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Oberbürgermeisterwahl

Spec präsentiert sich als Gestalter

Nach seinem Herausforderer hat jetzt auch Oberbürgermeister Werner Spec sein Wahlprogramm vorgestellt. Die Stadt stehe vor wichtigen Entscheidungen und die will der amtierende OB weiter mitgestalten. Eine Überraschung hatte er gleich im Gepäck: Ab Herbst 2020 soll es in Ludwigsburg den Studiengang Wirtschaftsinformatik geben.

Werner Spec erläutert im Urban Harbour seine Ideen für Ludwigsburg. Auch in den kommenden acht Jahren will er viel verwirklichen.Foto: Holm Wolschendorf
Werner Spec erläutert im Urban Harbour seine Ideen für Ludwigsburg. Auch in den kommenden acht Jahren will er viel verwirklichen. Foto: Holm Wolschendorf

Der Ort für die Pressekonferenz ist mit Bedacht ausgewählt: Mitten im sogenannten Urban Harbour, dort wo in einer umgebauten Industriehalle an den Technologien von Morgen getüftelt wird, ist Werner Spec jetzt zum ersten Mal mit seinem Wahlprogramm an die Öffentlichkeit gegangen. Die Innovationen, die von den Unternehmen in der Weststadt ausgehen, sieht Spec auch als Teil seiner Erfolgsbilanz der vergangenen knapp 16 Jahre als Oberbürgermeister von Ludwigsburg.

Doch zunächst erklärt der 61-Jährige, warum er am 30. Juni zum dritten Mal antritt. „Wir haben in Ludwigsburg sehr viel erreicht. Jetzt stehen grundlegende Veränderungen an, die ich persönlich vorantreiben will.“ Als Beispiele nennt er die Digitalisierung, den Klimawandel und die damit einhergehende Energiewende. Die Stadt stehe vor großen Herausforderungen, die noch nicht abgeschlossen seien „und jetzt in der entscheidenden Phase von der Baustelle zu gehen, ist nicht meine Art“.

Dann folgt ein Schnelldurchlauf mit Ausschnitten aus seinen vergangenen 16..Amtsjahren. Egal ob Bürgerbeteiligung, Stadtentwicklung oder Energiewende, in Ludwigsburg sei viel erreicht worden. Für die Verwaltung sei das teilweise ein „sehr anstrengender Prozess“ gewesen, räumt Spec ein. Von seinem Tatendrang will er sich durch seine Kritiker, die ihm ein zu hohes Tempo vorwerfen, aber nicht abbringen lassen. Aus seiner Sicht darf ein Oberbürgermeister nicht nur Moderator sein – ein Seitenhieb gegen seinen Konkurrenten Matthias Knecht, der ein neues Miteinander in Ludwigsburg beschwören will. „Ein Moderator gibt zu wenig Impulse für die Weiterentwicklung der Stadt“, sagt Spec.

Sein Wahlprogramm hat er in zwölf Punkte unterteilt (Infobox). Vom Wohnungsbau, über Bildung, Verkehr, Digitalisierung oder Bürgerbeteiligung findet dort praktisch alles Erwähnung, womit sich eine Verwaltung beschäftigt.

Bis 2023 sollen in Ludwigsburg mindestens 2500 Wohnungen entstehen. „Mein Ziel ist es, dass die Mitte der Gesellschaft in der Mitte der Stadt wohnen kann.“ Die privaten Bauträger seien dabei wichtige Partner, müssten bei ihren Projekten aber mindestens 30 Prozent sozialen Wohnungsbau umsetzen.

Auch beim Verkehr werde sich vieles verändern. Die Verbesserung des ÖPNV sei bereits beschlossen, parallel zu neuen Bustrassen würden auch Fahrradwege gebaut, sagt Spec. Auf dem ehemaligen Nestlé-Areal soll ein weiteres Fahrradparkhaus gebaut werden. Am Bahnhof selbst werde sich auch etwas tun: Bis 2022 wird der Busbahnhof komplett umgebaut.

„Aber ich möchte auch das Auto nicht verteufeln“, stellt Spec klar. Die Erreichbarkeit der Innenstadt mit dem Auto sei von existenzieller Bedeutung für die Einzelhändler.

Beim Thema Energiewende sieht er seine Stadt schon vorne mit dabei: „Ludwigsburg gehört zu den Städten, die zeigen, wie man es schaffen kann neue Energien zu nutzen.“ Auch die Untertunnelung der B.27 ist für Spec weiterhin ein Thema.

Eine Überraschung hat der OB unter Punkt 6 „Digitalisierung, Wirtschaft und Arbeit“ parat. Nicht nur die Tatsache, dass die Zahl der Arbeitsplätze in den vergangenen Jahren um 12.000 auf 54.000 in der Stadt angestiegen ist, macht ihn stolz. Ab Herbst 2020 soll Ludwigsburg mit einer Außenstelle der Hochschule Reutlingen einen eigenen Standort für den Studiengang Wirtschaftsinformatik erhalten. „Ich habe in den letzten Monaten mehrere Unternehmen dafür gewinnen können“, freut sich Spec. Die sollen bei der Anschubfinanzierung helfen. Am Ende könnte es um 300 bis 400 Studienplätze gehen. Der Studiengang soll ein eigenes Gebäude in Ludwigsburg erhalten. Wo genau, sei aber noch nicht klar.

Auch die Stadtteile tauchen allesamt im Wahlprogramm auf. „Ich bin selbst in einem Stadtteil aufgewachsen.“ Daher stehe er dafür, dass man diese nicht links liegen lasse. In einigen Stadtteilen sei schon viel erreicht worden, in anderen – etwa Oßweil – stünden große Erneuerungsprogramme unmittelbar bevor.

Finanziell stehe Ludwigsburg gut da, obwohl zwischen 2004 und 2018 beachtliche 490 Millionen Euro in die Infrastruktur der Stadt investiert wurden.

Dass sich die drei großen Parteien im Gemeinderat – SPD, CDU und zuletzt die Grünen – für seinen Konkurrenten Knecht ausgesprochen haben, beunruhige ihn nicht. In keiner der drei Parteien sei die Meinung einheitlich. Aus allen bekomme er auch Zustimmung. Dass die Grünen die Kommunalwahl gewonnen haben und damit jetzt drei Sitze mehr im Gemeinderat, sehe er sogar als Chance, seine Ideen für eine nachhaltige Stadtentwicklung mit großen Mehrheiten voranzubringen.

Zweifel lässt Spec bei dieser Präsentation keine aufkommen. „Falls ich gewählt werde, werde ich mich mit ganzem Herzen für diese einzigartige Stadt einsetzen.“

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