Berlin/Ludwigsburg. Die Anleihemärkte – voran Frankreich – machen die Finanzmärkte nervös. Die Rendite der französischen 10-Jährigen ist auf fast fünf Prozent gestiegen. Das ist der höchste Stand seit 2002. Gegen das Sparpaket, das Paris schnüren will, regt sich heftiger Widerstand im Land, der teilweise in Gewaltausbrüchen eskaliert. Jetzt geht die Sorge vor einer neuen Euro-Krise wieder um. Die hätte im Falle Frankreichs eine andere Größenordnung als die damalige Schuldenkrise in Griechenland. Allerdings lesen wir die Euro-Entwicklung so, dass die Finanzmärkte derzeit nicht von einer ernsten Eskalation der Schuldenkrise ausgehen. Denn mit 1,12 Euro/US-Dollar hält sich der Euro noch stabil. Wichtig ist hier die technische Unterstützung bei 1,10 Euro/US-Dollar. Fällt die, rückt die Parität zum Dollar wieder in den Blick.
Anleihenkrise verschärft die Situation
Die Anleihenkrise setzt die Aktienmärkte in der Eurozone unter Druck. Der Dax ist unter 25.000 Punkten gefallen. Besonders unter Druck stehen Bank-Aktien. Daneben belastet auch der neuerliche Ölpreis-Anstieg die europäischen Aktien. Insbesondere öl-sensitive Werte wie Airlines und Tourismus-Unternehmen stehen wieder unter stärkerem Verkaufsdruck. Demgegenüber profitieren Rohstoff-Aktien.
Für die Europäische Zentralbank (EZB) ist das ein ungemütliches Umfeld. Die Rendite-Entwicklung wird von der Risiko-Seite her getrieben. Der schwache Euro und der Ölpreis-Anstieg werden dazu führen, dass die importierte Inflation weitere Impulse setzt. Das ist angesichts der jüngst schon auf 3,3 Prozent gestiegenen Inflationsrate ein Problem. Die Hoffnungen der EZB, dass sich die Inflation beruhigen könnte, teilen wir nicht. Solange die Heizsaison andauert, Öl und Gas teuer bleiben, wird die Inflationsrate eher nach oben als nach unten drücken.
Positiver Realzins wieder vorüber
Für Anleger hat das zur Folge, dass der positive Realzins bereits wieder vorüber ist. Für Dreimonatsgeld gibt es derzeit 2,5 Prozent Zinsen, die zehnjährige Rendite deutscher Staatsanleihen liegt aktuell bei 3,5 Prozent. Die Inflationsrate in Deutschland lag im September offiziell bei 3,3 Prozent. Damit bleibt ein Plus von 0,2 Prozent. Viele Banken bieten zwar wieder Tagesgeldkonten mit 3 Prozent und mehr an. Allerdings müssen diese Erträge nominal versteuert werden.
Fazit: Die Börsen werden kurzfristig weiter unter Druck stehen, der Verkaufsdruck könnte sogar noch einmal zunehmen. Wir hatten schon zu Gewinnmitnahmen geraten und Cash aufgebaut. Halten Sie daran fest. Aufstockungen in Edelmetallen und Minen-Aktien bieten sich an.
Empfehlung: Veolia
Veolia Environment (ISIN: FR 000 012 414 1) ist auf die Bereiche Wasser und Abwasser, Abfallentsorgung, Recycling und Energie fokussiert. Der stärkste langfristige Wachstumstreiber ist das Wassergeschäft. Interessant ist dabei die Verbindung zur Digitalisierung und zur Künstlichen Intelligenz. Rechenzentren benötigen enorme Mengen Strom und Wasser für leistungsfähige Kühl- und Versorgungssysteme.
Ein Wachstumsschritt ist die Übernahme von Clean Earth. Damit baut Veolia seine Position im US-Markt für gefährliche Abfälle deutlich aus. Die Akquisition soll ab 2027 positiv zum bereinigten Nettoergebnis beitragen. Gleichzeitig erwartet Veolia Synergieeffekte.
Damit ändert sich das Geschäftsprofil. Veolia will sich stärker international, technologieorientiert und auf höherwertige Umweltlösungen ausrichten. Das Unternehmen plant zudem Veräußerungen im Volumen von mehr als zwei Milliarden Euro, um das Portfolio weiter zu fokussieren. Mit einem KGV unter 12 ist die Aktie von Veolia Environment fundamental günstig. Die Dividendenrendite liegt bei über fünf Prozent.
Der Autor:Stefan Ziermann, der als Kolumnist einen persönlichen Blick auf die Börsen wirft, ist Chefredakteur im Verlag Fuchsbriefe und Chefredakteur des Börsenbriefes Fuchs-Kapitalanlagen (www.fuchsbriefe.de) sowie Herausgeber des jährlich publizierten Fuchs-Geldanlagebuches „Anlagechancen“. Er beschäftigt sich seit 2002 für den Verlag Fuchsbriefe mit Finanzmärkten und Börse.


