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Nahverkehr

Stadtbahn in Ludwigsburg: Innerstädtische Linie nur als „Option“

Wie geht es weiter mit der Stadtbahn? Stadt und Zweckverband haben jetzt erste Signale ausgesendet, wohin die Reise geht. Demnach versucht man, das Gesamtprojekt anzugehen, aber die Teile zu splitten. Die innerstädtischen Linien nach Oßweil und ins Schlösslesfeld rücken weit nach hinten.

In Ulm fährt die neue Linie inzwischen. In Ludwigsburg muss noch entschieden werden, wo eine Bahn überhaupt fahren könnte. Foto: privat
In Ulm fährt die neue Linie inzwischen. In Ludwigsburg muss noch entschieden werden, wo eine Bahn überhaupt fahren könnte. Foto: privat
Eine Niederflurbahn soll es sein (wie beispielsweise oben die Straßenbahn in Ulm). Zwei Knackpunkte: die Querung der Bahnlinie, für die bisher der Schillerdurchlass herhalten sollte (Bild unten links), und die Querung der B 27 bei der Friedenskirche.
Eine Niederflurbahn soll es sein (wie beispielsweise oben die Straßenbahn in Ulm). Zwei Knackpunkte: die Querung der Bahnlinie, für die bisher der Schillerdurchlass herhalten sollte (Bild unten links), und die Querung der B 27 bei der Friedenskirche.
Eine Niederflurbahn soll es sein (wie beispielsweise oben die Straßenbahn in Ulm). Zwei Knackpunkte: die Querung der Bahnlinie, für die bisher der Schillerdurchlass herhalten sollte (Bild unten links), und die Querung der B 27 bei der Friedenskirche.
Eine Niederflurbahn soll es sein (wie beispielsweise oben die Straßenbahn in Ulm). Zwei Knackpunkte: die Querung der Bahnlinie, für die bisher der Schillerdurchlass herhalten sollte (Bild unten links), und die Querung der B 27 bei der Friedenskirche.

Ludwigsburg. Auch wenn es „ungewöhnlich“ oder „unorthodox“ ist, wie es der Experte und Zweckverbands-Geschäftsführer Frank von Meißner formuliert – Stadt und Zweckverband versuchen den Spagat, das Gesamtprojekt Stadtbahn anzugehen und dafür Fördergelder zu beantragen und dennoch einen Teil als „Option“ offen zu lassen. Und zwar für den Abzweig durch die Innenstadt in Richtung Osten.

Mit diesem Kompromiss erhofft man sich, politisch die Tür zu öffnen, damit bis zum Sommer der Gemeinderat einen mehrheitlichen Beschluss für die Stadtbahn fassen kann, mit dem der Zweckverband arbeiten kann. Denn gerade die innerstädtische Linie wird von den Fraktionen der CDU, Freien Wählern und der FDP kritisch gesehen. Zuletzt hatte sich der Gemeinderat nichtöffentlich über den Sachstand informieren lassen.

Bisher galt immer „alles oder nichts“, so Bürgermeister Sebastian Mannl bei einem Pressegespräch, jetzt wolle man den Rahmen für das Gesamtprojekt abstecken und in Schritten vorgehen. Es wäre ein Einstieg ins System, „ohne sich zu verheddern“, so von Meißner. Noch muss mit den Verkehrsministerien von Land und Bund geklärt werden, ob diese Strategie überhaupt akzeptiert wird. Denn es stehen hohe Fördergelder im Raum, teils bis zu 95 Prozent. Bei den Fraktionen im Gemeinderat verspüre man eine gewisse Sympathie dafür.

Bei den Zuschüssen für den Betrieb drängt die Zeit

„Wir müssen jetzt die Fäden zusammenführen“, so von Meißner, der davor warnt, zu viel zu experimentieren. Denn die Zeit drängt, jetzt stehen Zuschüsse für laufende Betriebskosten in Aussicht, die innerhalb von zehn Jahren einen zweistelligen Millionenbetrag ausmachen würden. Diese könnten verloren gehen, wenn bis 2028/2029 die Bahn nicht fährt. Bei den Planungen rückt denn auch die Ursprungsvariante wieder in den Blick, für deren Linienführung es bereits eine Grundsatzentscheidung gibt.

Man werde sich deshalb wohl auch von der sogenannten „Knecht-Linie“ verabschieden, die Ludwigsburgs OB im vergangenen Herbst ins Gespräch gebracht hatte. Diese hätte am Salonwald und bei dem Unternehmen W & W vorbei zum Bahnhof führen sollen. Auch eine mögliche Weststadtspange, wie sie das Aktionsbündnis Stadtbahn vorschlägt, wird es wohl nicht geben. Einen „Mehrnutzen“ durch die Weststadt sieht man nicht, die Reaktivierung der alten Bahnstrecke zwischen Markgröningen und Ludwigsburg habe mehr Effekt. Maximal könnte man dort mit bis zu 9000 Fahrgästen rechnen, so eine erste Einschätzung.

Auch bei der Querung der Bahnlinie, einer der Knackpunkte bei der Realisierung, spielt die vom Aktionsbündnis vorgeschlagene Kepler-Brücke eine Nebenrolle. Von Meißner verweist auf weitere Untersuchungen, die eine gute Alternative aufgezeigt hätten. „Es ist vielversprechend, die gut für die Stadtbahn und gut für den Straßenverkehr ist“, sagte er.„So richtig überzeugend war alles andere bisher nicht“. Denkbar ist, so auch schon frühere Überlegungen, eine zweite Unterführung unter den Gleisen hindurch. Auch für den Bahnhofsbereich und den Zentralen Busbahnhof (ZOB), der 2023 umgebaut werden soll, gebe es Möglichkeiten, wie die Situation entkrampft werden könnte.

Erste Bauarbeiten könnten 2027 beginnen

Der schon bisher angepeilte Zeitplan soll weiterhin als Richtschnur dienen. Bis 2028 könnte die Strecke Markgröningen-Ludwigsburg reaktiviert werden, dort soll dann auch im Vorlaufbetrieb eine Straßenbahn fahren, die auch später beim weiteren Ausbau eingesetzt bleibt. Von der SSB-Hochflurbahn hat man sich verabschiedet. Ab 2027 könnten bei entsprechender Planung die Bauarbeiten beginnen. Bis 2032 wäre die Innenstadtstrecke dran, für die eine Bauzeit von vier Jahren angegeben wird. „Irgendwo im Zeitraum dazwischen“ wird die Strecke nach Pattonville gemacht.

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