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Schwachstelle Mensch
Wirtschaftskriminalität: Falsche Chefs auf dem Vormarsch

Betrüger posieren als Führungskräfte
Achtung, falscher Vorgesetzter am Telefon. Nach Angaben von Allianz Trade häufen sich die Betrugsfälle, in denen die Täter als Spitzenmanager auftreten. (Symbolbild) Foto: Julian Stratenschulte
Der technische Schutz gegen Hackerangriffe wird immer besser. Daher zielen Kriminelle vermehrt auf menschliche Schwachstellen: Sie posieren als Chefs. Die Zahl der Fälle nimmt laut Allianz rasant zu.

Hamburg. Als Firmenchefs und Führungskräfte posierende Hacker richten in Unternehmen wachsende Schäden an. Nach einer Analyse des Kreditversicherers Allianz Trade verlegen sich die Täter wegen des verbesserten technischen Schutzes gegen Cyberattacken zunehmend auf «Social Engineering»: Dabei nehmen sie die Rolle von Spitzenmanagern ein und bringen Mitarbeiter dazu, ihnen hohe Summen zu überweisen. 

2025 sei die Schadensumme um 80 Prozent gestiegen, 2024 habe es sogar eine Verdreifachung gegeben, sagte Marie-Christine Kragh, die Leiterin der Vertrauensschadenversicherung bei Allianz Trade in Hamburg. Der Durchschnittsschaden liegt demnach im einstelligen Millionenbereich. Absolute Zahlen zur Höhe der Schäden nannte die Managerin nicht. 

KI hilft Tätern beim Schauspielern

Künstliche Intelligenz (KI) erleichtert es den Tätern demnach, in der Rolle als falscher Chef glaubwürdig aufzutreten - angefangen von E-Mails, die keine sprachlichen und grammatischen Fehler mehr enthalten, bis zu täuschend echt imitierten Stimmen bei Telefonanrufen. Teilweise reichten neunzig Sekunden einer echten Tonaufnahme, um eine mit dem Original zu 80 Prozent übereinstimmende Stimme zu schaffen, sagte IT-Sicherheitsexperte Dirk Koch, Partner bei der Rechtsanwaltskanzlei ByteLaw. Am einfachsten haben es die Täter demnach, wenn im Unternehmen Englisch gesprochen wird. «Im Deutschen ist es immer ein bisschen schwieriger, weil die Modelle einfach noch nicht so gut sind und nicht so weit verbreitet sind», sagte Koch. 

Schwachstelle Mensch

Ein Grund für das gehäufte Auftreten falscher Vorgesetzter ist laut Alianz Trade, dass viele Unternehmen technisch aufgerüstet haben, um ihre IT-Systeme vor Hackerangriffen zu schützen. «Wir sehen weiter ein gewisses Katz-Maus-Spiel», sagte Kragh. «Die Angreifer rüsten auf, professionalisieren ihre Strategien, nutzen neue Techniken, und Unternehmen arbeiten und verbessern ihre Abwehrmechanismen.» 

Angreifer nutzen psychologische Mechanismen

Als Chefs auftretende Täter nutzen nach Worten Kraghs häufig eine Kombination aus Druck auf die Mitarbeiter, kombiniert mit Lob und der Behauptung, die Zahlung sei dringlich. «Da sollten alle Alarmglocken schrillen, wenn diese drei Dinge zusammenkommen: Zeitdruck, emotionales Triggering und die Aufforderung, vom Standard abzuweichen», sagte die Managerin. 

Allianz Trade ist eine Tochter des Münchner Dax-Konzerns, zum Geschäft zählt neben der Kreditversicherung die Absicherung gegen Betrug und politische Risiken. Das Unternehmen erwirtschaftete 2024 mit gut 5.800 Mitarbeitern 3,8 Milliarden Euro Umsatz.

© dpa-infocom, dpa:260120-930-570905/1