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Jubiläum

Ludwigstafel feiert 20. Geburtstag

„Ich komme immer dienstags. Dann helfe ich in der Gemüseküche, sortiere Obst und putze Salat“, sagt Helga Just. Sie ist eine von über 180 Ehrenamtlichen, die die Arbeit der Ludwigstafel unterstützen. Und das schon seit 20 Jahren.

Gute Stimmung bei der Vorbereitung der Waren für den Verkauf. Fotos: Holm Wolschendorf
Gute Stimmung bei der Vorbereitung der Waren für den Verkauf. Foto: Holm Wolschendorf
Werner Mittag, Dietmar Fraaß und Ralf Brünig (von links) liefern die Ware an.
Werner Mittag, Dietmar Fraaß und Ralf Brünig (von links) liefern die Ware an.

Ludwigsburg. Ganz so lange ist Helga Just noch nicht dabei. „Als mein Mann starb, habe ich eine Aufgabe gesucht, ich musste was machen.“ So kam sie zur Tafel. „Mir macht das ganz viel Freude“, sagt sie, rückt ihre Brille zurecht und huscht zurück in die Gemüseküche, schließlich erledigt sich die Arbeit nicht von allein.

Die Ludwigstafel ist ein Supermarkt für Menschen, die nicht viel Geld zur Verfügung haben. Hier gibt es Obst, Gemüse, Backwaren, abgepackte Wurst, Käse, Joghurt, Nudeln, Reis, Müsli, Butter, Hygieneartikel, Schokolade, manchmal auch Kaffee, selten Hundefutter. „Wir sind kein Vollsortimenter. Wir können nur das anbieten, was wir von den Supermärkten gespendet bekommen“, sagt Anne Schneider-Müller, Geschäftsführerin der Ludwigstafel.

Denn dieser Einkaufsmarkt ist nicht wie andere: Hier wird die Ware nicht geordert, sie wird gespendet, wer einkaufen möchte, muss seine Bedürftigkeit nachweisen, und Kunden können nicht einfach nach Herzenslust zugreifen. „Bei uns kann man nur den Tagesbedarf decken, keinen Wocheneinkauf machen“, so Schneider-Müller.

Seit 20 Jahren gibt es die Ludwigstafel. Dabei hatte man zu Beginn nur an ein auf drei Jahre angelegtes Projekt gedacht. „Es wurde eigens ein Verein gegründet, den es bis heute gibt“, sagt Horst Krank, damals Leiter der Diakonischen Bezirksstelle und heute Vorsitzender des Vereins. Dem Verein waren verschiedene Sozialverbände, die Karlshöhe, Ehrenamtliche, der Rotary-Club Ludwigsburg sowie die Stadt Ludwigsburg beigetreten. „Es geht um Unterstützung von bedürftigen Menschen durch preiswerte Einkaufsmöglichkeiten, Verwertung von Lebensmittelüberschüssen und Förderung von ehrenamtlichem Engagement im sozialen Bereich“, sagte damals Diakon Jochen Brühl (heute Bundesvorsitzender der Tafel Deutschland), einer der ersten ehrenamtlichen Mitarbeiter der Tafel im Gespräch mit unserer Zeitung.

An diesem Morgen hat die Tafel noch nicht geöffnet. Die Ehrenamtlichen bereiten die Waren vor. Draußen vor der Tür liefern Werner Mittag, Dietmar Fraaß und Ralf Brünig die Waren mit dem Transporter an. Heute gibt es Kopfsalat, Spitzpaprika, Karotten, Äpfel und ein paar Töpfe Lavendel sind auch dabei.

Helga Just und all die anderen Ehrenamtlichen sortieren die Ware. Nicht alles sieht gut aus. Vom Salat müssen die äußeren Blätter entfernt werden, hin und wieder wird ein Apfel aussortiert. „Jedes Stück Obst wird in die Hand genommen und kontrolliert, jede Verpackung auf Beschädigungen begutachtet“, sagt Krank und Schneider-Müller ergänzt: „Wir unterliegen hier denselben strengen Kontrollen wie ein ganz normaler Einkaufsmarkt.“

Die Lebensmittel kommen von Supermärkten im Landkreis. Es sind Waren, die kurz vor dem Ablauf des Verfallsdatums stehen oder die optisch nicht mehr ganz so gut aussehen. Normalerweise würden die Supermärkte diese Produkte wegwerfen, stattdessen werden sie von den Mitarbeitern der Tafel abgeholt und in den Laden gebracht.

