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Jugendsinfonieorchester

Jugendsinfonieorchester Ludwigsburg: Ute Kabisch gibt Taktstock weiter

Am Ende gab es donnernden Applaus, Blumen und Tränen. Ute Kabisch verabschiedete sich am Sonntag von und mit dem Jugendsinfonieorchester (JSO) der Musikschule mit einem großen Konzert auf der kleinen Bühne der Karlskaserne. 15 Jahre lang leitete sie das Ensemble.

Ute Kabisch (Mitte) war 15 Jahre lang Dirigentin des Jugendsinfonieorchesters Ludwigsburg. Foto: Andreas Essig
Ute Kabisch (Mitte) war 15 Jahre lang Dirigentin des Jugendsinfonieorchesters Ludwigsburg. Foto: Andreas Essig

Ludwigsburg. Trotz des Abschiedsschmerzes, der über der Veranstaltung schwebte, war das Programm geprägt von Leichtigkeit statt Tönen in Moll. Es sei eine der engagiertesten und motiviertesten Besetzungen, die sie in den letzten Jahren hatte, lobt Kabisch. Die jungen Menschen zwischen elf und 19 Jahren brennen für die Musik. Das Feuer war zu spüren.

„Ich brauche wieder mehr Zeit und Freiräume für mich und meine Kreativität“,

Ute Kabisch
Dirigentin

Dabei hatte die Dirigentin den jungen Talenten ihr musikalisches Finale nicht leicht gemacht: Vivaldis Concerto in C für Sopranino-Flöte und Orchester erfordert viel Feingefühl. Die Energie der Gruppe übertönte das feinfühlige Spiel der Solistin Iris Braun nicht, sondern unterstützte sie. Vor den Soli in Mozarts Sinfonia Concertante in Es-Dur haben selbst gestandene Profis Respekt. Für Valentin Rein mit der Oboe, Hanna Knör an der Klarinette sowie Amelie Rein und Linus Hofmann mit den Fagotten eine Herausforderung, am Ende aber doch eine lösbare Aufgabe. Es war eine Ode an die Freiheit, der Freude.

Den Schlusspunkt setzte ein Tango für Kammerorchester von Erwin Schulhoff. Mit diesem sehr rhythmischen Stück mit Schlagwerk, Klarinette (Hanna Knör) und Violinsolo (Paul Böhringer) kann sich Kabisch besonders identifizieren. Es führt Überliefertes in neue Formen, geht in die Beine und lässt innehalten und aufhorchen, vereint Lebensfreude und Melancholie, ist schräg und verrückt. „Dieser Tanz steht für meine Arbeit.“

In den letzten 15 Jahren hat Kabisch bestimmt ein Dutzend Orchester zusammengestellt und aufgebaut. Sie hat mit ihnen Neues ausprobiert, sie erfolgreich gelehrt, wie wichtig es ist, aufeinander zu hören, sich in die Gemeinschaft einzubringen. „Der Generationswechsel geht immer schneller voran.“ Dieser ständige Wandel in der Besetzung fordere zusätzlich. Das Team müsse immer wieder aufs Neue zusammengeschweißt werden, um das hohe Niveau zu halten.

Einige aus dem Jugendsinfonieorchester haben die Karriere des Profimusiker eingeschlagen. Auch die Motivatorin Kabisch hat neben Disziplin und Fleiß die Basis dafür geschaffen.

„Ich brauche wieder mehr Zeit und Freiräume für mich und meine Kreativität“, erklärte Kabisch ihren Rücktritt, weswegen sie sich von Alltagszwängen befreien müsse. Obwohl ihr jetzt schon klar sei, dass sie die Arbeit mit dem JSO sehr vermissen werde. „Es liegt mir so am Herzen, und ich habe eine wunderbare Zeit genossen.“ Die gemeinsamen Entdeckungstouren durch die Welt der Musik gehörten da ebenso dazu wie die die Begleitung der Jugendlichen in ihrer aktuellen Lebenssituation und den alterstypischen Problemen.

Aber nicht erst durch Corona sei alles immer komplizierter, immer zeitaufwendiger geworden. Mit den wöchentlichen Proben, den gemeinsamen Freizeiten, dem Aufwand auf und hinter der Bühne, am Schreibtisch. Die Ansprüche würden immer höher, während die Budgets sinken. „Ich wollte mich auch von der bürokratischen Verantwortung befreien, die drohte, mir die Luft für meine Neugier zu rauben.“ Kurz: Die musikalische Leiterin will raus aus dem Hamsterrad.

Sie wolle wieder mehr lesen und Projekte von Kollegen besuchen, um neue Impulse zu schöpfen und die Inspirationen auch umzusetzen. Sie wolle Kraft schöpfen und die Gelegenheit haben, sich wieder kritisch und im offenen Dialog mit Darstellungsformen und neuen Konzepten auseinanderzusetzen. So hat sie jetzt ein Engagement beim Musikfestival „Heidelberger Frühling“ angenommen, wo Kabisch für die konzeptionelle, zielgruppenorientierte Arbeit zuständig sein wird sowie für neue Formate für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Außerdem möchte sie experimentell zeitgenössische Kompositionen, Choreografie und Tanz kombinieren.

Der Jugendmusikschule Ludwigsburg bleibt sie aber erhalten. Vorwiegend als Klavierlehrerin, Chorleiterin und kammermusikalisch. Auch mit den anderen zahlreichen kulturellen Projekten der Stadt wie dem Bürgertheater, verspricht sie Kontakt zu halten.

Nach der letzten Note am Sonntagnachmittag sank der Taktstock. Kabisch wirkte glücklich. Weil ihre Musiker ihre Sache toll gemeistert haben, und weil auch eine Last von ihr genommen schien. Emotionale Lobreden wurden gehalten und die ein oder andere Träne floss. Kabisch hinterlässt ihrem Nachfolger Roland Hagemann große Stiefel, so wie sie die damals vom Gründer des JSO, Siegfried Bauer, angezogen hatte.

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