Mit den pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) wird sichtbar, was in öffentlichen Apotheken längst steckt: heilberufliche Kompetenz, unmittelbare Nähe zu den Menschen und ein niedrigschwelliger Zugang zur Gesundheitsversorgung. Das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) ebnet den Weg für weitere pharmazeutische Dienstleistungen in Apotheken. Das ist gut für Patientinnen und Patienten – und eine wichtige Perspektive für die Apotheken selbst.
Denn die öffentliche Apotheke ist weit mehr als eine Abgabestelle für Arzneimittel. Apothekenpersonal verfügt über umfassende Fachkenntnisse zu Wirkstoffen, Wechselwirkungen, Therapiesicherheit und Prävention. Diese Kompetenzen stärker in die Primärversorgung einzubinden, ist nicht nur folgerichtig, sondern angesichts der Herausforderungen unseres Gesundheitssystems dringend notwendig.
Versandhändler aus dem Ausland als Konkurrenz
Öffentliche Apotheken stehen unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Während die Zahl der Standorte sinkt, konkurrieren sie zunehmend mit Versandhändlern aus dem Ausland. Wer die Schließungswelle der Apotheken vor Augen hat, sieht, dass die wirtschaftliche Lage vieler Apotheken längst dramatisch ist. In Baden-Württemberg ist die Zahl der öffentlichen Apotheken von 2.574 im Jahr 2016 auf inzwischen nur noch 2.053 gesunken. Zwanzig Prozent weniger in zehn Jahren. Tendenz: fortschreitend.
Apotheken sind wohnortnah, ohne Termin erreichbar und genießen das Vertrauen vieler Menschen. Sie können Versorgungslücken überbrücken, Orientierung geben und dazu beitragen, dass gesundheitliche Risiken nicht erst dann Aufmerksamkeit bekommen, wenn bereits Folgeerkrankungen entstanden sind. Das ersetzt keine ärztliche Behandlung, ergänzt sie aber sinnvoll.
Potenzial für ein Alleinstellungsmerkmal
Durch diese heilberufliche Kompetenz können sich Apotheken von Online-Versendern aus dem Ausland abheben. Die pDL können damit zu einem wichtigen Alleinstellungsmerkmal werden – und dazu beitragen, dass sich Apotheken auch künftig flächendeckend behaupten können. Denn eine wohnortnahe Versorgung muss nicht nur im Alltag, sondern auch in Krisenzeiten gewährleistet sein. Gerade für eine leistungsfähige Primärversorgung ist das entscheidend.
Für die Apotheken selbst liegt in den pDL eine Chance. Sie machen heilberufliche Leistungen sichtbarer und helfen, das eigene Profil zu schärfen.
Aber zusätzliche Aufgaben in Apotheken bedeuten nicht automatisch einen wirtschaftlichen Vorteil. pDL erfordern qualifiziertes Personal, Beratungszeit, Dokumentation, geeignete Räumlichkeiten und funktionierende Abläufe. Ihre Vergütung muss diesen Aufwand fair, transparent und kostendeckend abbilden. Nur so können Apotheken die pDL dauerhaft in guter Qualität anbieten und zur Versorgung der Bevölkerung beitragen.
Aufwand muss fair bezahlt werden
Denn es ist auch eine grundsätzliche Frage: Wie viel darf Prävention und eine bessere Gesundheitsversorgung kosten – und welchen Wert hat es für uns, diese Leistungen wohnortnah verfügbar zu halten? pDL sind mehr als ein neues Leistungsangebot. Sie sind eine Investition in eine moderne, patientennahe Primärversorgung und in die Zukunft der öffentlichen Apotheken. Damit diese doppelte Chance Wirklichkeit wird, müssen der gesetzliche Versorgungsauftrag und die Finanzierung der erbrachten Leistungen zusammenpassen. Anders geht es nicht.
