1. Startseite
  2. Lokales
  3. Wirtschaft
Logo

Wirtschaftsförderung Ludwigsburg
Wirtschaftskolumne: Ludwigsburg zwischen Herausforderung und Aufbruch

Frank Steinert.
Frank Steinert. Foto: Wirtschaftsförderung
Die Wirtschaft im Kreis ist im Umbruch. Auch dank zielgerichteter Hilfen für Gründer und der Vernetzung von Unternehmern kann der Wandel gelingen.

Leiter der Wirtschaftsförderung der Stadt Ludwigsburg

Wenn ich auf den Wirtschaftsstandort Ludwigsburg blicke, sehe ich zunächst einen Standort mit sehr guten Voraussetzungen und gleichzeitig einen Standort, der sich gerade in einer Phase tiefgreifender Veränderungen befindet. Ludwigsburg gehört zu den wirtschaftlich bedeutenden Mittelstädten in der Region Stuttgart. Unsere zentrale Lage, die gute Verkehrsanbindung und vor allem unsere vielfältige Unternehmenslandschaft sind große Standortvorteile.

Was mir dabei besonders wichtig ist: Ludwigsburg ist wirtschaftlich breit aufgestellt. Wir haben einen starken Dienstleistungssektor, traditionsreiche Unternehmen aus Maschinenbau und Zulieferindustrie sowie eine überdurchschnittlich starke Tech-, Film- und Kreativwirtschaft. Gleichzeitig entwickeln sich neue Felder wie Medizintechnik oder Defence. Diese Mischung ist eine unserer größten Stärken. Sie sorgt dafür, dass wir nicht von einer einzigen Branche abhängig sind und macht unseren Standort widerstandsfähiger gegenüber einzelnen Krisen.

Gleichzeitig erleben wir gerade bei unseren Industrieunternehmen einen tiefgreifenden Wandel. Maschinenbau und Zulieferindustrie sind zentrale Pfeiler unserer regionalen Wertschöpfung. Und genau diese Branchen stehen derzeit besonders unter Druck. Elektromobilität, Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Robotik verändern Geschäftsmodelle, Produktionsprozesse und Wertschöpfungsketten. Viele Unternehmen müssen sich neu ausrichten, Investitionen anders priorisieren und teilweise auch Beschäftigung abbauen oder neu strukturieren.

Hinzu kommen geopolitische Unsicherheiten und Kostenstrukturen, die es unseren Unternehmen im internationalen und europäischen Wettbewerb zunehmend schwer machen. Als Wirtschaftsförderer erlebe ich diese Veränderungen nicht nur anhand von Statistiken. Ich spreche regelmäßig mit Unternehmerinnen und Unternehmern und bekomme unmittelbar mit, wie groß der Anpassungsdruck inzwischen ist – aber auch, wie viel Innovationskraft und Veränderungsbereitschaft in unseren Unternehmen steckt.

Auch die Entwicklung am Arbeitsmarkt zeigt, dass wir es nicht nur mit einem vorübergehenden konjunkturellen Dämpfer zu tun haben. Zu Beginn des Jahres 2026 ist die Arbeitslosenquote im Landkreis Ludwigsburg von 4,2 auf 4,5 Prozent gestiegen. Gleichzeitig ist die Zahl der gemeldeten offenen Stellen deutlich zurückgegangen. Dass nahezu alle Personengruppen betroffen waren, deutet für mich darauf hin, dass sich die aktuelle Situation nicht auf einzelne Branchen oder Berufsgruppen beschränkt. Die wirtschaftliche Unsicherheit ist breiter geworden.

Ein Thema, das wir in Ludwigsburg unmittelbar vor Ort spüren, ist außerdem der Wandel unserer Innenstädte. Der Onlinehandel, veränderte Einkaufsgewohnheiten und eine insgesamt zurückhaltendere Konsumstimmung setzen den stationären Einzelhandel seit Jahren unter Druck. Leerstehende Ladenlokale sind deshalb auch in Ludwigsburg ein sichtbares Thema.

Dabei geht es für mich bei Leerständen um mehr als um einzelne freie Verkaufsflächen. Eine attraktive Innenstadt lebt von Vielfalt, Frequenz und Begegnung. Wenn sich Leerstände verfestigen, kann das die gesamte Aufenthaltsqualität beeinflussen. Deshalb wollen wir als Wirtschaftsförderung dort ansetzen, wo wir tatsächlich etwas bewegen können. Ein wichtiges Instrument ist unser aktives Leerstandsmanagement. Wir behalten die Situation in der Innenstadt im Blick, erfassen bestehende und drohende Leerstände und stehen im regelmäßigen Austausch mit Eigentümerinnen und Eigentümern sowie Vermieterinnen und Vermietern. Unser Ziel ist klar: Wir wollen leerstehende Flächen möglichst schnell wieder mit Leben füllen und gleichzeitig auf einen attraktiven und zukunftsfähigen Branchenmix achten.

