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10 Jahre Zugwiesen
Interesse an Touren durchs Idyll

Die Zugwiesen am Neckar sind aus Sicht des Naturschutzes ein großer Gewinn für Ludwigsburg und die Region.Archivfoto:Andreas Becker
Die Zugwiesen am Neckar sind aus Sicht des Naturschutzes ein großer Gewinn für Ludwigsburg und die Region.Archivfoto:Andreas Becker
Petra Hille ist Diplom-Biologin und war neun Jahre Vorsitzende des Vereins Neckarguides. Foto Uli Ostarhild
Petra Hille ist Diplom-Biologin und war neun Jahre Vorsitzende des Vereins Neckarguides. Foto Uli Ostarhild
Die Ludwigsburger haben seit einigen Jahren den Neckar (wieder) für sich entdeckt. An sonnigen Sonntagen werden heute bis zu 8000 Radler auf dem Neckar-Radweg gezählt. Zahllose Autos parken an heißen Tagen rund um das Freibad Ho- heneck. Direkt daneben liegt das Neckarbiotop Zugwiesen. Auch nach zehn Jahren ist das Interesse daran groß, weiß Neckarguide Petra Hille.

Ludwigsburg. „Für Besucher von auswärts, die das Gebiet nicht kennen, ist das hier gar nicht so einfach zu begreifen. Die Leute denken, das war hier schon immer ein Naturidyll“, sagt Petra Hille. Hille ist gelernte Diplom-Biologin und war lange Jahre Vorsitzende des Vereins Neckarguides.

Auf Folien zeigt Hille verschiedene Vorher-Nachher-Szenarien in den Zugwiesen. Der tiefe Einschnitt des Zugwiesenbachs, speziell die Riegelrampe mit großen Felsblöcken, wirkt wie ein Gebirgsbach. Zuvor, so zeigen es die Bilder, war hier eine ganz normale Wiese. Den Älteren ist die Stelle bei der Schleuse Poppenweiler bekannt als „Neckarwiese“, wo früher gerne Partys gefeiert wurden.

Die Ufer des Bachs, der seit zehn Jahren nun bereits den Fischen den Weg den Neckar aufwärts weist, sind zugewachsen mit Weidenbüschen. Beeindruckend sind die Fotos, die während der Bauphase des Biotops gemacht wurden und den Aushub und das Setzen der Felsbrocken im Bach zeigen. „Die Leute sind dann begeistert, wie rasch sich die Natur die Flächen zurückholt, wie viel schöner das Gebiet nun auch für die Besucher ist, die die Begegnung mit der Natur suchen“, so die engagierte Naturschützerin.

Der Neckar, ein Gefangener?

Der Mensch sei definitiv Teil des Neckarbiotops. Sei es als Besucher zur Erholung, als Naturbeobachterin, als Vogelgucker, als Jäger, Angler, als Forscherin oder als Landwirt, der sich um die Pflege des Biotops kümmert. Petra Hille ist ausgebildete Natur- und Kulturlandschaftsführerin, stammt aus Leonberg und hat, wie gut zehn weitere Neckarguides, vor zehn Jahren an einer weiteren Schulung als Zugwiesen-Guide teilgenommen. Jährlich wird das Wissen der Guides durch Fortbildungen auf den neuesten Stand gebracht.

„An der Mündung des lebendigen Baches in den trägen Neckar sieht man, wie der Neckar zu einem fast stehenden Gewässer verkommen ist. Das sieht man auch, wenn man oben auf der Besucherplattform auf der Insel steht“, so Hille. Einst galt der Neckar mit seinen starken Strömungen und sich stets verändernden Ufern als der wilde Geselle unter den deutschen Flüssen. Davon ist nicht mehr viel zu sehen. „Für mich als Biologin wirkt der Neckar wie ein Gefangener in einem Korsett aus Beton und Stahl. Durch die Strömung und durch die vielfältigen Ufer- und Wasserpflanzen ist der Zugwiesenbach und das ganze Gebiet zu einem wertvollen Biotop geworden“, so die Biologin Hille.

Artenvielfalt ein relevantes Thema

„Fast jedes Mal, wenn ich in den Zugwiesen bin, erlebe ich Überraschungen. Kürzlich erfuhr ich, dass die Wasserralle, ein seltener Vogel, hier zu Gast war. Voriges Jahr sorgte der Biber für eine echte Überraschung. Oder die Bekassine, ein Wasservogel, mit dem ursprünglich niemand gerechnet hat. Für mich bedeutet das, auch mal dem Reflex zu widerstehen, dass wir alles in der Natur kontrollieren können. Wir sollten doch einfach mal gelassen beobachten, wie sich die Natur entwickelt“, gibt Neckarguide Petra Hille den Besuchern auf den Weg mit.

Bei den Führungen habe ich schon das Gefühl, dass man manchen Menschen in Sachen Ökologie und Naturschutz die Augen öffnen kann. In den vergangenen Jahren ist das Interesse an der Natur bei vielen Menschen deutlich besser geworden. Denken wir an das Thema Insektensterben. Der Erhalt der Artenvielfalt ist als wichtiges Thema in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, so Hille.

Ein Wunsch der Biologin wäre, dass es eine bessere Zusammenarbeit gäbe zwischen den Akteuren am Neckar und in den Zugwiesen. „Alle meinen es gut, aber jede und jeder will seine Meinung durchsetzen“, so Hille. Das Miteinander von Ornithologen, Anglern und Neckarguides hat nach Meinung der langjährigen Neckarguide-Vorsitzenden noch Luft nach oben.