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Stadtbahn

Zwischen Begeisterung und völliger Ablehnung

Heute Abend wird die Stadt Ludwigsburg den Kreisräten, Gemeinderäten der Anrainer-Kommunen und den Mitgliedern der Regionalversammlung im Kulturzentrum das neue Kombi-Modell vorstellen. Im Vorfeld schwanken die Erwartungen von Begeisterung bis komplette Ablehnung.

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Das stillgelegte Bahngleis in Möglingen, das für die Variante aus Ludwigsburg wiederbelebt werden soll. Foto: Oliver Bürkle

Ludwigsburg. „Die neue Variante aus Ludwigsburg ist eindeutig unser Favorit“, schwärmt Pedro Fernandes. Der Markgröninger SPD-Fraktionschef sieht in der Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Ludwigsburg über Möglingen nach Markgröningen, wie sie nun der Ludwigsburger Oberbürgermeister Werner Spec vorschlägt, die richtige Lösung für seine Stadt. Schließlich hat die SPD diese Variante schon vor zehn Jahren vorgeschlagen. „Darauf hätte man also schon früher kommen können“, kritisiert er, dass die Variante nun erst diskutiert werde. Für ihn ist es kein Problem, dass die Bahn dann am Bahnhof endet. „Eine Streckenführung bis zum Festplatz, wie bei der Stadtbahn vorgesehen, hätte ohnehin die Stadt verschandelt.“

Sein SPD-Kollege aus Möglingen ist etwas zurückhaltender. „Wie das jetzt gelaufen ist, ist nur schwer erträglich“, sagt Fraktionschef Gerald Häcker. „Für uns ist die Anbindung an Ludwigsburg aber zentral, weshalb wir uns auch den neuen Vorschlag genau anschauen“, verspricht er. Klar ist für ihn: Es muss eine Lösung für den stillgelegten Gleiskörper geben, der in Möglingen mitten durchs Wohngebiet führt. „Das wird von der Bevölkerung nur akzeptiert, wenn der Lärm und die Emissionen gering sind.“ Die CDU-Fraktionschefin Claudia Häcker kann heute Abend nicht dabei sein. Sie ist aber nicht begeistert, dass die neuen Überlegungen jetzt am Ende des Planungsprozesses für die Stadtbahn auf den Tisch kommen. „Ich habe dabei ein sehr ungutes Gefühl.“

Völlige Ablehnung erfährt Spec’ Vorschlag schon jetzt in Remseck. Es ist sehr fraglich, ob und wie viele Gemeinderäte überhaupt heute Abend nach Ludwigsburg kommen. Das Wort vom Boykott macht hinter vorgehaltener Hand die Runde. CDU-Fraktionschef Steffen Kirsch wird nicht dabei sein. Er hat schon einen anderen Termin. „Das ist mit uns nicht machbar“, sagt er und sieht schon die interkommunale Zusammenarbeit in Gefahr. „Die Kosten für die ganzen Gutachten - alles verbrannt?“ fragt er. Es gebe einen klaren und von allen Seiten geprüften Vorschlag zur Stadtbahn. Über diesen müsse nun zunächst abgestimmt werden. „Ich habe den Eindruck, es geht vor allem darum, das Projekt an die Wand zu fahren.“ Ähnlich kritisch ist sein Kollege Gerhard Waldbauer. Wahrscheinlich kommt nur er heute Abend, die übrigen Freien Wähler wollen wohl nicht. „Dieser Plan hätte schon vor zehn Jahren auf den Tisch gehört – jetzt ist es dafür zu spät“, sagt er. Damit würde alles auf Null gestellt. Besonders ärgerlich findet er, dass Pattonville jetzt noch länger warten müsste. „Den Bewohnern hat man eine Stadtbahnanbindung versprochen – was wird jetzt daraus?“

Der SPD-Fraktionschef aus Kornwestheim, Hans Michael Gritz kommentiert das Bussystem ebenfalls kritisch. „Wir sind nicht sehr angetan von dem Vorschlag.“ Auch sein CDU-Kollege Hans Bartholomä sieht sich wieder ganz am Anfang des Prozesses. Er findet zwar gut, dass ein Halt für W+W vorgesehen ist – „aber einen weiteren Bahnhof in Kornwestheim wird es nicht geben“.

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Brigitte Muras, hat keine großen Erwartungen an heute Abend. „Das Schnellbussystem schließe ich aus“, sagt sie. Die Grünen wollen eine Niederflurvariante – „alles andere ist nicht nachvollziehbar.“ Freie Wähler-Chef Rainer Gessler sieht hingegen darin einen Baustein, um möglichst zielorientiert und gemeinsam mit allen Beteiligten zu einer Lösung bei diesem wichtigen Thema zu kommen.“ Gestern Vormittag saßen die Bürgermeister der Anrainer mit Landrat Dr. Rainer Haas zusammen, um über die neue Situation zu sprechen. Ohne großes Ergebnis. Man will wohl abwarten, wie es in Ludwigsburg weitergeht.

Öffentliche Info-Veranstaltung: 7. April, 19 Uhr in der MHP Arena, Ludwigsburg.