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Oberbürgermeisterwahl

Kandidat beschwört das Miteinander

Matthias Knecht will Amtsinhaber Werner Spec bei der Wahl am 30. Juni ablösen. Gestern hat er sich und seine Ziele erstmals öffentlich vorgestellt. Knecht setzt thematisch auf drei Schwerpunkte: Wohnungsbau, Mobilität sowie Bildung und Betreuung – und verrät auch, was er anders machen will als Spec.

Selbstbewusst präsentierte der 43-jährige Matthias Knecht den Pressevertretern gestern den Inhalt seiner Kampagne „Echt. Knecht!“. Foto: Andreas Essig
Selbstbewusst präsentierte der 43-jährige Matthias Knecht den Pressevertretern gestern den Inhalt seiner Kampagne „Echt. Knecht!“. Foto: Andreas Essig

Ludwigsburg. Gesprochen wurde bereits viel über ihn und seine Kandidaturabsichten – jetzt hat er sich erstmals bei einer Pressekonferenz den Fragen der Journalisten gestellt. Vor der Präsentation seines Wahlprogramms war es ihm jedoch wichtig, eines klarzustellen: Mit der berühmten Ludwigsburger Architektenfamilie Knecht ist er nicht verwandt oder verschwägert. Seine Familie sei vor mehr als hundert Jahren über Heidelberg, Heilbronn und Abstatt – wo sein Urgroßvater Bürgermeister war – nach Ludwigsburg gekommen.

Jetzt will sich Urenkel Matthias Knecht seinen Traum erfüllen und in Ludwigsburg auf dem Chefsessel im Rathaus Verantwortung übernehmen. In Stuttgart ist er geboren, wohnt dort aktuell auch mit seiner Frau und dem fünfjährigen Sohn, ist aber in Hoheneck und der Ludwigsburger Weststadt aufgewachsen. Er bezeichnet sich als „waschechter Ludwigsburger“.

Als solcher beschwört er das Miteinander – immer wieder, es soll der rote Faden seiner Politik sein und er will sich damit von Spec abgrenzen. Die Erfolge des Amtsinhabers wolle er nicht in Abrede stellen, aber: „Er ist vorangesprescht, hat sich viele Ziele gesetzt. Manche Menschen aber wurden zurückgelassen“, sagt Knecht über Werner Spec. Sein Angebot an die Bürger formuliert er so: „Brücken zu bauen, Prozesse zu entschleunigen, Ziele und Projekte zu priorisieren und mit neuen Ideen im Miteinander nach vorne zu gehen.“

Thematisch legt er den Schwerpunkt auf Wohnungsbau, als „ganz wichtiges Thema für Ludwigsburg“. Er wolle die privaten Bauträger wieder stärker mit ins Boot holen – hier sei das Miteinander zwischen der Stadtverwaltung mit der Städtischen Wohnungsbau auf der einen Seite und der privaten Bauwirtschaft auf der anderen Seite verloren gegangen. Beim Thema Wohnraummangel seien Enteignungen „kein Mittel der Wahl“. Nachverdichtung, Mikrohäuser und stille Reserven, wie etwa nicht ausgebaute Dachgeschosse, von denen es bundesweit geschätzt mehr als eine Million gebe, könnten eine Option sein.

Sein zweiter Schwerpunkt ist das Thema Mobilität, das durch die Diskussion um BRT-Busse und Stadtbahn verschattet worden sei. „Es ist eine Front entstanden, die ich nicht für notwendig halte.“ Seine Vision: „Mobilität, die nicht an Parteibüchern oder Dogmatik Halt macht, sondern diese überwindet.“ Mit Landrat Rainer Haas wolle er sich zeitnah zusammensetzen. „Der BRT ist mir zu sehr in den Mittelpunkt gerückt.“ SPD und CDU haben Knecht ihre Unterstützung zugesagt – beide Parteien haben unterschiedliche Präferenzen, wenn es um Stadtbahn und BRT geht. „Ich will auch die in den Blick nehmen, die mich bisher nicht unterstützen“, sagt er. „Die Hand von meiner Seite ist ausgestreckt“, sagt er explizit in Richtung der Grünen. Ob sie genommen wird? Parteiintern gebe es noch Abstimmungsbedarf, berichtet Knecht und spricht gleich ein Lieblingsthema der Grünen an. Das mediterrane Lebensgefühl auf dem Marktplatz sei der Tatsache zu verdanken, dass dort einst die Autos verbannt worden sind. Das könne er sich auch an zwei oder drei weiteren Stellen in der Stadt vorstellen und nennt neben dem Arsenalplatz die Achse vom Marktplatz zum Schloss.

Der (autofreie) Arsenalplatz ist kein neues Thema, aber eines, bei dem die Fronten im Gemeinderat verhärtet waren. „Was mich auszeichnet ist, Leute zusammenzubringen, die gegeneinander positioniert sind.“ Allein als Mediator will sich der Jurist aber nicht verstanden wissen. „Ich bin jemand, der im ersten Schritt diskutiert und dann auch klare Kante zeigt.“

Das will er auch bei seinem dritten Thema, Bildung und Betreuung, tun. „Es muss genug Angebote geben“, sagt er mit Blick auf die Kinderbetreuung, die noch nicht optimal sei. Das gilt in seinen Augen ebenso für den Hochschulstandort. „Wir müssen bei unserem Studienangebot auch an das produzierende Gewerbe denken“, sagt Knecht, der Dekan an der Fachhochschule Kempten ist. Das hiesige Studienangebot ziele bisher nicht auf das produzierende Gewerbe ab. Eine sechste Hochschule ist für ihn eine Option.

Angst vor großen Projekten hat er nicht, nach jedem Fördertopf will er aber nicht greifen, das binde oftmals zu viele Kräfte und sei nicht nachhaltig. Ein Seitenhieb auf Spec, ebenso wie der Hinweis auf den „Wohlfühlbahnhof“, den Spec einst gefordert hatte und von dem bisher nichts zu spüren sei.

Dass er weniger Erfahrung als der Amtsinhaber habe, liege in der Natur der Sache. Irgendwann jedoch müsse es auch in Ludwigsburg einen Neuanfang geben. „Ich kann das“, sagt der ehemalige Waldorfschüler selbstbewusst. „Trotzdem braucht man eine Startphase.“ Die werde er meistern, auch weil er die Stadtspitze als Team verstehe. Das Miteinander also.

Der Umzug von Stuttgart nach Ludwigsburg ist für Knecht ein Thema. Wohnraumpotenzial gebe es ja – im Dachgeschoss der Eltern.

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