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Neue Tarifrunde steht bevor
Tarifplus „weit weg von acht Prozent“

Thomas Class, Geschäftsführer der Bezirksgruppe Südwestmetall (links), und der Vorsitzende Hanno Höhn. Foto: Andreas Becker
Thomas Class, Geschäftsführer der Bezirksgruppe Südwestmetall (links), und der Vorsitzende Hanno Höhn. Foto: Andreas Becker
Vorsitzender der Südwestmetall-Bezirksgruppe Ludwigsburg weist Lohnforderung der IG Metall zurück

Ludwigsburg. In der Metall- und Elektroindustrie steht nach der Sommerpause die nächste Tarifrunde an – und die Umstände für die Unternehmen könnten aus Sicht des neuen Vorsitzenden der Südwestmetall-Bezirksgruppe Ludwigsburg, Hanno Höhn, kaum schwieriger sein. Der Geschäftsführer von Mann+Hummel, der vor wenigen Wochen ins Amt des Bezirksvorsitzenden gewählt worden ist, malte bei einer Pressekonferenz des Ludwigsburger Arbeitgeberverbands am gestrigen Donnerstag ein düsteres Bild der aktuellen Lage.

Angesichts strapazierter Lieferketten und steigender Beschaffungs- und Energiekosten befänden sich die Betriebe „großteils in schwierigen Gewässern“, erklärte Höhn. Man sehe Produktionseinbußen und leider auch schon rückläufige Auftragseingänge. Dass viele Unternehmen angesichts der Lieferschwierigkeiten ihre Lager übers gewohnte Maß hinaus aufstockten, um produzieren zu können, drücke zusätzlich auf die Liquidität – zumal viele Betriebe nicht in der Lage seien, die Kostensteigerungen über höhere Preise zu kompensieren.

Firmen in Umfrage pessimistisch

Höhn beklagte, den Unternehmen fehle auf der einen Seite Umsatz, auf der anderen Seite drückten die Kostensteigerungen aufs Ergebnis. In der letzten Umfrage, die der Verband in Auftrag gegeben hat, erklärten deshalb gleich 81 Prozent der Unternehmen, dass sie fürs laufende Jahr mit einem rückläufigen Gewinn rechnen, 61 Prozent erwarten einen geringeren Umsatz. Gar ein Viertel der befragten Firmen sieht die wirtschaftliche Existenz gefährdet. Die Lohnforderung der IG Metall in Höhe von acht Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten kommentierte der Vorsitzende der Bezirksgruppe vor diesem Hintergrund mit einem Wort: „Schwierig.“

Die Gewerkschaft ignoriere die Situation der Betriebe und wecke bei den Mitgliedern überhöhte Erwartungen, beklagte Höhn. „Sie zeichnet in ihrer Forderungsbegründung – wie so oft – ein viel zu rosiges Bild von der Lage der Betriebe.“ Mit ihrer Forderung beschwöre die IG Metall einen Tarifkonflikt herauf, den die Metall- und Elektroindustrie in dieser Lage überhaupt nicht brauchen könne, sagte der Arbeitgebervertreter. Bei der Frage, welches Lohnplus aus seiner Sicht akzeptabel wäre, wollte sich Höhn nicht auf eine konkrete Zahl festlegen, stellte aber klar, dass dieses auf jeden Fall „weit weg von acht Prozent“ liegen müsse.

Die IG Metall sieht das naturgemäß anders und argumentiert insbesondere mit der Erhaltung der Kaufkraft vor dem Hintergrund der hohen Inflationsraten. Am 14. September treffen die Tarifpartner in Baden-Württemberg erstmals aufeinander – Ausgang offen.