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Erdgasleitung

Region legt sich noch nicht fest

Die Neckarenztalleitung, eine geplante Erdgaspipeline zwischen Löchgau und Wiernsheim im Enzkreis, war gestern Thema im Planungsausschuss der Regionalversammlung. Drei Trassenverläufe stehen zur Diskussion, die Region favorisiert einen Verlauf über den Vaihinger Stadtteil Enzweihingen.

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Blick in das Rohrlager der Terranets BW. Foto: privat
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Kreis Ludwigsburg. Bauherr der rund 30 Kilometer langen Erdgashochdruckleitung ist die Terranets BW. Das Tochterunternehmen des Energieversorgers EnBW will mit der unterirdisch verlaufenden Pipeline den erhöhten Bedarf an Erdgas in Baden-Württemberg decken, insbesondere in den Regionen Stuttgart und Heilbronn-Franken.

Zudem soll das Vorhaben die bereits bestehende Nordschwarzwaldleitung zwischen Au am Rhein und Leonberg sowie die Kraichgauleitung zwischen Heilbronn und Metterzimmern verbinden. Terranets will so nicht nur die Transportkapazität erhöhen, sondern auch die bislang nur als Stichleitung vorhandene Kraichgauleitung zur Ringtrasse mit zusätzlicher Anbindung an die Nordschwarzwaldleitung aufwerten. Nach Angaben des Unternehmens werde das nicht zuletzt die Versorgungssicherheit erhöhen, etwa bei Störungen oder Instandsetzungsarbeiten.

Drei Trassen stehen zur Debatte (siehe Grafik): die Varianten „Enzweihingen“, „Oberriexingen“ und „Markgröningen“. Im Landkreis Ludwigsburg wären die Städte und Gemeinden Eberdingen, Vaihingen, Oberriexingen, Markgröningen (nur bei Variante „Markgröningen“), Sachsenheim, Bietigheim-Bissingen und Löchgau von dem Vorhaben betroffen.

Das Planungsverfahren ist aufwendig: Derzeit läuft das sogenannte Raumordnungsverfahren, 2019/20 soll das Planfeststellungsverfahren abgewickelt werden, Bau und Inbetriebnahme sind 2020/21 vorgesehen. Doch schon das Raumordnungsverfahren verläuft schleppend: Die beteiligten Kommunen können Stellungnahmen bei der Genehmigungsbehörde, dem Regierungspräsidium (RP) Stuttgart, einreichen – und haben das Projekt bislang durch die Bank abgelehnt.

Das RP beteiligt auch den Verband Region Stuttgart (VRS) am Planungsverfahren. Gestern stand das Thema im Planungsausschuss auf der Tagesordnung. In ihrer Beschlussvorlage favorisiert die VRS-Verwaltung aus regionalplanerischer Sicht die Trassenvariante „Enzweihingen“ (links eingezeichnet). Bei dieser Festlegung wurden zahlreiche Kriterien berücksichtigt, unter anderem mögliche Auswirkungen der Pipeline auf Grünzüge, Siedlungsflächen, Überschwemmungsgebiete, Rohstoffvorkommen, Straßen, Schienen und Waldareale. Allerdings schließt der VRS zum jetzigen Zeitpunkt auch die Variante „Oberriexingen“ nicht aus – sollten im Zuge der exakten Festlegung des Trassenverlaufs „Konflikte mit Waldflächen und Rohstoffvorkommen vermieden beziehungsweise minimiert werden“, wie in der Beschlussvorlage zu lesen ist.

Im Planungsausschuss stieß diese Sichtweise auf breite Unterstützung, das Gremium befürwortete die Stellungnahme nach kurzer Diskussion ohne Gegenstimme. Kritik äußerte lediglich der Stuttgarter Regionalrat Christoph Ozasek (Die Linke). Aus regionalplanerischer Sicht sei der Stellungnahme nichts hinzuzufügen, meinte Ozasek, der allerdings eine politische Bewertung des Vorhabens vermisste. Schließlich stehe die geplante Pipeline im Widerspruch zu jeglichen Klimaschutz- und Nachhaltigkeitszielen.

Es sei kontraproduktiv, in Zeiten des Klimawandels auf fossile Energieträger zu setzen, zumal der Rohstoff aus instabilen Weltregionen geliefert werde. „Schauen Sie sich an, wo Erdöl und Erdgas herkommen – da brennt’s“, sagte Ozasek. Steigende Energiesparauflagen und der demografische Wandel führten zudem zu einer sinkenden Nachfrage.

Es gehe nicht um Kohletransporte, sondern um eine Erdgastrasse, entgegnete der Remsecker Liberale Kai Buschmann. Die Maßnahme sei sinnvoll, „das können Sie interpretieren, wie Sie wollen“, wandte sich Jürgen Lenz (CDU), früherer Bürgermeister von Böhmenkirch (Kreis Göppingen), an Ozasek. „Wir brauchen Gasleitungen, auch wenn kein fossiles Gas mehr benötigt wird“, lautete der Standpunkt von Lenz’ Esslinger Fraktionskollegin Karin Pflüger.