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Motivation aus der Sprühdose
Mit Graffiti-Künstler Fosi wird die Stadionmauer in Ludwigsburg zur Leinwand

Die Schülerinnen und Schüler gestalten mit Künstler Fosi eine Betonwand.
Die Schülerinnen und Schüler gestalten mit Künstler Fosi eine Betonwand. Foto: privat
Sprühfarbe auf Beton, Fantasie auf grauer Wand: Wie viel beides verändern kann, haben 26 Schüler bei einem Graffiti-Workshop mit dem Künstler Fosi erlebt.

Ludwigsburg. Aus einer kahlen Stadionmauer wurde dabei ein leuchtendes Statement für Teamgeist, Kreativität und Gemeinschaft. Unter professioneller Anleitung durften sie selbst zur Dose greifen und ihr eigenes Werk rund um ihr Lieblingsthema Sport gestalten.

„Die Kinder waren sofort Feuer und Flamme für die Idee“, betont der Klassenlehrer der 5d am Otto-Hahn-Gymnasium (OHG) Robert Peter. „Deshalb haben wir beschlossen, unseren Ausflugstag dieses Jahr mal anders zu nutzen.“ Statt wie sonst zum Kanufahren oder in die Kletterhalle ging es dieses Jahr ins Stadion an der Rundsporthalle. Dort warteten Workshopleiter Fosi, mit bürgerlichem Namen Philipp Nickerl, und rund 30 Meter Stadionmauer, die die Stadt eigens für das Projekt freigegeben hatte.

Der Ludwigsburger Künstler Fosi selbst sprüht bereits seit rund 20 Jahren und hat sich mit großformatigen Murals und farbgewaltigen Leinwandarbeiten weit über die Region hinaus einen Namen gemacht.

Erst putzen, dann sprayen

Im großen Karton warten Spraydosen in allen Farben des Regenbogens. Daneben Atemschutzmasken und Handschuhe. Bevor es ans Sprayen geht, müssen die Schülerinnen und Schüler aber erstmal ordentlich anpacken und die Wand entlang des Stadions an der Rundsporthalle von Schmutz und Unkraut befreien. Dann wird grundiert. „Das war schon ganz schön anstrengend“, findet der elfjährige Justus. Nicht ganz unbeabsichtigt von Künstler Fosi: „Mir ist wichtig, dass die Kids verstehen, was es heißt, sich ihr Werk zu erarbeiten, und dann aber auch stolz darauf sein zu können.“ Ähnlich sieht es auch Klassenlehrer Robert Peter: „Ich finde es super, dass Fosi die Schülerinnen und Schüler in den kompletten Prozess einbezieht und sie verstehen, dass es nicht einfach mit der weißen Leinwand losgeht.“

Diese Motive wählen die Schüler

Der Einsatz wird belohnt. Nach einer kurzen Einweisung zum Dosen-Handling und einigen technischen Basics sind der Fantasie kaum noch Grenzen gesetzt. Die Freundinnen Aurelia und Clea sind sich sofort einig. Ein Schriftzug soll es werden: „Wir lieben beide Turnen, deshalb wollen wir schreiben: The best sport is gymnastics“, erklärt Clea. „Die Farben sehen so cool aus. Wir haben uns schon die ganze Woche aufs Sprühen gefreut“, meint Aurelia. Die Mädels greifen zur ersten pastellrosa Dose und legen mutig los. Ein paar Meter weiter malen Ela und Emma ein großes „Let‘s go“ an die Wand.

Hobbys spielen eine Rolle

Ihre Klassenkameradin Anida muss ein bisschen länger überlegen. Ihre ursprüngliche Motividee: Eine Turnerin im Handstand erscheint der Fünftklässlerin plötzlich doch zu ambitioniert: „Graffiti macht total Spaß, ist aber schwieriger als es aussieht“, findet sie. Fosi unterstützt gern und rät auch ihr zum Schriftzug. Routiniert zieht der Profi unter bewundernden Blicken große, runde Buchstaben vor. Nun kann Anida sich mit Farbverläufen austoben und traut sich schließlich im Austausch mit Basketball-Fan Lisa sogar an unterschiedliche Bälle heran. Die versteht schnell: „Es kommt auf die Details an, damit man erkennt, was es sein soll.“ Konzentriert malt Lisa schwarze Streifen auf ihren Basketball und schafft es sogar, die Perspektive so zu wählen, dass er dreidimensional wirkt.

So kommt der Workshop an

Ein Basketball in Flammen zeigt: Hier brennt jemand für seinen Sport. Daneben: Leuchtend bunte Liebeserklärungen an Fußball und Teamgeist. Auch Justus hat die lästigen Vorarbeiten inzwischen hinter sich gelassen und findet: „Der Aufwand hat sich gelohnt. Der Workshop ist cool.“ Auch wenn Malen sonst gar nicht sein Ding ist. „Graffiti ist was anderes“, so der Elfjährige. Er will weitermachen. Und das geht auch ganz legal. In Ludwigsburg und der Region gibt es sogenannte Halls of Fame: Freiflächen, auf denen sich Einsteiger ebenso wie erfahrene Sprayer ungestört ausprobieren dürfen.

Ob eines der Kinder irgendwann selbst zu den bekannten Graffiti-Künstlern der Region gehören wird, weiß heute niemand. Sicher ist nur: Ein Stück Ludwigsburg trägt jetzt ihre Handschrift. (red)