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Bundestagswahl

Sie tritt an gegen die Verzagtheit

Sandra Detzer, Landesvorsitzende der Grünen, will im Wahlkreis Ludwigsburg für den Bundestag kandidieren

Sandra Detzer stellt sich und ihre Ziele beim Redaktionsgespräch vor. Foto: Oliver Bürkle
Sandra Detzer stellt sich und ihre Ziele beim Redaktionsgespräch vor. Foto: Oliver Bürkle

Noch ist es eine Weile hin bis zur Bundestagswahl im Herbst 2021. Doch mit ihrer Bewerbung als Grünen-Kandidatin setzt Sandra Detzer ein klares Zeichen: Sie will über den Wahlkreis Ludwigsburg in den Bundestag einziehen, will grüner Politik auch in Berlin mehr Raum verschaffen, wie sie gestern im Gespräch mit unserer Zeitung darlegte. CDU und SPD seien erschöpft, die Grünen stünden bereit. Die 39-Jährige zeigt sich angriffslustig und optimistisch zugleich: „Wir wollen Verantwortung übernehmen in der nächsten Bundesregierung, denn Zukunft muss man gestalten, nicht aussitzen.“

Die gebürtige Münchnerin, die Volkswirtschaft und Politik studiert hat und seit vielen Jahren in Heidelberg wohnt, ist seit vier Jahren Landesvorsitzende der Grünen. Ludwigsburg ist für sie nicht zweite Wahl, sie hat gute Kontakte in den Wahlkreis, auch hatten der Ludwigsburger Kreisverband und Ortsverband der Grünen bei ihr angefragt. Im Wahlkreis Heidelberg hat die Bundestagsabgeordnete Franziska Brantner, Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, ihre Basis. „Wir wollen uns nicht gegenseitig Konkurrenz machen“, so Sandra Detzer zur Heidelberger Kollegin, sie will „lieber die Mannschaft insgesamt verstärken.“ Wobei sie klarstellt, dass sie auch antritt, um die auch auf Bundesebene vorherrschende männerdominierte Politik zu ändern.

Thematisch geht sie gut gerüstet in den nächsten Wahlkampf, auch wenn sie die Verhältnisse vor Ort noch näher kennenlernen muss. Von Deutschlands größtem Solarpark am Römerhügel hat sie noch keine Kenntnis, der Weg sei aber „goldrichtig“. Ludwigsburg sei für sie ein Wahlkreis, der höchst innovativ und bodenständig sei. Beeindruckt war sie in Grünbühl-Sonnenberg, wo sie sich mit der Wohnungsbau Ludwigsburg umgesehen hat, von den Modulbauten, sie war unterwegs in den Neckarauen und hat auch das Unternehmen Mann & Hummel besucht.

Der Strukturwandel ist ihr ein besonderes Anliegen. Sie will die Sache anpacken, das Morgen mitgestalten. „Ich verstehe manchmal nicht, woher die Verzagtheit kommt“, sagte sie. Die Automobilindustrie werde sich ändern müssen, auch Unternehmen wie der Zulieferer Mann & Hummel. Sie setzt auf eine nachhaltige und klimafreundliche Mobilität, die gerade auch vom Bund entsprechende Impulse benötigt. „Wir müssen Ziele formulieren, damit sich die Unternehmen darauf einstellen können“, so Sandra Detzer. Klima- und Umweltschutz biete Chancen auch für den Arbeitsmarkt. Detzer kritisiert, dass wegen fehlenden Rückhalts derzeit ausgerechnet im Sektor Windkraftanlagen Arbeitsplätze verloren gehen.

Wertschöpfung und damit auch Wohlstand, das sind Begriffe, die der Grünen nicht fremd sind. Sie bemüht sie, um zu zeigen, dass eine soziale und ökologische Marktwirtschaft nicht gleichbedeutend ist mit Verzicht. Gerade auch das Autoland Baden-Württemberg soll von neuen Technologien profitieren. E-Mobilität, optimierter Diesel für den Schiffsverkehr, Wasserstoff für den Schwerlastverkehr, die Möglichkeiten sind vielfältig, so Detzer.

Zu den Leitplanken, die der Bund setzen müsse und wozu sie beitragen will, gehören ihrer Ansicht nach ein höherer CO-Preis, weniger Ressourcenverbrauch und der weitere Ausbau erneuerbarer Energien. In Baden-Württemberg, ist sie überzeugt, haben die Grünen etwas bewegt. Bei Windkraft sei viel passiert, die Blockade komme aus Berlin. In der Photovol- taik sei man über den zuvor formulierten Ausbauzielen.

Die Grünen sind 40, Sandra Detzer wird bald 40 – sie seien aber „nicht mehr die Grünen von damals“. Sie hätten mehr die ganze Gesellschaft im Blick, stünden klar auf der modern-progressiven Seite. Das Parteienspektrum habe sich überhaupt verschoben, weg von einer Links-Rechts-Orientierung hin zu einer neuen Achse von liberal-modern-progressiv auf der einen und konservativ-nationalistisch auf der anderen Seite. „Mit einem progressiven CDUler habe ich mehr gemein als mit einem nationalistisch denkenden FDPler.“ Gleichwohl bemängelt sie den Umgang der CDU mit der AfD, bei denen sie teils eine erschreckende Ähnlichkeit in der Wortwahl feststellt.

Die Landesvorsitzende der Grünen hat gute Chancen, in den nächsten Bundestag einzuziehen. Anders als ihre Vorgängerin kann sie mit einem der vorderen Listenplätze rechnen. Zunächst muss sie aber das übliche Prozedere über sich ergehen lassen. Im Sommer werden die Grünen-Kreismitglieder entscheiden, mit wem sie ins Rennen gehen wollen. Im September wird die Landesliste aufgestellt. Dann, sagt sie, will sie dazu beitragen, bei der Wahl das stärkste grüne Ergebnis einzufahren, „das wir je hatten“.

Schon jetzt verspricht Sandra Detzer, dass sie vor Ort präsent sein wird, derzeit mit ihrem Mann auch überlege, nach Ludwigsburg umzuziehen.

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