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Kolumne Wirtschaftsnews
Warum Kultur sich lohnt

Alondra de la Parra dirigiert beim Monrepos Open Air der Schlossfestspiele 2024.
Alondra de la Parra dirigiert beim Monrepos Open Air der Schlossfestspiele 2024. Foto: Holm Wolschendorf
Natürlich ist Kultur mehr als nur Heller und Pfennig. Aber der wirtschaftliche Aspekt wird immer noch unterschätzt.

Ludwigsburg. Haben Sie schon Karten für das Konzert der Star-Geigerin Anne-Sophie Mutter? Für den Klavierabend der international renommierten Elisabeth Leonskaja? Für Mozarts Oper „Zaide“? All diese Kultur-Highlights und noch viel mehr gibt es bei den seit einigen Tagen wieder stattfindenden Ludwigsburger Schlossfestspielen. Und wenn Sie Karten haben, dann gönnen Sie sich in der Pause bestimmt auch mal einen Prosecco. Und gehen anschließend noch ein Glas Wein oder ein Bier trinken, denn so ein Konzerterlebnis möchte man auch anschließend erst einmal auf sich wirken lassen und sich mit anderen darüber austauschen. Vielleicht sind Sie oder Ihre Kinder von einem Konzert, einem Tanz-, Theater- oder einem Literaturabend sogar so begeistert, dass Sie am nächsten Tag für sich oder Ihre Kinder bei einer Musikschule Klavierstunden buchen, in einer Buchhandlung etwas Neues zum Lesen erstehen oder Ballettstunden in Angriff nehmen. Und indem Sie all dies tun, tragen Sie zu dem bei, was in der Wirtschaftswissenschaft als „Umwegrentabilität“ bezeichnet wird: Veranstaltungen wie bei den Schlossfestspielen haben einen indirekten wirtschaftlichen Nutzen dadurch, dass sie an anderer Stelle wirtschaftliche Bewegungen anstoßen. Und dadurch weitere Einnahmen, Arbeitsplätze, Steuern und Sozialabgaben sichern.

Natürlich hat Kultur einen immateriellen Wert an sich. Sie hat aber eben auch einen wirtschaftlichen Nebeneffekt, der leider gern übersehen wird - über die Umwegrentabilität. Sie bringt Arbeitsplätze auf und hinter der Bühne, sorgt für Aufträge bei Dienstleistern, Umsatz bei Gastronomen und noch vieles mehr. Die Uni Potsdam zum Beispiel hat 2024 in einer Studie errechnet, dass die Musikfestspiele Potsdam und die Kulturstätte Nikolaisaal Potsdam im Schnitt für jeden Euro staatlicher Förderung zwischen 1,53 Euro und 2,34 Euro selbst erwirtschafteten.

Und es gibt noch eine Dimension, die immer wichtiger wird: Stadtmarketing-Experten halten die kulturelle Attraktivität einer Kommune für immens wichtig für das Image eines Standorts - und um Fachkräfte in die Region zu locken. Denn wer zieht schon gern in eine Stadt oder eine Gegend, in der kulturell nichts los ist? So wird das Kulturleben in Ludwigsburg und Umgebung in Zeiten des Fachkräftemangels immer mehr Bedeutung bekommen.

Staatliche und kommunale Kulturförderung ist also nicht etwa Luxus, sondern eine Investition. Und zwar eine, ohne die es nicht mehr geht, wenn man eine attraktive Wirtschaftsregion bleiben will oder noch besser: wenn man als Wirtschaftsregion noch attraktiver werden will.

Veranstaltungen wie die Schlossfespiele sind deshalb ein gesellschaftlicher Segen, ebenso wie alle anderen kulturellen Events in der Region Ludwigsburg - man sollte gar nicht erst anfangen, eine Aufzählung zu versuchen, denn die könnte hier nicht vollzählig sein. Deshalb stehen hier die Schlossfestspiele stellvertretend für alle Musiker, Autoren, Theater- und Filmschaffenden, Kabarettisten, Chöre, bildenden Künstler und Festivals in und um Ludwigsburg, ganz egal ob prominenter Star oder Lokalakteur. Jeder Einzelne, der Kultur schafft, trägt zur Attraktivität seiner Region bei.

Darauf lässt sich mit dem Prosecco in der Konzertpause trefflich anstoßen. Zum Wohl!

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