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Gesundheitspolitik
Wirtschaftskolumne: Deutschland könnte weit gesünder leben

Alexander Schmid, Geschäftsführer der AOK Ludwigsburg-Rems-Murr.
Alexander Schmid, Geschäftsführer der AOK Ludwigsburg-Rems-Murr. Foto: AOK
Der Staat unternimmt zu wenig gegen Alkohol, Tabak und schlechte Ernährung. Wer gesünder sein will, muss selbst aktiv werden.
Zusammenfassung Neu

• Im europäischen Vergleich belegt Deutschland im Public Health Index einen der hinteren Ränge.

• Die Steuern auf Tabak und Alkohol sind niedriger als von Experten empfohlen.

• Auch bei der Ernährungspolitik ist Luft nach oben, während Deutschland bei der Bewegungsförderung besser abschneidet.

Unsere Zusammenfassung wurde mit KI erstellt.

Geschäftsführer der AOK Ludwigsburg-Rems-Murr

Sie haben es mitbekommen: Die Steuern auf Tabak und Alkohol sollen in Deutschland erhöht und auf zuckerhaltige Getränke eingeführt werden. So lautet ein Vorschlag aus dem Bundesfinanzministerium.

Ob dieser letztendlich höhere Einnahmen generiert oder zu mehr Gesundheit führt, ist eine umstrittene Frage. Sicher wissen werden wir es erst in einigen Jahren.

Wie stark Deutschland bereits heute auf Gesundheitsschutz setzt, beantwortet der Public Health Index – ein gemeinsames Projekt des AOK-Bundesverbands und des Deutschen Krebsforschungszentrums. Im Fokus stehen die Tabak-, Alkohol- und Ernährungspolitik sowie die Bewegungsförderung. Die Ergebnisse zeigen, wo wir im europäischen Vergleich stehen.

Leider ergibt sich für Deutschland ein ernüchterndes Bild: Mit einem Wert von 36,9 Punkten belegen wir im Gesamtranking lediglich den vorletzten Platz. Das Vereinigte Königreich steht mit 72,4 Punkten an der Spitze, es folgen Finnland (67,1) und Irland (65,4). Österreich und Luxemburg liegen mit jeweils 38,1 Punkten knapp vor Deutschland, die Schweiz (32,4) ist Schlusslicht.

Blicken wir näher auf Deutschland und beginnen mit der Tabakpolitik. Auch hier belegen wir den vorletzten Rang. Die Tabaksteuer liegt derzeit unter dem von der WHO empfohlenen Niveau. Bei den Regelungen für rauchfreie Umgebungen besteht ebenfalls Nachholbedarf. So ist das Rauchen im Auto in Anwesenheit von Kindern bei uns weiterhin erlaubt. Hinzu kommt die Werbung am Verkaufsort.

Beim Thema Alkohol sind wir sogar Schlusslicht. Die Gründe: Die Alkoholsteuern werden gegenwärtig als deutlich zu niedrig angesehen. Gleichzeitig sind alkoholische Getränke in Deutschland nahezu überall und jederzeit verfügbar. Hinzu kommt eine allgegenwärtige Werbung, die den Konsum zusätzlich begünstigt. Und die geplante Erhöhung der Alkoholsteuer ab 2027 fällt nach aktuellem Stand deutlich geringer aus als von der FinanzKommission Gesundheit empfohlen. Sie soll zudem nur einmalig erfolgen, statt die Steuer in größeren Schritten anzuheben. Positiv ist, dass das sogenannte „begleitete Trinken“ ab 14 Jahren abgeschafft werden soll.

Auch bei der Ernährungspolitik hat Deutschland leider nur wenig vorzuweisen und belegt gemeinsam mit Luxemburg, Österreich und der Schweiz den letzten Rang. Verbindliche Mindeststandards für Schulessen fehlen ebenso wie eine gesundheitsorientierte Besteuerung. Gleichzeitig ist Werbung für eindeutig ungesunde Lebensmittel gegenüber Kindern weiterhin möglich. Bisher setzt Deutschland vor allem auf freiwillige Maßnahmen – etwa zur Zuckerreduzierung oder die Empfehlung des Nutri-Scores.

Am besten schneiden wir bei der Bewegungsförderung ab. Hier landet Deutschland auf Rang zehn von 18. Die Hintergründe dazu: Radwege, Sportvereine und Firmenläufe sind zwar vielerorts etabliert, aber längst nicht überall selbstverständlich. Vor allem bei den sogenannten bewegungsfreundlichen Lebenswelten vor Ort gibt es noch erheblichen Nachholbedarf. Sichere Rad- und Fußwege sowie attraktive Möglichkeiten, Bewegung unkompliziert in den Alltag zu integrieren, sind oft noch ausbaufähig.

Wir halten fest: Deutschland hat rund um den Gesundheitsschutz noch viel Luft nach oben. Wir müssen dabei aber nicht auf politische Entscheidungen warten und haben es weitestgehend selbst in der Hand. Jeder Einzelne kann in Sachen Prävention aktiv werden – Gleiches gilt für Unternehmen und Kommunen. Die AOK ist auf dem Weg zu einem gesundheitsbewussten Lebensstil gerne behilflich.