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Kinder- und Jugendtrauer

Tolle Hechte und ein Tanz-Gebet

Nicht mit Reden, sondern mit einem unterhaltsamen Programm ist am Samstagabend das fünfjährige Bestehen der Kinder- und Jugendtrauer im Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst gefeiert worden. Dieser ist bei der Ökumenischen Hospizinitiative im Landkreis Ludwigsburg angesiedelt.

Das Raul Jaurena Trio sorgte für lateinamerikanisches Ambiente.Foto: Ramona Theiss
Das Raul Jaurena Trio sorgte für lateinamerikanisches Ambiente. Foto: Ramona Theiss

Mehr als 500 Besucher waren zum Benefizabend ins Forum gekommen, um sich von den Darbietungen verschiedener Künstler begeistern zu lassen. Die A-Capella-Gruppe Füenf sang und gratulierte mit weiteren Gästen, wie dem Artisten Carismo, dem Raul Jaurena Trio und der Sängerin Hanna Uxa.

Mitklatschen und Mitsingen waren schon bei der Begrüßung mit Clownin Peppi Hampel alias Natasa Ricanovic angesagt, die die einzelnen Künstler mit Juchhu-Rufen und Jodlern begrüßte. Passend zum fünfjährigen Bestehen war es gelungen „fünf Engel mit orangenen Schuhen“, nämlich die Füenf, für einen Auftritt zu verpflichten. Francesco Cagnetta, Christian Langer, Patrick Bopp, Jens Heckermann und Kai Podack können nicht nur verdammt gut singen, sondern zeigten großen Sinn für Humor. Zum Beispiel, als sie Brokkoli, Grünkern und andere Lebensmittel besangen. „1000 Mal püriert, und nix ist passiert“, und „Bratwurstsoß statt atemlos“ hieß es zum Beispiel. Little Joe alias Kai Podack besang in bester Boygroupmanier seinen Thermomix, seine „kleine, geile Küchenmaschine“. Als „die letzten tollen Hechte“ ließen die Füenf die Hüften kreisen und nahmen bekannte Schlager gekonnt auf die Schippe.

Artistische Höchstleistung

„Das hört sich ja an wie auf dem Kirchentag, fantastisch“, lobte Christian Langer das Publikum, das bei „Bring mir die Sonne“ auf den musikalischen Spuren von Patrick Lindner wandelte und begeistert mitsang. Den Refrain hatten die Musiker auf ein großes, weißes Bettlaken geschrieben. Die A-Capella-Musiker gestalteten auch den zweiten Teil des Programms.

Einen muskalischen Kontrapunkt setzte das Raul Jaurena Trio mit himmlischer Tangomusik. Paul Jaurana aus Uruguay ist nicht ohne Grund vor einigen Jahren mit dem Latin Grammy ausgezeichnet worden. Er zeigte eindrücklich, dass er das Bandoneon, eine Art Akkordeon, und die Tradition des argentinischen Tangos meisterhaft beherrscht. Mit Bobbi Fischer am Piano und Veit Hübner am Kontrabass hat er perfekte musikalische Partner gefunden. Die drei Musiker treten seit vielen Jahren gemeinsam auf.

Was im Programmheft als „getanztes Gebet am Tuch“, angekündigt war, entpuppte sich als ebenso artistische wie ästhetische Höchstleistung. An zwei langen Tüchern, die in mehreren Metern Höhe über der Bühne befestigt worden war, zeigte er bei seiner Darbietung in Zeitlupentempo Köperbeherrschung par excellence. Carismo ist nicht nur Artist und Zauberer, sondern auch Zirkuspädagoge und leitet im Hospiz St. Martin in Stuttgart den Zirkus Martinelli für trauernde Kinder. Bleibt noch zu erwähnen, dass er Weltrekorde im Stillstehen, Langsamgehen und beim Bau einer Menschenpyramide hält. Kein Wunder, dass selbst die Musiker des Raul Jaureno Trios immer wieder die Blicke Richtung Saaldecke richteten, während sie die passende Musik spielten. Im zweiten Teil des Programms zeigte Carismo sein beeindruckendes Können als Zauberer.

Jeden Monat werden 100 Kinder begleitet

Eine Premiere feierte Hanna Uxa, die nach dem Tod ihres Vaters an den Treffen der Jugendtrauergruppe teilgenommen hat. Die junge Frau präsentierte das Lied „Dream Yourself away“, das sie geschrieben und komponiert hat. Sie begleitete sich auf der Ukulele. In dem Lied spiegelt sich der frühe Verlust des Vaters. Mit ihrer klaren, ausdrucksvollen Stimme – Hanna Uxa ist Mitglied im Kammerchor Ludwigsburg – begeisterte sie die Zuhörer. „Das war schön“, sprach Peppi Hampel wohl allen Zuhörern aus der Seele.

Der Erlös des Benefizabends kommt der Kinder- und Jugendtrauer im Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst zugute, der sich aus Spenden finanziert. Wie Birgit Beurer, Koordinatorin des Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes im Landkreis, im Gespräch erläuterte, werden im Monat rund 100 Kinder und Jugendliche sowie 30 Familien begleitet. Die Angebote reichen von einer Reitgruppe für trauernde Kinder über einen Kindertrauerclub bis zu Angeboten für junge Erwachsene, Familien und Eltern.

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