Kreis Ludwigsburg. Die heimische Metall- und Elektroindustrie (M+E) steht massiv unter Druck. Monat für Monat gehen Tausende Arbeitsplätze verloren. Angesichts der anhaltenden Unterauslastung ist die Lage für Beschäftigung und Standorte stark angespannt. Der vom Ifo-Institut erhobene M+E-Geschäftsklimaindex liegt seit nunmehr 39 Monaten ununterbrochen im negativen Bereich. Knapp 40 Prozent der Betriebe nennen einen Mangel an Aufträgen als Produktionshindernis – ein alarmierend hoher Wert.
Das Grundproblem besteht unverändert fort: Die internationale Wettbewerbsfähigkeit unseres Standorts hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert. Die Basis für unser Geschäftsmodell ist ins Rutschen geraten. Am heimischen Standort zu produzieren, ist inzwischen so teuer geworden, dass viele Unternehmen hierzulande nicht mehr investieren, ihre Produktion verlagern oder einstellen. Gewinne in Unternehmensgruppen werden oft nur noch durch die ausländischen Standorte ermöglicht.
Lohnstückkosten viel höher als andernorts
Besonders die hohen Lohnstückkosten stellen viele Betriebe in der Region vor große Herausforderungen. Mit Arbeitskosten von 53,76 Euro pro Stunde im vergangenen Jahr liegt die deutsche M+E-Industrie deutlich über wichtigen Wettbewerbsstandorten wie den USA, Großbritannien oder weiten Teilen Osteuropas und Asiens.
Gleichzeitig belasten hohe Energiekosten, übermäßige Bürokratie, explodierende Lohnzusatzkosten, kurze Arbeitszeiten und eine insgesamt zu geringe wirtschaftspolitische Dynamik unsere Unternehmen zusätzlich. Das meiste davon liegt in der Verantwortung der Politik – aber nicht alles.
Viele Betriebe stoßen inzwischen an die Grenzen dessen, was sie durch Innovation, Qualität und Produktivitätsfortschritte noch ausgleichen können. Dabei befindet sich unsere M+E-Industrie gleichzeitig mitten in einer tiefgreifenden Transformation: Neue Technologien, Dekarbonisierung, veränderte Märkte und zunehmender internationaler Wettbewerb verlangen hohe Investitionen und erhebliche Anpassungen der Geschäftsmodelle. Dafür brauchen die Unternehmen finanzielle Spielräume, Planungssicherheit und verlässliche Rahmenbedingungen.
Wie wettbewerbsfähig ist das Land?
Der Irankrieg und internationale Handelsauseinandersetzungen verschärfen die Situation zusätzlich. Sie sind jedoch nicht die eigentliche Ursache der aktuellen Probleme. Entscheidend ist, dass unser Land bei zentralen Standortfaktoren in den vergangenen Jahren stark an Wettbewerbsfähigkeit verloren hat. Die Unternehmen versuchen, die Arbeitsplätze hier zu halten, soweit es eben geht. Aber Gewinneinbrüche oder gar Verluste gefährden die Existenz der Betriebe. Oft sind Verlagerungen ins Ausland die Folge. Eine Entwicklung, die es schon lange gibt – die sich aber immer mehr verschärft.
Dabei verfügen wir hier bei uns weiterhin über erhebliche Stärken: hoch qualifizierte Beschäftigte, mutige, in der Region verwurzelte Unternehmen und starke industrielle Wertschöpfungsketten. Diese Stärken allein reichen aber nicht aus, wenn die Rahmenbedingungen nicht mehr stimmen. Unternehmen investieren dauerhaft nur dort, wo Produktion ökonomisch darstellbar bleibt.
Die Lage vor den Tarifverhandlungen
Deshalb besteht dringender Handlungsbedarf. Die Kostenbelastung am heimischen Standort muss reduziert werden. Das ist zuvorderst die Aufgabe der Politik, die aber durch kluge tarifpolitische Entscheidungen unterstützt werden muss. Darüber werden wir mit der IG Metall in der bevorstehenden Tarifrunde sprechen. In der aktuellen wirtschaftlichen Lage benötigen die Unternehmen Flexibilität und Entlastung. Dann werden die Ideen auch wieder hier bei uns zu neuen Produkten, zukunftsfähigen Geschäftsmodellen und sicheren Arbeitsplätzen führen.
