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Stadt wirbt für BRT+Bahn-Lösung

Ludwigsburg hat die Nachbarkommunen und die Kreisräte eingeladen – Zwei Drittel der Stühle blieben leer

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Etwas mehr Zuspruch hatte die Stadt erwartet: Baubürgermeister Michael Ilk bei der Präsentation der neuen Variante. Foto: Andreas Essig

Ludwigsburg. Die Verwaltung hat gestern groß in die Barockstadt eingeladen, um über ihre Alternative zur Stadtbahn zu informieren – gekommen sind etwa 40 Gemeinderäte, Kreisräte und Regionalräte. Im Saal blieben viele Stühle leer, die Debatte um Ludwigsburgs neue Variante zog sich jedoch bis in den späten Abend. Denn eines zeichnete sich ab: In Ludwigsburgs Rathaus kann man sich nur noch die BRT-Busse in Kombination mit reaktivierten Schienen in die Nachbarstädte vorstellen.

Die Argumente legte Baubürgermeister Michael Ilk dar. Wie berichtet, geht es um den Bedarf, den die Verwaltung anders als die Stadtbahn-Planer einschätzt. „Es macht keinen Sinn, große Kapazitäten zu schaffen, wo zu wenig Fahrgäste sind“, so Ilk. Auch die Zeitschiene spielt für Ludwigsburg eine Rolle. „Wir können doch nicht alle vertrösten und sagen, in 15 oder 20 Jahren tut sich was im Nahverkehr“, argumentierte OB Werner Spec. Schienen und BRT-Busse könnten kurzfristig zu einem Ergebnis führen. Möglingen, Markgröningen, Kornwestheim und Remseck wären ebenfalls gut bedient.

Für die Gäste aus den Nachbarorten war das nicht unbedingt einleuchtend. Viele zeigten sich skeptisch. Auch für die Schiene und neue BRT-Trassen benötige man Genehmigungsverfahren. „Sie erwecken den Anschein, dass das schnell geht, das sehe ich nicht“, so Eberhard Weigele, Ex-Bürgermeister aus Möglingen. „Eine allzu optimistische Darstellung“, befand Karl-Heinz Balzer, Erster Bürgermeister in Remseck. Gerade die zeitliche Perspektive stellte er in Frage. Man könne die Variante „stufenweise“ umsetzen, betonte dagegen die Ludwigsburger Verwaltung.

Viele Fragen auch gegenüber den BRT-Bussen und den möglichen Trassen. „Um die Busse zu bevorrechtigen, sind große Eingriffe im Straßenraum notwendig“, so Regionalrat Wolfgang Hoepfner (Linke). Ludwigsburg glaubt aber, dass Busse flexibler sind, manchmal auch nur kleine Trassenabschnitte ausreichen würden, um Staus zu umfahren.

Einen ganz eigenen Ansatz brachte Kreisrat Claus Schmiedel (SPD) ein. Er würde am liebsten die neue Variante angehen. Jetzt die Schiene reaktivieren, dann die Busse beschleunigen – und zusätzlich könne für eine Anbindung an die Hochflurbahn in Stuttgart geplant werden, mit Endpunkt am Ludwigsburger Bahnhof. Bis diese neue Stadtbahnstrecke komme, dauere es sowieso Jahrzehnte.

Die Nachbarn machten teils auch deutlich, wo sie nicht mitgehen. Angesprochen wurden die Probleme in Markgröningen, wo die reaktivierte Bahn am Stadtrand enden würde. In Möglingen müssten mehrere Schranken gebaut werden – bei einer hohen Taktung könnte das den Verkehr komplett ausbremsen. Auch die Leistungsfähigkeit des Gleis 5 am Ludwigsburger Bahnhof, über das Kornwestheim angebunden wird, stellte etwa Daniel Güthler, Baubürgermeister in Kornwestheim, in Frage. Für den Ludwigsburger Verkehrsplaner Sascha Behnsen alles kein Problem, er räumte aber ein, dass die Leistungsfähigkeit des Gleises 5 erst noch geprüft werden müsse.

Von wem die reaktivierte Bahnstrecke oder die BRT-Busse betrieben werden sollen, blieb offen. Den Hinweis, ob man das der Region Stuttgart zuschiebe, wies OB Spec zurück. „Wir machen ein Angebot, die Region soll nicht unsere Hausaufgaben machen.“

Die anderen Varianten spielten an dem Abend keine Rolle. Markus Gericke, Grünen-Stadtrat aus Ludwigsburg, verwies auf die vielen Vorteile einer Niederflurbahn. Freie Wähler-Kreisrat Bernd Kirnbauer schloss sich dem an. „Das Beste wäre die Niedrigflurbahn.“