Logo

Verwaltungshochschule

Ist die Verwaltungshochschule keine Bürgermeisterschmiede mehr?

Das Interesse von Absolventen der Verwaltungshochschule, Bürgermeister zu werden, hält sich seit Jahren in Grenzen. Studenten haben jetzt untersucht, woran das liegen könnte. Ein Grund ist, dass die Abgänger vor allem einen sicheren Job samt Vereinbarkeit von Familie und Beruf wünschen. Beides bietet das Amt an der Stadtspitze nicht.

Die Ludwigsburger Verwaltungshochschule: Wer hier studiert, wird auch auf das Amt des Bürgermeisters vorbereitet.Archivfoto: Marijan Murat/dpa
Die Ludwigsburger Verwaltungshochschule: Wer hier studiert, wird auch auf das Amt des Bürgermeisters vorbereitet. Foto: Marijan Murat/dpa

Ludwigsburg. 54 Prozent der Studenten der Verwaltungshochschulen in Ludwigsburg und Kehl können sich nicht vorstellen, Bürgermeister zu werden. Etwas mehr als 26 Prozent sind in dieser Frage noch unentschlossen und nur knapp 20 Prozent geben als Antwort ein klares Ja. Das ist die Erkenntnis aus einem studentischen Forschungsprojekt, dessen Ergebnisse jetzt präsentiert wurden.

15 Studenten der Ludwigsburger Verwaltungshochschule hatten für das Fachprojekt vor einem halben Jahr ihre 2125 Kommilitonen im Studiengang Public Management (Führung und Steuerung öffentlicher Verwaltungen) zu ihren Einstellungen und Zukunftsplänen befragt. Knapp 800 Studenten der Partnerhochschulen Ludwigsburg und Kehl haben darauf geantwortet.

Wenig Interesse vor allem bei Frauen

Die Auswertung ergibt, dass von einer Bürgermeisterschmiede keine Rede mehr sein kann. Viele Studenten haben nämlich gar nicht vor, sich in ihrer Laufbahn an die Spitze einer Stadt zu kämpfen. Unter den weiblichen Teilnehmern der Studie können sich lediglich 12,4 Prozent vorstellen, später Bürgermeisterin zu werden. Für 62,1 Prozent kommt das nicht infrage. Der Rest ist unentschlossen. Im Hinblick auf die Rekrutierung professioneller Bürgermeisterkandidaten ist dieses Ergebnis fatal. Zumal mittlerweile weit über 70 Prozent der Studenten an den beiden Verwaltungshochschulen weiblich sind.

Bei den männlichen Teilnehmern sieht das Ergebnis etwas anders aus. 41,1 Prozent unter ihnen sind bereit für ein solches Amt. 30,7 Prozent schließen es aus. Und 28,1 Prozent sind unentschlossen. Dies decke sich mit den Alltagserfahrungen im Land, so der für das Projekt verantwortliche Dozent Stefan Jenninger bei der Präsentation. „90 Prozent der Bürgermeister sind Männer.“ Jenninger hat selbst an der Ludwigsburger Verwaltungshochschule studiert und ist heute Bürgermeister einer Gemeinde auf der Schwäbischen Alb.

Der Inhalt des Studiums ist jedenfalls keine Ursache für die Zurückhaltung. Knapp 70 Prozent der Studenten fühlen sich laut der Umfrage durch ihr Studium „besonders gut für das Bürgermeisteramt qualifiziert“. Nur 8,1 Prozent stimmen dem nicht zu. Der Rest ist in dieser Frage unentschlossen.

Wer nach Ursachen sucht, kann sie bei der Motivation der Studenten finden. Auf die Frage, warum sie die Beamtenlaufbahn mit einem Studium an der Verwaltungshochschule eingeschlagen haben, ergeben sich vor allem zwei Punkte, die den Studenten wichtig sind: die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und der krisensichere Arbeitsplatz. Beides steht dem Amt eines Bürgermeisters, der oft 60 Studenten und mehr in der Woche arbeiten muss – darunter regelmäßig auch am Wochenende – entgegen. Außerdem kann ein Bürgermeister jederzeit abgewählt werden. Ein sicherer Arbeitsplatz sieht anders aus.

Viele Studenten sind unpolitisch

Auch die Möglichkeit, einen heimatnahen Arbeitsplatz zu finden, steht bei den Studenten hoch im Kurs. Dass man mit dem Studium von Public Management auch auf das Amt des Bürgermeisters oder der Bürgermeisterin vorbereitet wird, ist für den überwiegenden Teil der Studenten bei der Studienwahl dagegen irrelevant, so die Umfrage.

Auch andere Befunde der Studie irritieren. Weniger als 40 Prozent der Studenten geben an, dass sie politisch interessiert sind. Das sind schlechte Voraussetzungen für ein Studium, das darauf vorbereiten soll, Bürgermeister zu werden.

2010 ist bereits eine vergleichbare Studie unter Studenten der Verwaltungshochschulen gestartet worden. Hintergrund war schon damals die Tatsache, dass sich immer weniger Absolventen für einen Posten als Bürgermeister interessieren.

Damals beantworteten sogar nur 3,3 Prozent der Befragten die Frage, ob sie sich vorstellen könnten Bürgermeister zu werden mit Ja. Allerdings war 2010 der Anteil der Unentschlossenen viel höher. Er betrug fast 60 Prozent, während knapp 40 Prozent äußerten, dass sie keine Bürgermeisterstelle anstreben.

Was könnte helfen? Auch dafür machen die Befragten in der Studie mehrere Vorschläge. In der Umfrage werden weniger Zeitaufwand und mehr Privatsphäre gewünscht. Die Studienmacher selbst schlagen darüber hinaus noch mehr Unterstützung für Bürgermeister vor, die kleine Kinder haben. Auch mehr Begegnungen mit Bürgermeistern während des Studiums, könnten helfen, den Beruf interessanter zu machen.

Autor: