

Solche Schreiben „hätten wir uns gerne erspart“, räumt man ein. Doch Christian Schneider, Vorsitzender der Geschäftsführung, verweist auf mehrere Faktoren. Gesetzlich sei man gezwungen gewesen, die fixen Kosten – dazu gehören die millionenschweren Investitionen ins Fernwärmenetz wie auch in Kraftwerke – in den Grundpreis einzurechnen, der sich damit erhöht. „Das mussten wir umstellen.“ Es gelte das Prinzip Kostendeckung, alle Energieunternehmen seien davon betroffen. Dass jetzt gleichzeitig die Preise für Erdgas extrem hochschnellen und die Investitionen im Grundpreis abgebildet werden müssten, sei nicht ganz glücklich, aber nicht zu vermeiden gewesen, so Schneider.

Stadtwerke verweisen auf Rohstoffpreise

Dass es insbesondere in der City Ost kostenmäßig so stark zu Buche schlage, liege daran, dass dort die Lieferverträge noch aus den 1980er Jahren stammen. Andererseits sei die Rechnung der Anwohner, die sich über die Preisentwicklung beschweren, nicht ganz zutreffend, heißt es. Durch die Rohstoffpreise sei die aktuell massive Preissteigerung wie auch die Preisentwicklung bis 2022 nicht berücksichtigt, so Sascha Janic von den Stadtwerken, der die Kunden betreut. Die Preissteigerung bis 2023 durch den neuen Vertrag sei so gesehen wesentlich geringer.

Lesen Sie hier: Fernwärme in Ludwigsburg auf dem Vormarsch

Das Schreiben der Stadtwerke hat dennoch viele verunsichert. Zumal die höheren Ausgaben für die Fernwärme im einzelnen Haushalt deutlich zu spüren sind. Ärgerlich ist für viele zudem, dass ausgerechnet der Umstieg auf erneuerbare Energien bei der Fernwärme den Grundpreis verteuert, die Kunden also hier regelmäßig und verbrauchsunabhängig zur Kasse gebeten werden. Dazu kommt, dass es aktuell günstiger sein kann, sich mit Heizöl zu versorgen. „Zum heutigen Stand ist die regenerative oder CO-neutrale Versorgung teurer als die bisherige fossile Wärmeerzeugung“, so das Eingeständnis der Stadtwerke in einem Schreiben gegenüber den Kunden.

Regenerative Energie teuer als Öl

Danach gefragt, erklären die Verantwortlichen, bei solchen Vergleichen sei nicht berücksichtigt, dass auch ein Haushalt, der mit Öl heizt, bei der nächsten Sanierung ganz gewaltige Investitionen tätigen muss, die er beim Preis einkalkulieren müsste. Wer dagegen auf Fernwärme setze, habe diesen Kostenblock bereits im Preis enthalten, so Sascha Janic und Geschäftsführer Johannes Rager, der betont, dass die Fernwärme energiepolitisch sinnvoll und für sie ein zentrales Anliegen sei. „Andere Städte, die das noch nicht haben, machen das jetzt nach“, so Rager. „Überlegen sie mal, so ein Fernwärmenetz ersetzt zigtausend einzelne Feuerungsanlagen.“

Die Stadtwerke rechnen auch mit Blick auf die Ziele der Bundesregierung wie auch der Stadt Ludwigsburg, klimaneutral zu werden, damit, dass die Fernwärme Zukunft hat, auch preislich. Gerade auch die regenerative Versorgung werde langfristig günstiger sein als die mit Erdgas. Die Nachfrage nach einem Anschluss an die Fernwärme steigt derzeit massiv an, „sie ist so hoch wie nie“, so Rager. Anfragen kommen sowohl von Besitzern von Einfamilienhäusern wie auch von großen Unternehmen.

Es gab viele Rückmeldungen zu der Vertragsänderung, so Janic. Allerdings handfeste Beschwerden dazu seien nur fünf oder sechs bei ihm eingegangen. Nach Angaben der Stadtwerke gelten die jetzt so kritisierten Verträge schon lange etwa in den Neubaugebieten am Sonnenberg oder in Neckarweihingen. Für die Anwohner in der Oststadt ist das alles ein schwacher Trost. Es wäre „für mich günstiger, mit dem überschüssigen Strom meiner Solaranlage zu heizen als mit Fernwärme“, stellt einer verärgert fest.