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Trauer um Eberhard Schockenhoff

Der Freiburger Moraltheologe wuchs in Hoheneck auf - Tragischer Unfalltod am Wochenende

Eberhard Schockenhoff. Foto: dpa
Eberhard Schockenhoff. Foto: dpa

Ludwigsburg. Der Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff ist tot. Er starb am Samstag, wie aus Universitätskreisen bekannt wurde, im Alter von 67 Jahren. Schockenhoff wuchs in Hoheneck auf, machte am Schiller-Gymnasium sein Abitur und war in der Kirchengemeinde zur Heiligsten Dreieinigkeit aktiv.

„Es war ein tragischer Unfall“, sagt sein Bruder, der Jurist Martin Schockenhoff. Sein Bruder sei zu Hause gewesen und habe Besuch gehabt, als er gestürzt sei. Doch selbst sofortige Hilfe habe Eberhard Schockenhoff nicht retten können.

Schockenhoff war eine Institution in der katholischen Kirche. Der Bezug zur Kirche und zum Glauben prägten schon die Kindheit. Viele Jahre war er in Hoheneck als Ministrant aktiv. Vielen Ludwigsburgern wird er bekannt sein durch sein Engagement als Pfarrjugendleiter der katholischen Dreieinigkeitsgemeinde. „Mein Bruder hat immer den Kontakt zu den Vikaren gesucht, insbesondere Herbert Schmucker hat ihn sehr geprägt“, so Martin Schockenhoff. Die Entscheidung zum Theologiestudium sei nicht überraschend gekommen. Er studierte in Tübingen und Rom, wo er auch zum Priester geweiht wurde. Seit 1994 war er Professor für Moraltheologie an der Universität Freiburg.

Schockenhoff galt weit über seine Arbeit als Professor an der Uni Freiburg als streitbarer und kritischer Zeitgeist. 2001 wurde Schockenhoff vom Bundeskabinett in den nationalen Ethikrat berufen, dem er bis 2016 angehörte.

Mit seiner Meinung hielt er nicht hinter dem Berg. Er setzte sich für stärkere Beteiligung von Laien und Frauen in der katholischen Kirche ein sowie für die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion. „Wir standen in der Familie immer in einem sehr intensiven kirchenpolitischen und theologischen Austausch“, so sein Bruder. Er habe immer alles kritisch hinterfragt, „wollte dabei aber im Gespräch bleiben und kein Trümmerfeld hinterlassen.“

Für die katholische Kirche waren die Äußerungen Schockenhoffs bisweilen unbequem. So setzte er sich für die Beibehaltung von Baby-Klappen ein, eine Einrichtung, über die in der katholischen Kirche immer wieder kontrovers diskutiert wird. Die Pius-Bruderschaft bezeichnete er als „rechtsradikalen Sumpf“, und immer wieder kritisierte er die Haltung der katholischen Kirche zur Homosexualität. Die Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) haben den verstorbenen Theologen Eberhard Schockenhoff gewürdigt. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, erklärte, Schockenhoff habe „Moraltheologie nie mit erhobenem Zeigefinger vertreten und nie in Verbotskategorien gedacht“. Vielmehr habe er Moral und Ethik für den Menschen und die Kirche verstehbar und lebbar machen wollen.

Bischof Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart) schreibt in einer Würdigung, Schockenhoff werde allen als Priester und Wissenschaftler in Erinnerung bleiben, der stets aus dem Fundament des christlichen Glaubens heraus argumentierte. „Für ihn hatten Ehrlichkeit, Authentizität und die Frage des Gewissens immer Vorrang vor wirtschaftlichen oder politischen Interessen“, betonte Fürst.

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat Eberhard Schockenhoff als einflussreichen Theologen gewürdigt. Dessen Stimme habe weit über die Grenzen der katholischen Kirche hinaus Gehör gefunden.

Eberhard Schockenhoff wuchs mit drei Brüdern auf. Sein Bruder Martin lebt nach wie vor in Ludwigsburg. Er ist Jurist und engagiert sich ebenfalls stark in der Reformbewegung der katholischen Kirche. Sein Bruder war CDU-Bundestagsabgeordneter und machte 2011 Schlagzielen, als er er seine Alkoholkrankheit öffentlich machte. 2014 starb er infolge eines Herzinfarkts.

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