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Neckarweihingen

Jetzt schaltet sich sogar der Pfarrer ein

Die Stadträte diskutieren schon lange darüber, in den sozialen Netzwerken läuft das Thema seit Monaten rauf und runter. Nun schaltet sich der Neckarweihinger Pfarrer ein: Die Verkehrsprobleme rund um die Neckarbrücke stellen Anwohner und Autofahrer auf eine harte Probe.

Olaf Digel ist Pfarrer in Neckarweihingen und macht sich als Anwohner Gedanken um die Verkehrsbelastung im Stadtteil. Foto: Holm Wolschendorf
Olaf Digel ist Pfarrer in Neckarweihingen und macht sich als Anwohner Gedanken um die Verkehrsbelastung im Stadtteil. Foto: Holm Wolschendorf

„Seit dem einspurigen Umbau der Marbacher Straße ist Neckarweihingen jeden Werktagmorgen komplett mit Autos verstopft. Es beginnt pünktlich kurz vor 7 Uhr und dauert in der Regel mindestens bis 8.30 Uhr, manchmal bis 9 Uhr.“ Diese Zeilen erreichen am Mittwochmorgen Ludwigsburgs Oberbürgermeister Werner Spec per E-Mail. Die Klage an sich dürfte im Rathaus nicht neu sein. In diesem Fall ist allerdings der Kläger neu: Olaf Digel wohnt nicht nur in Neckarweihingen, sondern ist der Pfarrer in der Laurentiuskirche. Er habe als Privatmann geschrieben, doch die Worte eines Pfarrers haben noch immer eine andere Wirkung – auch wenn er nicht von der Kanzel spricht.

„Die Autos biegen von Poppenweiler kommend aus der Lechtstraße in die Rilkestraße ab und stehen dann eines am anderen durch das ganze Wohngebiet. Weitere Autos versuchen wohl von Remseck kommend über die Otto-Hahn-Straße durch das Wohngebiet abzukürzen. Auch auf der Hauptstraße ist Stau und entsprechend kommt kaum ein Auto aus der Pfarrstraße flüssig Richtung Hauptstraße weiter.“ Verkehrsbelastung ist in Neckarweihingen kein neues Phänomen. „Bisher kannten wir das als Ausweichverkehr“, inzwischen sei es ein Dauerphänomen. Beim Schmieren der Pausenbrote für seine Kinder habe er jeden Morgen besten Blick auf die Autoschlangen zwischen Pfarrstraße und Theodor-Storm-Straße. Ärgerlich nicht nur für abgasgeplagte Anwohner und staugeplante Autofahrer. Digel bringt auch die Behinderungen für die Schulbusse 430 und 421 zur Sprache. Zudem gravierend aus seiner Sicht: „Auch die Feuerwehr kommt auf der Anfahrt zum Gerätehaus mit Privatautos nicht durch und hat selbst mit Sonderrechten Probleme, mit den Einsatzfahrzeugen zum Beispiel zum Klinikum hochzukommen, wohin sie regelmäßig bei Brandmeldealarm gerufen werden.“ Das betreffe auch den Rettungsdienst: „Die Rettungswache der Johanniter in der Austraße liegt im betroffenen Gebiet.“ Olaf Digel selbst ist neben seiner Tätigkeit als Gemeindepfarrer als Notfallseelsorger im Landkreis aktiv. Zu bestimmten Zeiten wäre er nur mit größter Zeitverzögerung in der Lage, einen Einsatzort zu erreichen, davon ist er überzeugt. Seine Frau ist als Klinikseelsorgerin wegen der Verkehrssituation während ihres Bereitschaftsdienstes schon mit bedauerlicher Verzögerung zu einem Patienten gekommen.

Digel richtet seinen Brief deshalb nicht nur an den Oberbürgermeister, sondern auch an den Feuerwehrkommandanten. Außerdem fordert er die Stadtverwaltung auf, verschiedene Möglichkeiten zu prüfen. Darunter sind neben der schnellstmöglichen Fertigstellung der Baustelle die Rückführung der Marbacher Straße zur Doppelspurigkeit, zumindest zu den Stoßzeiten und die Verlegung des Fahrradweges auf den Gehweg an der Marbacher Straße.

Auf der Wunschliste steht außerdem ein kontrolliertes Durchfahrtsverbot im Wohngebiet für Nicht-Anlieger und eine Pförtnerampel am Ortseingang von Neckarwehingen an der Lechtstraße aus Poppenweiler und an der Hauptstraße aus Marbach. Digels Hoffnung: „Vielleicht könnte eine verschlechterte Durchfahrtmöglichkeit durch den Stadtteil manches an unnötigem Verkehr abhalten und die Lebensqualität hier wieder verbessern.“

Eine Reaktion aus dem Rathaus auf das Schreiben aus dem Pfarrhaus steht noch aus. Die Forderung betrifft verschiedene Abteilungen und benötige daher noch Zeit, heißt es dort.

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