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LKZ-Podcast NewsCouch zur Landtagswahl
Wohnungsnot in Ludwigsburg: Andreas Veit fordert mehr Förderung und weniger Bürokratie

Andreas Veit auf der NewsCouch im Gespräch mit Ulrike Trampus und Stephan Wolf aus der LKZ-Chefredaktion.
Andreas Veit auf der NewsCouch im Gespräch mit Ulrike Trampus und Stephan Wolf aus der LKZ-Chefredaktion. Foto: Kevin Bitz
Bezahlbarer Wohnraum bleibt Mangelware. Andreas Veit von der Wohnungsbau Ludwigsburg sieht auf der NewsCouch Politik und Land in der Pflicht.

Ludwigsburg. Bezahlbarer Wohnraum ist in Ludwigsburg knapp – und die Lage verschärft sich weiter. Andreas Veit, Geschäftsführer der Wohnungsbau Ludwigsburg, spricht offen über steigende Mieten, lange Wartelisten und politische Versäumnisse.

Die ortsübliche Vergleichsmiete liegt laut Mietspiegel bei rund zehn Euro pro Quadratmeter. Doch auf dem freien Markt werden für Bestandswohnungen häufig zwölf bis 14 Euro verlangt, Neubauten kosten 16 bis 18 Euro pro Quadratmeter. Geförderte Wohnungen sind deutlich günstiger – allerdings Mangelware.

Im Landkreis Ludwigsburg fehlen laut Pestel-Studie rund 8000 Wohnungen. Bei der städtischen Wohnungsbaugesellschaft stehen zwischen 1300 und 1600 Haushalte auf der Warteliste. Besonders vierköpfige Familien warten oft jahrelang auf eine passende Wohnung.

Wer es schwer hat – und wer nicht

Relativ gute Chancen auf dem Wohnungsmarkt haben Doppelverdiener mit sicherem Einkommen. Schwieriger wird es für Familien, Senioren mit kleiner Rente, Alleinerziehende, kinderreiche Haushalte und Menschen mit Migrationshintergrund. „Für manche Gruppen ist der freie Wohnungsmarkt faktisch unmöglich“, sagt Veit.

Altersarmut verschärft die Situation zusätzlich. Viele Rentner können sich die steigenden Mieten schlicht nicht leisten.

Baukosten, Bürokratie, fehlende Planungssicherheit

Warum wird nicht mehr gebaut? Veit nennt mehrere Gründe: massiv gestiegene Baukosten, hohe Zinsen, Inflation infolge des Ukraine-Kriegs sowie immer mehr gesetzliche Auflagen. Während im Jahr 2009 rund 5000 Vorschriften für Neubauten galten, seien es heute etwa 20.000.

Zwar habe der Bund seine Fördermittel erhöht, das Land Baden-Württemberg lege inzwischen 50 Cent pro Bundes-Euro drauf. Doch das reiche nicht. Veit fordert mindestens ein Verhältnis von eins zu eins. Vor allem fehle Verlässlichkeit: Projektentwickler müssten hohe Planungskosten vorfinanzieren, ohne sicher zu wissen, ob Fördergelder rechtzeitig bewilligt werden.

Nachverdichtung als Chance – aber umstritten

Da Bauflächen knapp sind – mehr als die Hälfte der Ludwigsburger Fläche ist bereits versiegelt – setzt Veit auf Nachverdichtung und Aufstockungen. Rechtliche Hürden seien zuletzt gesenkt worden, dennoch blieben Projekte teuer und politisch sensibel.

Anwohner fürchten häufig um ihre Wohnqualität. Veit plädiert für Transparenz und Beteiligung. Beispiele wie der Sonnenberg zeigten, dass höhere Bebauung verträglich sein könne, wenn Abstände und Gestaltung stimmen.

Quartiersentwicklung ohne Verdrängung

Neben Neubauten spielt die Quartiersentwicklung eine zentrale Rolle. Projekte in Eglosheim, Grünbühl oder im Jägerhofquartier hätten gezeigt, dass Aufwertung ohne Verdrängung möglich sei. Besonders wichtig sei es, bestehende Mieter einzubinden und Gentrifizierung zu vermeiden.

Große freie Flächen gebe es kaum noch. Künftig werde es eher um einzelne Areale und intelligentes Weiterbauen im Bestand gehen.

Forderungen an die Politik

Im Landtagswahlkampf komme das Thema Wohnen zu kurz, kritisiert Veit. Er wünscht sich ein „offenes Ohr“ und vor allem Planungssicherheit über Legislaturperioden hinaus. Auch eine Senkung der Grunderwerbsteuer könne Familien entlasten.

Jungen Menschen rät er, früh Eigenkapital aufzubauen oder sich rechtzeitig bei Wohnungsunternehmen registrieren zu lassen. Offenheit und Ehrlichkeit seien bei Mietverhältnissen entscheidend.

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