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Stadtbahn

OB Knecht zur Stadtbahn: Jetzt müssen alle Farbe bekennen

Der Rathauschef will bei der Stadtbahnplanung von einer Stufenlösung wegkommen und politische Mehrheiten neu ausloten

So könnte eine Stadtbahn in Ludwigsburg aussehen. Bild: W. Bischoff
So könnte eine Stadtbahn in Ludwigsburg aussehen. Bild: W. Bischoff

Wenn es mit der Stadtbahn weitergehen soll, dann müssen möglichst bald im nächsten Jahr die nötigen Planungen beauftragt werden. Ansonsten würde die Politik auch die Fördergelder von Bund und Land riskieren. Für Ludwigsburgs Oberbürgermeister Matthias Knecht sind die damit anstehenden Beschlüsse der richtige Zeitpunkt, um das bisherige Stadtbahnkonzept noch einmal auf den Prüfstand und zur Debatte zu stellen.

Damit ist ein Streit ausgebrochen, um nicht zu sagen ein Bruch entstanden, der Knecht von den Grünen entzweit. Also just von einer der Parteien, die sich vor zweieinhalb Jahren im Wahlkampf voll hinter Knecht und gegen den damaligen Oberbürgermeister Werner Spec gestellt hatten. Die Verärgerung bei den Grünen geht so weit, dass sie dem neuen Rathauschef jetzt sogar Alleingang-Methoden vorwerfen, deretwegen man den früheren Oberbürgermeister nicht mehr hatte dulden wollen. Die Grünen halten Knecht vor, dass er geltende Beschlüsse des Ludwigsburger Gemeinderats und des Kreistags aushebele.

Es stellt sich die Frage, ob die Linie nach Oßweil auf der Strecke bleibt

Knecht lenkt im Gespräch mit unserer Zeitung den Blick zurück. Der damalige Gemeinderat und der Kreistag hätten sich Anfang 2019 auf ein Stufenmodell verständigt, also auf drei aufeinanderfolgende Bauabschnitte für eine Stadtbahn. Als Erstes die Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Ludwigsburg und Markgröningen. Als zweiten Bauabschnitt die Verbindung von Ludwigsburg nach Remseck an den Neckar. Und als letzten und dritten Schritt die Linie durch die Innenstadt nach Oßweil. „Aktuell fordert das Verkehrsministerium dagegen, dass wir bei den anstehenden Beschlüssen für die weiteren Planungen alles in ein einziges Paket schnüren müssen.“ Man könne deshalb nicht länger mehrstufig etwas gewissermaßen auf die lange Bank schieben und Entscheidungen damit auf spätere Bauabschnitte vertagen.

Knechts Kernbotschaft: „An dieser Stelle müssen wir uns jetzt ehrlich machen: Was trägt die politische Mehrheit im Ludwigsburger Gemeinderat? Was wird diese Mehrheit als Gesamtpaket im Sinne des Verkehrsministeriums beschließen? Das wird eine Entscheidung, bei der alle Farbe bekennen müssen.“

Deshalb will Knecht die bisherigen Planungen noch einmal zur Debatte stellen. Was für Kritiker wie die Grünen so etwas wie einen politischen Verrat an den Beschlüssen des Jahres 2019 darstellt, ist für Knecht ein Gebot der Stunde. „Jetzt kann man das noch mal verändern. Und jetzt hat man für eine Verbindung vom Ludwigsburger Bahnhof über Pattonville nach Remseck auch eine alternative Variante zur Verfügung, die an der Peripherie liegt und deren Machbarkeit geprüft und bestätigt ist.“

Wie aber soll am Ende das Gesamtpaket aussehen, das Knecht mit den anstehenden Planungsbeschlüssen zur Entscheidung stellen will? „Wenn das Verkehrsministerium darauf besteht, dass die 2019 beschlossene Version eins zu eins umgesetzt werden muss, dann wird das zur Planung und zur Förderung eingereicht. Es stellt sich aber die Frage, ob das in Ludwigsburg die nötige Mehrheit finden würde. Und wenn das nicht durchgeht, dann müssen wir jetzt eine andere Lösung finden.“

Die könnte zum Beispiel so aussehen, dass es bei den Strecken 1 (nach Markgröningen) und 3 (nach Oßweil) bleibt, die Trasse von Ludwigsburg nach Remseck aber eine neue Streckenführung bekommt. Diese veränderte Strecke, so reklamiert es Knecht für sich, habe er in die Planungen eingespeist. „Ich bin im Wahlkampf mehrfach darauf angesprochen worden, warum die Linie nach Remseck denn mitten durch die Oststadt gehen müsse und warum nicht eine Streckenführung weiter im Süden an der Peripherie geprüft wird.“ Dafür liege jetzt eine konkrete Planung vor, die bei einer verkehrstechnischen Überprüfung für gut befunden wurde. Diese Strecke vorbei am Salonwald und mit Halt beim Wüstenrot-Areal wäre allerdings mit einer weiteren Änderung verbunden: Auf der Verbindung Pattonville–Ludwigsburg würde nicht wie bisher beschlossen eine Niederflurbahn fahren, sondern es wäre eine Verlängerung der Stuttgarter Hochflurbahn von Remseck hinauf zum Ludwigsburger Bahnhof.

Auch hier machen die Grünen ein großes Fragezeichen und hinterfragen, ob damit nicht zugleich das Ende für eine Niederflurstadtbahn eingeläutet werde. Denn für die Trasse vom Bahnhof durch die Innenstadt nach Oßweil ist nichts anderes als eine Niederflurbahn denkbar, eine Hochflurvariante mit ihren großen Bahnsteigen wird nach wie vor ausgeschlossen.

Kommt es am Ende zu einer politischen Mehrheit für eine Stadtbahnlösung, die auf die Linie nach Oßweil ganz verzichtet und die Linie nach Remseck auf einer neuen Strecke mit Hochflurbahn vorsieht? Bei der Beantwortung der Frage, wofür genau im Frühjahr die Planungsbeschlüsse fallen sollen, will sich der Oberbürgermeister nicht festlegen. „Für mich steht in der Bewertung fest, dass eine Reaktivierung der Strecke Ludwigsburg nach Markgröningen allein noch keine Stadtbahn ist. Das Ganze wird nur eine Stadtbahn, wenn auch städtischer Raum erschlossen wird. Ich arbeite auf eine Stadtbahn hin, die auf einem realistischen Bedarf aufbaut und an den finanziellen wie städtebaulichen Möglichkeiten orientiert ist.“

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