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Geschichte

Ludwigsburg als Autobauerstadt

„Der erste echte Volkswagen wurde in Ludwigsburg entwickelt und gebaut“, diese gewagte These stellte Dr. Thomas Lang beim Historischen Verein auf. Wilhelm Gutbrod sattelte von Motorrädern auf Autos um. Schon 1933 erregte der Standard Superior Aufsehen.

Nur eines der Fahrzeuge überlebte die Zeit, berichtet Thomas Lang: Der in Ludwigsburg produzierte Serienwagen ging als „Standard Superior“ auf den Markt. Fotos: Oliver Bürkle/privat
Nur eines der Fahrzeuge überlebte die Zeit, berichtet Thomas Lang: Der in Ludwigsburg produzierte Serienwagen ging als „Standard Superior“ auf den Markt. Foto: Oliver Bürkle/privat
Nur eines der Fahrzeuge überlebte die Zeit, berichtet Thomas Lang: Der in Ludwigsburg produzierte Serienwagen ging als „Standard Superior“ auf den Markt. Fotos: Oliver Bürkle/privat
Nur eines der Fahrzeuge überlebte die Zeit, berichtet Thomas Lang: Der in Ludwigsburg produzierte Serienwagen ging als „Standard Superior“ auf den Markt. Foto: Oliver Bürkle/privat

Wilhelm Gutbrod war ein Bauernbub, 1890 in Gerlingen geboren. Nach der Volksschule machte er eine Lehre als Dreher und Werkzeugmacher. Er war talentiert und stieg schon im zweiten Lehrjahr zum Vorarbeiter auf. Er wechselte zu Bosch und besuchte nach der Arbeit eine Maschinenbauschule. Als 20-Jähriger kam er zum Wehrdienst nach Ludwigsburg, danach schrieb er sich an der Ingenieurschule in Esslingen ein. Wegen seiner Leistungen wurde ihm das Schulgeld erlassen.

Im Ersten Weltkrieg war der technikbegeisterte junge Mann bei der Fliegertruppe, die damals gerade aufgebaut wurde. Mit 25 Jahren kam er bereits als Ausbilder zur Motorenbauschule in Untertürkheim. Er beendete sein Studium schließlich mit der Konstruktion eines Motorrads. Sein erster Arbeitgeber war der Baumaschinenhersteller Kaelble in Backnang. Dort konstruierte Gutbrod den ersten Dieselmotor für Straßenwalzen.

Von dort ging es zum Maschinenbauer Klotz nach Stuttgart, wo Gutbrod sein Leichtmotorrad mit drei PS realisierte, von dem 150 Exemplare gebaut wurden. 1926 gründete er in Ludwigsburg die „Standard Fahrzeugfabrik GmbH“. In der Hindenburgstraße, wo heute das Landratsamt steht, und in der Karlstraße, dem Standort des jetzigen CVJM, produzierte er. „Mit leistungsstarken und robusten Motoren aus der Schweiz, englischem Design und schwäbischen Know-how avancierte Gutbrod zu einem der erfolgreichsten Motorradbauer seiner Zeit“, sagte Oldtimerfan Thomas Lang vor gut hundert Zuhörern. Eine Maschine von ihm hängt im Ludwigsburger Stadtmuseum MIK an der Wand. Insgesamt machte Gutbrod also eine Bilderbuchkarriere.

„Mobilität war damals ein Megatrend“, so der frühere CDU-Fraktionsvorsitzende im Ludwigsburger Gemeinderat, Lang. Volkswagen sei damals noch kein Markenname gewesen, sondern ein Fahrzeugtyp wie SUV, Limousine oder Kombi. Viele Hersteller arbeiteten am Konzept für ein massentaugliches, bezahlbares Automobil. Das gelang Gutbrod zusammen mit Josef Ganz. 1933 präsentierten die beiden auf der Internationalen Automobilausstellung den zweisitzigen Standard Superior, der für Aufsehen sorgte. Konstruiert und produziert in Ludwigsburg. 16 Jahre bevor der erste Serienkäfer gebaut wurde.

500 Stück werden gefertigt

Ein Jahr später folgt ein Viersitzer aus Feuerbach, für 1590 Reichsmark. So viel wie ein durchschnittliches Jahreseinkommen. Das entspräche heute einer Kaufkraft von etwa 6300 Euro. Es war in zwei Motorvarianten zu haben: mit zwölf oder mit 16 PS, 70 oder 80 km/h schnell. Insgesamt wurden 500 Autos in Handarbeit gefertigt, zu einer Zeit, da bei Ford bis zu 9000 Stück vom Fließband liefen. Täglich. Ende 1934 wurde die Produktion aber schon wieder eingestellt. Die Herstellung war unrentabel. Von der ersten Serie und mit Spenden von Trabi-Teilen überlebte ein einziges dieser Fahrzeuge in der damaligen DDR.

Auch die Kleinlaster Progress und Merkur mit drei und vier Rädern wurden auf der Basis des Superior hergestellt und sind damit ebenfalls Ludwigsburger Ursprungs. Nach dem Zweiten Weltkrieg – Wilhelm Gutbrod starb 1948 mit nur 58 Jahren – führte sein Sohn Walter das Unternehmen in Plochingen weiter. Auch der Gutbrod Superior 700 setzte technische Maßstäbe. Trotzdem war das Unternehmen 1953 zahlungsunfähig. Anschließend wurden landwirtschaftliche Geräte und Rasenmäher unter dem Namen Gutbrod verkauft.

Auch wenn Thomas Lang Liebhaber alter Autos englischer Herkunft ist, gegen einen Superior aus Anfangstagen hätte er auch nichts einzuwenden. „Ich würde ihn nicht ablehnen.“

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