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Zähe Suche nach Feuerwehr-Chef

Schon vier Monate lang sucht Ludwigsburg nach einem neuen Chef für die Feuerwehr. Bisher erfolglos. Seit gestern allerdings gilt als gesichert, dass ein drohender Rechtsstreit der Stadt mit dem ehemaligen Feuerwehrkommandanten aus der Welt ist. Das könnte die Aussichten auf einen Nachfolger verbessern.

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Die Ludwigsburger Feuerwehrzentrale an der B 27 beim Favoritepark. Archivfoto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Den bisherigen Feuerwehrkommandanten Andreas Thoß hatte die Stadt im Januar dieses Jahres abberufen, Thoß wurde auf eine andere Stelle versetzt. Seither war unklar, ob Thoß rechtlich gegen seine Abberufung vorgehen würde. Er hatte sich eine Klage vorbehalten. Im Streit um die Abberufung haben beide Seiten jetzt „eine gemeinsam konzipierte Vereinbarung unterzeichnet“, so die Stadt Ludwigsburg gestern in einer Mitteilung, „in der die gegenseitigen Interessen berücksichtigt sind und somit die Auseinandersetzung beendet werden konnte“.

Nähere Details dieser Vereinbarung wollte die Stadt gestern unter Berufung auf eine gegenseitig vereinbarte Verschwiegenheitspflicht nicht nennen. Nur noch so viel: Thoß wolle sich „alsbald beruflich neu orientieren“, also das Rathaus verlassen.

Nach der Abberufung hatte die Stadt den ehemaligen Kommandanten im Frühjahr in den Bereich der Fachbereichsleitung Sicherheit und Ordnung versetzt, wo er laut Stadtverwaltung seither Aufgaben im vorbeugenden Brandschutz und der sogenannten nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr übernimmt. „Das sind zum Beispiel Konzepte bei erhöhten Sicherheitsanforderungen für das Marktplatzfest. Derartige Dinge haben wir zuvor teilweise an private Fachbüros vergeben“, sagte der Erste Bürgermeister Konrad Seigfried gestern auf Anfrage unserer Zeitung.

Offiziell verabschiedet hat sich Andreas Thoß von der Ludwigsburger Feuerwehr nach Angaben der Stadt bereits in der vergangenen Woche, bei einem Treffen des Feuerwehrgesamtausschusses, einem Führungsgremium, welches aus freiwilligen und hauptamtlichen Feuerwehrmitgliedern besteht. Dort gab es nach dem heftigen Streit der vergangenen Monate und der beiderseitigen Vereinbarung versöhnliche Worte von Thoß und Seigfried.

Thoß habe sich bei dem Treffen bedankt, so die Mitteilung der Stadtverwaltung, für die gemeinsamen Jahre seit seinem Amtsantritt 2007, in denen er vieles menschlich und fachlich habe dazulernen können. Die Feuerwehr Ludwigsburg sei lange Zeit seine Herzensangelegenheit gewesen.

Als Denkanstoß für die kommenden Jahre habe Thoß erklärt, dass sich die Feuerwehr Ludwigsburg in einer Zeit des Umbruchs befinde, in der sich jeder Einzelne auf die originären Feuerwehraufgaben konzentrieren solle. Das dauerhafte Miteinander und die fortwährende enge Kommunikation zwischen freiwilligen und hauptamtlichen Kräften seien für die Zukunft der Feuerwehr Ludwigsburg mit ihren spezifischen Strukturen in den Stadtteilen unentbehrlich. Er wünsche der Feuerwehr Ludwigsburg und vor allem auch seinem Nachfolger eine echte Chance und alles Gute.

Seitens der Stadt betonte der Erste Bürgermeister Seigfried, dass Andreas Thoß in einem Zeitraum von zehn Jahren die Geschicke der Feuerwehr Ludwigsburg maßgeblich gelenkt habe. Nicht nur der Brandschutzbedarfsplan und seine Fortschreibung, sondern auch der Erhalt der Struktur der Freiwilligen Feuerwehr mit ihren an die Stadtteile gebundenen Abteilungen mit eigenen Feuerwehrhäusern, die schwierige Debatte um die Integrierte Leitstelle sowie ihre Realisierung und nicht zuletzt die Fahrzeugbeschaffung der letzten Jahre seien von Thoß in bedeutendem Umfang mitgesteuert worden. Dafür spreche man seitens der Stadtverwaltung Andreas Thoß Dank und die ausdrückliche Wertschätzung aus.

Grund für den freundlichen Umgang miteinander dürfte auch sein, dass die Stadt nach der Vereinbarung wohl nicht mehr mit rechtlichen Schritten von Thoß rechnen muss. Die Ungewissheit, ob der seines Amtes enthobene Kommandant gegen eine Neubesetzung würde Klage einreichen, schwebte über der Suche nach einem Nachfolger. Und diese Suche verlief bisher nach Informationen unserer Zeitung nicht gerade erfolgversprechend. Und dies, obwohl die Stadt die Stelle aufgewertet hat. Der einstige Kommandantenposten wurde im April dieses Jahres als Leitung des neuen Fachbereichs Feuerwehr und Bevölkerungsschutz im höheren Beamtendienst ausgeschrieben. Der Erste Bürgermeister bestätigte gestern gegenüber unserer Zeitung, dass die Stelle demnächst in einem zweiten Anlauf erneut ausgeschrieben wird.