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Gastkolumne Wirtschafts-News
Wohnimmobilienmarkt zieht wieder an

Jochen Dörner.
Jochen Dörner. Foto: Yakup Zeyrek Kornwestheim
Wohnungen sind wieder stärker gefragt, stellt Jochen Dörner, Geschäftsführer von Wüstenrot Immobilien, fest. Bleibt das schwierige Thema Sanierungen.

Kreis Ludwigsburg. Geschäftsführer der Wüstenrot Immobilien GmbH

Wohneigentum hat sich in der Immobilienkrise der letzten zwei Jahre behauptet – wie schon bei früheren Krisen, etwa dem Crash am Neuen Markt während der Jahrtausendwende oder bei der Lehmann-Bankenkrise nach 2008. Dabei haben Aktionärinnen und Aktionäre, Anlegerinnen und Anleger viel Geld verloren. Bei Wohneigentum kam es dagegen schon bald nach der Lehmann-Pleite zu einem langen und bis dahin beispiellosen Aufschwung mit hohen Wertsteigerungen quer durch alle Gebäudealtersklassen.

2024 hat der 2022 begonnene Abschwung bei Kaufabschlüssen und Preisen, hervorgerufen durch die Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB), nach nicht einmal zwei Jahren schnell wieder nachgelassen: Die Abschlüsse steigen wieder. So ist etwa bei unserem Unternehmen, der Wüstenrot Immobilien GmbH (WI), der Vermittlungsumsatz im vergangenen Jahr um mehr als ein Viertel gestiegen.

Bei der WI-Verkaufsleitung Ludwigsburg haben 2024 besonders Eigentumswohnungen getoppt. Hier haben sich die Vermittlungen mehr als verdoppelt. Am stärksten gefragt waren Wohnungen im Preisbereich um 300.000 Euro. Kaufinteressenten mit begrenztem Finanzierungsbudget haben häufig Abstand vom Einfamilienhaus genommen und sich für eine familiengerechte Eigentumswohnung entschieden. Angeregt durch die hohe Wohnungsnachfrage und steigende Mieten kehrten auch die Kapitalanlegerinnen und -anleger zurück. Bei älteren Einfamilienhäusern ist der Preisdruck nach wie vor hoch. Gründe sind die in der Kaufpreisvorstellung enthaltenen hohen Bodenwerte und große Investitionen in die Gebäudemodernisierung, die Kaufinteressenten und ihre Banken bei der Finanzierungsfrage abschrecken.

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Aber was ist mit den anderen wichtigen Themen, die Eigentümerinnen und Eigentümer umtreiben, wie die Klimapolitik fürs Wohnen und eine verlässliche Förderkulisse bei der energetischen Gebäudemodernisierung? „Like a rolling stone“, möchte man in Anlehnung an den alten Song von Bob Dylan meinen. „No direction home“ heißt es da weiter im Song, übersetzt mit „staatlicherseits noch kein Weg als Impuls für kräftige private Investitionen gefunden“. Im Gegenteil, die energetische Sanierung stagniert. Die Eigentümerinnen und Eigentümer warten auf verlässliche und angemessene staatliche Förderungen. Das sogenannte Heizungsgesetz ist zum Reizwort geworden.

In diesem Jahr ist kein Durchbruch zu erwarten. Bis nach der Bundestagswahl eine neue Regierung gebildet ist und der Haushalt 2025 steht, vergeht Zeit. Wahrscheinlich werden die klimapolitischen Maßnahmen nicht vor Herbst verabschiedet sein. Ob es vom Staat mehr Geld gibt als bisher, ist offen. Sicher ist nur, dass die Sanierungskosten weiter steigen. Bringt deshalb das Vor-sich-Herschieben dringend notwendiger Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen den Eigentümerinnen und Eigentümern wirklich etwas oder schadet es am Ende nur? Sicher geht eine Komplettsanierung alter Gebäude ins Geld. Das hängt aber nicht nur mit den klimapolitischen Auflagen wie den Dämmmaßnahmen und umweltfreundlichen Heizsystemen zusammen, sondern spiegelt auch die oftmals über lange Zeit vernachlässigte Instandhaltung und Erneuerung bis heute wider.

Als Lösung für betroffene Eigentümerinnen und Eigentümer bieten sich schrittweise Modernisierungsmaßnahmen an, wie zum Beispiel der Fenstertausch oder eine energetische Ertüchtigung des Daches. Das ist finanziell eher leistbar als eine Komplettsanierung. Jede energetische Maßnahme trägt zur Verbesserung der Energieeffizienz und des Immobilienwertes bei. Weiteres Aussitzen wirkt sich dagegen fortgesetzt negativ auf den Immobilienwert aus.