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Von arabisch bis tamilisch

Internationale Katz-und-Maus-Jagd

Viertklässler übersetzen ein Gedicht von Josef Guggenmos in 13 verschiedene Sprachen – Als Schattenspiel in Szene gesetzt

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KORNWESTHEIM. Was heißt „Gleich hab ich dich!“ auf Kroatisch oder Portugiesisch? Kein Problem für die Schüler der 4a. Sie haben das Gedicht „Gerettet“ von Josef Guggenmos in 13 Sprachen übersetzt und als Schattenspiel aufgeführt.

Wie das geht? Ganz einfach: Allein in der Klasse werden zehn Sprachen gesprochen. Sie in der Schule zu hören, war jedoch für viele eine neue Erfahrung.

„Oh nein, bitte nicht!“, war Elviras erste Reaktion, als sie erfuhr, dass das Katz-und- Maus-Gedicht ins Albanische übersetzt werden sollte. So wie Elvira ging es vielen in der Klasse: Plötzlich stand die Sprache, die 14 der 24 Schüler sonst nur mit der Familie oder unter Freunden sprechen, in der Schule im Rampenlicht. Gedanken, die den mehrsprachigen Schülern dabei durch den Kopf gingen, hat die Klassenlehrerin Andrea Thormählen aufgeschrieben:

Mahmoud: Ich war überrascht, aber auch glücklich, dass ich meinen Freunden meine Sprache vorstellen kann.

Semira: Ich dachte, dass die anderen Kinder über meine Sprache lachen.

Devin: Wie soll ich das schaffen? Ich hatte ein bisschen Panik.

André: Ich habe mich gefragt, wie ich das machen soll.

Überraschung, Neugier und Skepsis auch bei den einsprachig deutschen Schülern:

Hannah: Als erstes habe ich gedacht, dass das gar nicht funktioniert, weil man ja gar kein Wort versteht.

Liina: Wie soll das gehen! Ich spreche ja keine zweite Sprache.

Tim: Mein erster Gedanke war: „Cool, ich werde eine andere Sprache kennenler-nen.“

Als die Schüler erfuhren, dass Eltern, Geschwister oder Großeltern beim Übersetzen helfen durften, stellte sich schnell der Spaß ein.

Gemeinsam wurde gefeilt und auch das Internet befragt. Denn wie in aller Welt übersetzt man das Wort „Trumm“? Am nächsten Schultag wurde das Guggenmos-Gedicht in der Klasse vorgelesen: auf Albanisch, Arabisch, Griechisch, Italienisch, Kroatisch, Portugiesisch, Rumänisch, Tamilisch und Türkisch. Diese neun Sprachen werden in der Klasse gesprochen. Doch auch englische, französische, norwegische und sogar lateinische Fassungen waren dabei.

Der nächste Schritt kostete erneut Überwindung: Jedes mehrsprachige Kind wurde nun zum Experten und Sprachlehrer für die einsprachig deutschen Kinder.

In acht Sprachgruppen wurde das Gedicht für eine Schattentheater-Aufführung vorbereitet, parallel dazu entstanden Schattenfiguren im Kunstunterricht.

Einige Schülermeinungen aus der Sprachlernwerkstatt:

Lukas: Es war sehr einfach, Türkisch zu lernen, denn Burak und Devin haben es mir immer wieder vorgesprochen.

Simon: Es war zuerst blöd, Tamilisch zu sprechen, aber dann wurde es doch gut und machte sogar ein bisschen Spaß.

Maren: Es war lustig, Italienisch zu sprechen und hat sehr viel Spaß gemacht.

Sebastian: Ich habe gespannt zugehört und musste immer wieder lachen, weil sich zuerst Vieles witzig anhört.

Egal ob ein- oder mehrsprachig: Alle Schüler der 4a sind mutig über ihre Schatten gesprungen und haben das Gedicht beim Schulfest in neun Sprachen aufgeführt. Sehr zur Freude der anderen Klassen: „Das ist ja meine Sprache!“, flüsterte eine Zweitklässlerin begeistert bei der Katz-und-Maus-Jagd auf Tamilisch.