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Hotelier am Akademiehof in Ludwigsburg: Wegen Randale wird das Haus an Wochenenden geschlossen

Seit einem Jahrzehnt betreibt Harald Kilgus das Hotel campuszwei direkt neben dem Akademiehof. Jetzt sieht er keinen Ausweg mehr, er wird an den Wochenenden seine Zimmer vorerst nicht mehr vermieten. „Wir können unseren Gästen die Randale und brutalen Schlägereien nicht mehr zumuten.“ Seine letzte Hoffnung: die Stadträte, die er am Samstag in einem Brandbrief alarmiert hat. Seine Forderung: Den Platz schließen, oder wenigstens ein Alkoholverbot.

Polizeieinsatz auf dem Akademiehof. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Polizeieinsatz auf dem Akademiehof. Archivfoto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. „Die Lage am Akademiehof ist dramatischer denn je“, sagt Harald Kilgus gegenüber unserer Zeitung. Er betreibt das Hotel campuszwei, das nur wenige Schritte vom Akademiehof entfernt liegt. Am Freitag in der Nacht sei es wieder einmal zu einer ungemein brutalen Schlägerei gekommen, mit abgebrochenen Flaschenhälsen seien Leute aufeinander losgegangen“, berichtet Kilgus. Am Samstagabend verschickte er den Brief an die Stadträte.

„Wir wenden uns an Sie, weil wir glauben, dass Sie als Vertreter der Bürgerinnen und Bürger der Stadt Ludwigsburg, als auch der touristischen Stadtbesuchenden interessiert sind, für friedliche Zustände in der Innenstadt zu sorgen. Wir wenden uns auch an Sie, weil Sie Einfluss auf die Verwaltung haben – und unser Hilferuf bei der Stadtverwaltung bisher niemanden beeindruckt“, so heißt es in dem Schreiben, das Kilgus auch öffentlich gemacht hat.

Am 13. September habe er an die Stadtverwaltung geschrieben, erzählt Kilgus, denn seit die Corona-Regeln gelockert wurden, sei es auf dem Akademiehof schlimmer denn je, die Aggressivität habe deutlich zugenommen. In den Wochen seither habe er aus dem Rathaus aber nichts mehr gehört. Deshalb der Appell an die Stadträte.

Im Brief steht es so: „Seit Jahren versuchen wir vom Hotel campuszwei, die Stadt zu einer Intervention am Akademiehof zu bewegen, leider ohne Erfolg. Die Gastronomie Joe Penas und wir leiden massiv unter den regelmäßigen Eskalationen, die in der Regel freitags und samstags ab 0 Uhr stattfinden. Seit die Corona Schutzregeln im Frühjahr gelockert wurden, nimmt die Problematik signifikant zu.“

Und weiter: „Regelmäßig rufen wir die Polizei zur Hilfe, weil sich Hotelgäste massiv beklagen. Die Polizei hat im Juli den Akademiehof mehrfach geräumt, sieht sich aber inzwischen personell für so einen Einsatz nicht mehr ausreichend ausgestattet. Zumindest wurden wir vom Revier Ludwigsburg ermutigt, beim Innenministerium unsere Lage zu schildern.“

Lesen Sie hier: Polizeieinsätze am Akademiehof: Konsequent oder zu hart?

Die Lage bei seinen Hotelgästen hatte Kilgus in seinem Brief ans Rathaus bereits geschildert, diesen Brief gab er den Stadträten in Kopie an die Hände. Ein Auszug: „Meine Hotelgäste beschweren sich jeden Samstag und jeden Sonntagvormittag bei der Abreise. Sie schildern Dinge wie: Beleidigungen und Pöbeleien auf dem Weg zum Hotel, nächtliche Ruhestörungen, stundenlanges nicht schlafen können wegen dröhnender Bässe und schreiender Partygäste, ein Gefühl der Unsicherheit. Wenn ich Mitarbeitende suche, dann bekomme ich Absagen für die Spätdienste, wenn ich erwähne, dass das Hotel am Akademiehof liegt.“

Der Hotelier sagt, dass die Stadtverwaltung bisher nicht reagiert habe. Seine Schilderungen über das, was auf dem Akademiehof passiert, lesen sich in seinem Brief vom 13. September dramatisch: „Ein typischer Tag am Akademiehof beginnt um 16 Uhr. Junge Menschen verweilen, es wird Frisbee gespielt, gegrillt und es herrscht eine lockere, fröhliche Stimmung. In den Abendstunden steigen die Besucherzahlen (dieses Wochenende z.B. auf über 350 Personen), es wird hochprozentiger Alkohol konsumiert – von Erwachsenen und von Jugendlichen, es laufen Musikboxen und die Stimmung heizt sich zunehmend auf. Von AHA-Regeln weiß jetzt keiner mehr was. Nach 23 Uhr ist auf dem Platz quasi kein Mensch mehr nüchtern. Es herrscht eine aggressive Stimmung und die seriösen Besucher sind längst nicht mehr da. Ich beobachte z.B. an solch einem typischen Freitagabend, wie zwei junge Erwachsene über einen Gästetisch des Restaurants Joe Penas urinieren, und als sie von den Mitarbeitenden angesprochen werden, sich kurze Zeit später mit mehreren weiteren Personen einfinden, um deren Recht auf ein Verhalten dieser Art mit Beleidigungen und Bedrohungen zu verdeutlichen. Flaschen fliegen, vor den angrenzenden Gebäuden wird die Notdurft verrichtet, wird sich übergeben, wird Abfall hinterlassen, es wird mit Betäubungsmitteln gehandelt, es findet sexualisierte Gewalt statt.“

Er habe sich dazu entschieden, das Hotel ab sofort und bis zur Besserung der Lage an den Wochenenden komplett zu schließen, teilt Kilgus den Stadträten in seinem Schreiben mit. Im Gespräch mit unserer Zeitung zeigt er sich skeptisch, dass sich mit normalen Polizeieinsätzen die Lage am Akademiehof nochmal beruhigen lässt. Er fordert, den Platz entweder ganz zu schließen, oder wenigstens ein Alkoholverbot zu verhängen und zu überwachen. (red)