Das ist allerdings keine einfache Aufgabe. Dem vorhandenen Flächenangebot steht derzeit eine vergleichsweise geringe Nachfrage nach geeigneten, qualitätvollen Gewerbeflächen gegenüber. Umso wichtiger ist es, Kontakte herzustellen, Möglichkeiten auszuloten und gemeinsam mit Eigentümern und potenziellen Nutzern Lösungen zu entwickeln. Wir können dabei nicht jeden Leerstand verhindern oder beseitigen, aber wir können aktiv daran arbeiten, dass aus einzelnen Leerständen kein strukturelles Problem wird.

Genau darin sehe ich grundsätzlich die Rolle unserer Wirtschaftsförderung: Wir wollen Ansprechpartner sein, zuhören, Kontakte herstellen, Türen öffnen und dort konkrete Unterstützung anbieten, wo sie gebraucht wird.

Mit unserem neuen Sitz – gemeinsam mit Tourismus & Events – in der Mathildenstraße, sind wir noch stärker als zentrale Anlaufstelle für Unternehmerinnen und Unternehmer, Gründerinnen und Gründer, Start-ups, Handwerksbetriebe, Kreativschaffende und Unternehmen positioniert, die sich für Ludwigsburg als Standort interessieren. Wirtschaftsförderung funktioniert aus meiner Sicht vor allem dann gut, wenn sie nah an den Menschen und Unternehmen ist und deren konkrete Herausforderungen kennt.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt deshalb auf Gründung und Innovation. Ludwigsburg ist als gründungsfreundliche Kommune vom Land ausgezeichnet worden, und wir setzen unser Konzept „Ludwigsburg gründungsfreundlich“ kontinuierlich weiter um. Gerade in einer Zeit, in der sich etablierte Geschäftsmodelle verändern, brauchen wir Menschen, die neue Ideen entwickeln, Unternehmen gründen und neue Technologien und Geschäftsmodelle auf den Markt bringen.

Wie lebendig unsere Gründerszene ist, zeigt beispielsweise unser „Start-up Monday“. Hier treffen junge Unternehmen, Kreativschaffende, etablierte Unternehmen und Interessierte aufeinander. Es werden Ideen und Produkte vorgestellt, Kontakte geknüpft und Kooperationen angestoßen. Der Zuspruch zu diesen Formaten zeigt immer wieder, wie groß der Bedarf an Austausch und Vernetzung in Ludwigsburg ist.

Besonders freue ich mich über das Projekt „LIZZY“ im Ludwigsburg Industriezentrum, kurz LIZ. Damit wollen wir jungen Unternehmen aus Zukunftstechnologien Räume bieten, die über klassische Büroflächen hinausgehen. Start-ups brauchen gerade in der Wachstumsphase häufig nicht nur einen Schreibtisch, sondern Produktionsmöglichkeiten, Labore, Werkstätten oder Lagerflächen. Genau hier setzt LIZZY an. Wir schaffen damit Voraussetzungen dafür, dass innovative Unternehmen in Ludwigsburg nicht nur gründen, sondern auch wachsen können.

Wirtschaftsförderung bedeutet für mich aber auch, den Wirtschaftsstandort sichtbar zu machen und Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen. Gemeinsam mit der Ludwigsburger Kreiszeitung und den Stadtwerken Ludwigsburg-Kornwestheim haben wir deshalb den Podcast „LBusiness“ ins Leben gerufen. Dort sprechen Vertreterinnen und Vertreter etablierter Unternehmen, Start-ups und der Stadtverwaltung über Wirtschaft, Innovation und Zukunftsthemen in Ludwigsburg. Damit wollen wir zeigen, was sich bei uns bewegt und welche Menschen hinter den Unternehmen und Projekten stehen.

Wenn ich die aktuelle Situation zusammenfasse, sehe ich deshalb keinen Wirtschaftsstandort in der Krise, sondern einen Wirtschaftsstandort in einer anspruchsvollen Transformationsphase. Ludwigsburg ist wirtschaftlich robust und diversifiziert aufgestellt. Gleichzeitig treffen uns die Veränderungen in der Automobil- und Zulieferindustrie, die Eintrübung am Arbeitsmarkt und der Strukturwandel im Einzelhandel sehr konkret.

Wir können diese Entwicklungen als Stadt nicht vollständig beeinflussen. Aber wir können entscheiden, wie wir damit umgehen.

Für mich bedeutet das: Wir müssen aktiv sein, zuhören, Netzwerke stärken, Innovation ermöglichen und konkrete Projekte auf den Weg bringen. Dazu gehören unser Leerstandsmanagement, die Gründungsförderung, neue Flächenkonzepte wie LIZZY, Veranstaltungen und Vernetzungsformate ebenso wie die enge Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung auf Kreis- und Regionsebene.

Natürlich können wir heute nicht garantieren, dass diese Maßnahmen alle strukturellen Herausforderungen der kommenden Jahre auffangen werden. Aber wir können dafür sorgen, dass wir sie nicht einfach auf uns zukommen lassen.

Mein Anspruch an die Wirtschaftsförderung ist deshalb, Ludwigsburg gemeinsam mit den Unternehmen weiterzuentwickeln – pragmatisch, verlässlich und mit dem Blick nach vorne. Denn trotz aller Herausforderungen bin ich überzeugt: In Ludwigsburg steckt sehr viel Potenzial. Und gerade in Zeiten des Wandels entstehen auch neue Chancen.