Angefangen hat alles mit dem kleinen Laden in der Lindenstraße 25. Zehn Kunden kamen damals am Tag, es gab eine ehrenamtliche Ladenleiterin sowie einen ehrenamtlichen Vorstand. Die Helfer in der Gemüseküche, an der Kasse und an der Brottheke waren zu großen Teilen Ehefrauen der Vereinsmitglieder, „die Ware wurde mit dem privaten Auto abgeholt“, erinnert sich Krank.

Heute hat die Ludwigstafel ihren Stammsitz in der Saarstraße sowie Filialen in Grünbühl, Eglosheim und Kornwestheim. Zudem bietet die Tafel immer donnerstags einen Mittagstisch im Haus der Diakonie in der Unteren Marktstraße an. Rund 130 Kunden kommen täglich allein in die Saarstraße. „Mit ihrem Einkauf versorgen sie insgesamt 360 Menschen.“ Neben 180 Ehrenamtlichen beschäftigt die Ludwigstafel acht Mitarbeiter, die sich 3,4 Personalstellen teilen. „Wir benötigen jährlich rund 70.000 Euro Spenden, um unsere Grundfinanzierung zu sichern“, sagt Krank. Denn abgesehen von einem Mietkostenzuschuss, den die Stadt Ludwigsburg zahlt, finanziert sich die Tafel allein aus Spenden.

Es ist ein sonniger Morgen, die ersten Kunden treffen in der Saarstraße ein. Während die ersten ihre Einkäufe tätigen, müssen andere draußen warten. „Wir lassen maximal sechs bis acht Kunden gleichzeitig in den Laden, damit jeder in Ruhe einkaufen kann“, erklärt Anne Schneider-Müller. Ein Rentner mit Baseballkappe hat Milchreis, Milch, eine Zitrone, Lauchzwiebeln und einen Kopfsalat in seinem Einkaufskorb. „Ich kaufe hier schon sehr lange ein“, sagt er in einem Deutsch, das verrät, dass er nicht hier geboren wurde. „Ich habe bei der Straßenreinigung gearbeitet, hatte nie viel Geld. Ich brauche aber auch nicht viel.“ Hier könne er sich auch ab und zu mal Fleisch oder Wurst leisten. Am liebsten seien ihm aber Milchprodukte. „Die Leute hier haben mir erklärt, dass ich auch Obst und Gemüse essen muss, dass das gesund ist. Das mache ich jetzt. Und es geht mir gut. Das hier ist ein guter Laden. Ein richtiger Supermarkt.“ Außerdem könne er hier die LKZ lesen.

„Wir kämpfen nicht gegen den Hunger, sondern gegen die Armut“, sagt Horst Krank. Selbst in dem reichen Ludwigsburg gebe es so viele nachweislich Bedürftige. Soziale Teilhabe sei es, was sie ihren Kunden ermöglichen, und Anne Schneider-Müller erinnert sich an eine Kundin, die das für sich so beschrieben hat: „Die Frau hat bewusst zehn Kinder bekommen, und sagte zu mir: ‚Mir wird durch den Einkauf hier ermöglicht, dass ich etwas Geld zur Verfügung habe, um mit meinen Kindern auch mal in die Wilhelma zu gehen.‘“

Ob kinderreiche Familie, Alleinerziehende, Rentner, Geringverdiener mit mehreren Jobs, Arbeitslose, Migranten, Hartz-IV-Empfänger, für Helga Just spielt es keine Rolle, warum jemand zur Tafel kommt. „Wichtig ist, dass es sie gibt. Und für mich ist diese Arbeit genau das Richtige.“

Info: Die Ludwigstafel sucht dringend Fahrer auf 450-Euro-Basis. Wer Interesse hat, meldet sich bei Anne Schneider-Müller unter Telefon (0.71.41) 92.64.73.

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