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Filmprojekt: Wie Zichorien zu Fake News werden

Vivien Betz, Studentin an der Filmakademie, dreht für ihren Drittjahresfilm auf dem Franck-Areal. In ihrem Projekt werden Zichorien, die dort einst zu Caro-Kaffee verarbeitet wurden, zum Gegenstand einer Verschwörungstheorie. Für die Produktion sucht die Studentin jetzt ehemalige Mitarbeiter der einstigen Fabrik für den Ersatzkaffee.

Die Studentin Vivien Betz möchte einen Film auf dem Franck-Areal drehen. Dafür sucht sie ehemalige Mitarbeiter der Fabrik. Im Hintergrund eine ehemalige Fabrikhalle mit dem Caro-Logo. Foto: Ramona Theiss
Die Studentin Vivien Betz möchte einen Film auf dem Franck-Areal drehen. Dafür sucht sie ehemalige Mitarbeiter der Fabrik. Im Hintergrund eine ehemalige Fabrikhalle mit dem Caro-Logo. Foto: Ramona Theiss
Raum für Fantasien: Schmale Durchgänge im brachliegenden Franck-Areal gleich hinter dem Bahnhofsgelände. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Raum für Fantasien: Schmale Durchgänge im brachliegenden Franck-Areal gleich hinter dem Bahnhofsgelände. Foto: Holm Wolschendorf

Das Franck-Areal übt eine gewisse Faszination auf Vivien Betz aus. „Die Räume in den verschiedenen Gebäuden sind sehr vielfältig“, sagt die junge Frau. „Es gibt sehr hohe Hallen, in denen alte Wagen und alle möglichen Maschinen und Apparate stehen, aber auch düstere, fast katakombenartige Kellerräume mit Mauerwerk.“

Diese Szenerie erschien Betz als geeignete Kulisse für ihren Drittjahresfilm, den sie jetzt für ihr Studium „Regie und Fernsehjournalismus“ an der Filmakademie drehen will. Da sie bei der Themenwahl völlig frei war, kam sie auf die Idee, sich in der etwa 15-minütigen Produktion mit den aktuellen Themen Fake News und Verschwörungstheorien auseinanderzusetzen. Als Fake News werden falsche Nachrichten bezeichnet, die sich vor allem im Internet und in den sozialen Medien schnell verbreiten.

„Damit habe ich mich schon lange beschäftigt“, sagt Betz. „Verschwörungstheorien und Fake News sind in den vergangenen Jahren immer relevanter geworden. In meinem Film soll der Zuschauer erleben, wie schnell man auf Verschwörungstheorien und Fake News reinfallen kann.“

Um dieses Vorhaben umzusetzen, hat sie eine Figur namens Lenni kreiert, der ein ausgesprochenes Faible für Zichorien hat. Dass aus dieser Heilpflanze Ersatzkaffee gewonnen werden kann, ist hinlänglich bekannt. Lenni aber ist bei Recherchen auf einen mittelalterlichen Mythos gestoßen und will herausgefunden haben, dass Zichorien auch potenzsteigernd wirken.

Wo anders als auf dem Franck-Areal, dem einstigen Mekka der Ersatzkaffeeproduktion, sollte Lenni diesen Mythos auf seinen Wahrheitsgehalt abklopfen? Als Reporter führt er den Zuschauer in der 15-minütigen Produktion durch die frühere Produktionsstätte. Dabei trifft er auf einen Botaniker und einen Historiker, die ihn in die Geheimnisse der Zichorie einweihen.

„Lenni ist besessen von seiner Idee und will groß rauskommen“, erläutert Betz ihr Konzept. „Er hört nur noch, was zu seiner Geschichte passt.“ So funktionierten Verschwörungstheorien auch im echten Leben. „Wahrheit und Lüge vermischen sich, das soll sich in dem Film widerspiegeln.“

Sie wolle Aufklärungsarbeit leisten, betont die Studentin, für den Zuschauer sei ihr Film eine Selbsterfahrung. Deshalb habe sie sich auch nicht für eine reine Dokumentation, sondern für einen Mix aus Realität und Fiktion entschieden. Ein Kommilitone hat das Drehbuch geschrieben. Die Gebäude und der Botaniker sind echt, die Historikerin und Lenni fiktive Charaktere.

„Mit einem klassischen Dokumentarfilm komme ich an Leute, die für Fake News und Verschwörungstheorien empfänglich sind, gar nicht ran“, sagt Betz. „Mit diesem Format kann ich zielgruppenorientiert arbeiten.“ Zudem soll ihr Film, der bis Mitte Oktober fertig werden muss, die Frage aufwerfen, welche Rolle die Medien bei der Verbreitung von Verschwörungstheorien spielen.

Der Dreh beginnt am 1. September. Betz hofft, dass sich bis dahin noch Zeitzeugen melden, die früher auf dem Franck-Areal gearbeitet haben. Vor der Kamera sollen sie kurze Einblicke in die Ersatzkaffeeproduktion geben. „Wer mitmachen will, kann sich gerne melden und sollte maximal zwei Stunden Zeit einplanen.“

Info: Wer sich für das Filmprojekt von Vivien Betz interessiert, kann unter E-Mail: vivien.betz@filmakademie.de Kontakt aufnehmen.

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