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Schienennetz
Bahn setzt Expertenkommission für mehr Pünktlichkeit ein

ICE rollt nahe des Bahnhofs Schönhausen an Gleisbauteilen vorbei
Die Deutsche Bahn saniert auf Rekordniveau - doch Fahrgäste merken davon bisher wenig. (Archivbild) Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
Die Bahn ist so unpünktlich wie nie - das liegt am maroden und überlasteten Netz. Eine Expertenkommission soll nun nach Lösungen suchen. Dabei könnte es auch um eine Reduzierung des Angebots gehen.

Berlin. Eine von der Bahn einberufene Expertenkommission soll untersuchen, wie die Züge trotz des überalterten und überlasteten Schienennetzes schnell wieder pünktlicher werden. Ein möglicher Baustein dafür könnte auch weniger Verkehr auf der Schiene sein, wie der einstige Bahnbeauftragte der Bundesregierung, Enak Ferlemann, dem «Tagesspiegel» sagte: «Ein Beispiel könnte sein, dass zwischen Berlin und Hamburg nur noch einmal pro Stunde ein Fernzug fährt statt alle 30 Minuten, die Züge dafür aber zuverlässig unterwegs sind.» 

Ferlemann ist Mitglied im Aufsichtsrat der für die Infrastruktur zuständigen Bahntochter DB InfraGo, die die Expertenkommission einberufen hat. Er soll außerdem der Kommission angehören. Das geht aus Informationen der InfraGo für den Verkehrsausschuss im Bundestag hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen. Zuvor hatte der «Tagesspiegel» darüber berichtet. 

Gremium «Robuster Fahrplan» startet am 3. November

Das Gremium mit dem Namen «Robuster Fahrplan» soll demnach am 3. November die Arbeit in Berlin aufnehmen. «Die Experten werden bei mehreren Terminen mit viel Erfahrung und aus vielen Blickwinkeln ergebnisoffen diskutieren. Vorschläge für mehr Verlässlichkeit auf der Schiene sollen im neuen Jahr vorliegen», teilte ein Bahnsprecher mit. «Die Ergebnisse werden zusammen mit Politik, Ländern und Branche gemeinsam bewertet.»

Die hohe Unpünktlichkeit bei der Bahn geht vor allem auf die schlechte Infrastruktur zurück. Hinzu kommt eine Überlastung vor allem in den Verkehrsknoten. «Hinzu kommt: Im Jahr 2025 verkehrten mehr als zehn Prozent der Züge auf Strecken mit einer Auslastung von über 115 Prozent», heißt es in den Informationen für den Verkehrsausschuss. «In der Folge wächst der Stau auf deutschen Schienen immer weiter an. In den vergangenen zehn Jahren haben die Stau-Verspätungen um 150 Prozent zugenommen.» 

Baugeschehen und Unpünktlichkeit auf Rekordniveau

Die Bahn saniert und baut derzeit auf Rekordniveau, um das Schienennetz langfristig wieder fit zu machen. Fahrgäste merken davon bislang wenig. Im laufenden Jahr war in den meisten Monaten nahezu jeder zweite Fernzug unpünktlich. Geht es so weiter, dürfte am Ende des Jahres ein Negativ-Rekord bei der Pünktlichkeit stehen. Schon im vergangenen Jahr kamen lediglich 60 Prozent aller Fernzüge ohne größere Verzögerung ans Ziel. 

Die Expertenkommission soll nun nach Lösungen suchen, «um bereits während der anstehenden Jahre intensiver Bautätigkeit einen stabileren und verlässlicheren Bahnbetrieb zu ermöglichen», wie es in den Informationen weiter heißt. Unterstützung bekommt das Gremium den Angaben zufolge von dem auf Fahrpläne spezialisierten Schweizer Unternehmen SMA und Partner. 

Branche reagiert kritisch

Aus der Branche kam Kritik an dem Vorstoß, insbesondere mit Blick auf eine mögliche Angebotsreduzierung. «Weniger Züge fahren zu lassen, bedeutet vollere Züge und nicht automatisch pünktlichere Züge», teilte der Geschäftsführer des Lobbyverbands Allianz pro Schiene, Dirk Flege, mit. «Im schlimmsten Fall werden die wenigen Züge noch unpünktlicher, weil sie wegen Überfüllung nicht abfahren können.» Die richtige Lösung sei, mehr Kapazität auf der Schiene zu schaffen. 

Ähnlich äußerte sich der Geschäftsführer des Wettbewerberverbands Die Güterbahnen, Peter Westenberger. «Dem schlichten Denkansatz, pauschal weniger, statt mehr zu fahren, hat die ganze Branche bereits vor einem Jahr in der 'Taskforce zuverlässige Bahn' eine Absage erteilt», teilte er mit.

© dpa-infocom, dpa:261030-930-917737/2