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Aktionstag gegen AfD

„Wir müssen Farbe bekennen gegen Rechts“

Ludwigsburg ist bunt: Unter diesem Credo ist am 25. Oktober eine Art Happening auf dem Marktplatz geplant. „Die Bürger müssen sich zeigen“, sagt Axel Müller, der Initiator der Aktion. Anlass ist ein Treffen der AfD am selben Tag in Ludwigsburg. Diese kommt mit der Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel und zwei Bundestagsabgeordneten in die Musikhalle.

„Wir zeigen Gesicht! Wir rücken keinen Millimeter nach rechts!“ Dies ist der Beginn des Aufrufs von „Ludwigsburg ist bunt“, am Freitag, 25. Oktober, zwischen 12 und 18 Uhr auf den Marktplatz zu kommen. „Es geht darum, dass die Bürger sich zeigen“, erläutert Axel Müller. Der städtische Bahnhofsmanager und ehemalige Luis-Innenstadtbeauftragte ist Initiator des Bündnisses „Ludwigsburg ist bunt“ und hat mittlerweile ein Organisationsteam um sich geschart. Privatsache, ganz klar: „Das mache ich als Axel Müller. Wenn es mich in Konflikt bringt, muss ich das aushalten. Wir müssen raus aus der Komfortzone.“

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„Es geht darum, dass sich die

Bürger zeigen.“

Axel Müller
Initiator von„Ludwigsburg ist bunt“

Als er das sagt, ist der Anschlag eines Mannes auf die Synagoge in Halle, bei der er zwei Menschen ermordet, gerade 20 Stunden her. Da war der Text für den Flyer längst formuliert, bekommt dadurch aber eine erschreckende Aktualität: „Immer wieder gilt es, unser Grundgesetz, die Grundlage unserer gesellschaftlichen Ordnung, zu verteidigen. Heute einmal mehr denn je. Die Rechtsradikalen in Deutschland, Europa und der Welt beginnen, sich wieder in unsere gesellschaftliche Mitte zu drängen.“

Für Müller eine Bürgerpflicht, die sich nicht im Widerstand erschöpfen soll. „Unser System beruht darauf, dass wir unser Leben bunt gestalten.“ Ob Hautfarbe, Herkunft, sexuelle Orientierung oder Religion – es gehe darum, wie man miteinander umgehen und leben wolle. „Jedes Individuum soll die Freiheit haben, ohne anderen zu schaden.“ Ein globaler Anspruch: „Wir brauchen so etwas.“

Anlass der bunten Aktion ist eine AfD-Versammlung, die am 25. Oktober um 19 Uhr in der Musikhalle stattfindet. Wie das Wahlkreisbüro des Ludwigsburger AfD-Bundestagsabgeordneten Martin Hess auf Anfrage mitteilt, werden Hess als stellvertretender innenpolitischer Sprecher, der Göppinger AfD-Abgeordnete Volker Münz als religionspolitischer Sprecher und die Fraktionsvorsitzende Alice Weidel bei der Mitgliederversammlung erwartet. Laut dem Vermieter Tourismus & Events wurden mit Polizei und Sicherheitskräften entsprechende Sicherheitsvorkehrungen abgesprochen. Bei einem ähnlichen Auftritt der AfD in der Stadt – mitten im Wahlkampf im September 2017 – hatten 200 Gegner im „Bündnis gegen Rechts“ friedlich, aber lautstark unter dem Motto „Kein Raum für rechte Hetze“ vor der Musikhalle demonstriert.

Das Bündnis „Ludwigsburg ist bunt“ möchte dagegen auf dem Marktplatz ein Zeichen setzen, dass die Stadtgesellschaft Stellung bezieht. „Der Marktplatz ist das Wohnzimmer der Stadt“, sagt Müller. Geplant sind in Brunnennähe weder Reden noch ein abgesperrter Bereich, sondern es soll ein Miteinander geben, ein reges Kommen und Gehen. In gewisser Weise, so Müller, sollen die Ludwigsburger ihren Marktplatz besetzen. Bunt ist dabei wörtlich gemeint. Ob Lieblingsfarbe, Vereinstrikot, Firmenoutfit, mit bemaltem Gesicht oder doch „nur“ mit buntem Hut: „Wir hoffen, dass sich der Marktplatz mit bunten Menschen füllt bis zum Rand“, so Müller. „Wir müssen Farbe bekennen gegen Rechts.“

Von „wehret den Anfängen“ könne schon angesichts der jüngsten Ereignisse in Halle keine Rede mehr sein, sagt Axel Müller. Er spricht von einer Werteverschiebung in der Gesellschaft, von einem Rechtsruck, der in Gesprächen und im Alltag längst salonfähig geworden sei. „Wir brauchen die kritische Masse, die sich mit diesen Themen auseinandersetzt.“

Bewusst haben die Organisatoren auf ein offizielles Bündnis mit Parteien oder Gewerkschaften verzichtet. Angefragt wurden laut Müller das Markt 8 (evangelische Kirche) und das Markt 5 (katholische Kirche) als Anlaufstelle, aktiviert wurden kreative und aktive Privatpersonen jeder Couleur. Denn langfristig soll die bunte Aktion nur Auftakt sein für eine Bewegung, die sich in der Stadtgesellschaft verankert, mit unterschiedlichen Akteuren und Organisatoren. „Die Rechtsradikalen drängen immer mehr in unsere Mitte. Das finden wir nicht gut. Das wollen wir nicht. Das wollen wir zeigen.“ In Facebook unter „Ludwigsburg ist bunt“ und bei Instagram unter #ludwigsburgistbunt gibt es eigene Plattformen.

Für den 25. Oktober sind alle eingeladen. Kinder sollen ihre Spielgeräte mitbringen, Picknick ist erwünscht. Auf einer großen Papierrolle – Bunt-Schriftrolle getauft – dürfen sich alle mit ihren Gedanken verewigen. Angedacht ist laut Müller, die Schriftrolle an die Zentrale Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen zu übergeben. „Wir wollen dokumentieren, dass Ludwigsburg Stellung gegen Rechts bezieht.“

Das tut auch Oberbürgermeister Matthias Knecht auf Anfrage unserer Zeitung: „Das Motto der Veranstaltung ‚Ludwigsburg ist bunt‘ können wir als Stadt Ludwigsburg nur unterstreichen. Vielfalt belebt unsere Gesellschaft und wir freuen uns über jeden, der sich auf friedliche Art und Weise für den Erhalt unseres demokratischen Rechtsstaats einsetzt. Wir lehnen jede Art von radikalem und verfassungsfeindlichem Gedankengut ab.“

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