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Klopapier: Schon 1885 völlig von der Rolle

Die Recherche in alten LKZ-Anzeigen zeigt: Hakle hatte einen Vorläufer – Gebrüder Walcker bieten Closetpapierträger und Rollen an

Die Anzeige in der Ludwigsburger Zeitung von 1885 beweist: Hans Klenks Erfindung der Klopapierrolle 43 Jahre später war gar keine. Foto: LKZ
Die Anzeige in der Ludwigsburger Zeitung von 1885 beweist: Hans Klenks Erfindung der Klopapierrolle 43 Jahre später war gar keine. Foto: LKZ

Deutschland hat zurzeit ein Problem: Die Rollen gehen aus. Egal, wo man derzeit hingeht, das wichtige Grundutensil für das kleine und große Geschäft ist momentan absolute Mangelware oder gar komplett ausverkauft. Toilettenpapier ist so begehrt, dass es teuer gehandelt wird. Warum spielt die Rolle auf einmal so eine große Rolle?

Leserbriefe – ausgehend von nostalgischen Erinnerungen an das Plumpsklo – geben alternative Ratschläge, die jedoch auf harsche Kritik der Zeitungsverleger, auch bei unserer Ludwigsburger Kreiszeitung, stoßen: „Die LKZ ist viel zu schade, um als Toilettenpapier benutzt zu werden. Abgesehen davon hat auch das Klärwerk was dagegen.“

Beim Blättern in der Ludwigsburger Zeitung, weit zurück in das Jahr 1885, zeigt sich: Am 27. November 1885 erschien die Anzeige der „Fa. Gebr. Walcker, Ludwigsburg, Untere Markstraße 5“. Sie bieten: „Closetpapierträger mit Rolle à 1000 Stück“.

Zu lesen ist bei Wikipedia: „1888 gehörten zum vielfältigen Angebot der ‚Eisenwerke Gaggenau‘ neben perforiertem Toilettenpapier auch passende Halter (Closetclipse für Rollenpapier). 1891 konnte das Unternehmen täglich 2000 Rollen gelochtes Closetpapier in seiner Papier-Perforier-Anstalt produzieren, der nach eigener Ansicht damals einzigen derartigen Einrichtung in Europa außerhalb von Großbritannien.“

Ohne jetzt die Wohltat des Ludwigsburger Bürgers Hans Klenk mindern zu wollen, der 1928 „den Umgang mit einem alltäglichen und allzu menschlichen Thema revolutionierte: der Hygiene beim Toilettengang“, ist es damit belegt: Perforiertes Toilettenpapier auf Rollen konnte in Ludwigsburg schon Ende 1885 im Einzelhandel gekauft werden. Und das für einen Spottpreis.

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