Ludwigsburg | 14. September 2018

Keine Kaufmänner mehr beim TTC

Annett und Alexandra Kaufmann gehen nicht mehr für Bietigheim an die Platte

Nicht mehr für den TTC aktiv: Annett (l.) und Alexandra Kaufmann.Foto: bm
Nicht mehr für den TTC aktiv: Annett (l.) und Alexandra Kaufmann.Foto: bm

Als ein „Horrorwochenende“ bezeichnet Yasmin Dietrich das, was auf sie und die anderen Tischtennisspielerinnen des TTC Bietigheim-Bissingen zukommt. Durch ein überraschendes Zerwürfnis mit den Spielerinnen Annett und Alexandra Kaufmann herrscht Chaos beim TTC. Zunächst trifft die Frauen-Drittligamannschaft morgen in zwei Spielen auswärts auf den BSC Rapid Chemnitz (14 Uhr gegen die zweite Mannschaft, 18.30 Uhr gegen die erste Mannschaft). Wegen der dünnen Personaldecke helfen aus der zweiten Mannschaft Natalia Mozler, Paloma Ballmann, Yasmin Dietrich und Yvonne Wagner aus, müssen allerdings am nächsten Tag um 10.30 Uhr im mehr als fünf Stunden von Chemnitz entfernten Schönmünzach erneut ran.

Dass es zu dieser Personalsituation gekommen ist, ist einer „Schocknachricht“ zu verdanken, wie die Bietigheimer in einer Pressemitteilung verlauten ließen: Annett (12 Jahre alt) und Alexandra Kaufmann (16) werden künftig nicht mehr für den TTC an der Platte stehen. Damit verlieren die Bietigheimer gerade mit Annett das größte Talent des Vereins und mit Alexandra eine etablierte Spielerin. Über die Hintergründe hüllen sich indes alle Beteiligten in Schweigen. „Ich möchte nicht nachtreten“, sagt TTC-Vorstand Matthias Grünenwald auf Nachfrage.

Grünenwald ist enttäuscht

Laut Vereinsmitteilung ist der Trennung ein Vorfall im Dezember 2017 vorangegangen. Es folgte ein „halbjähriger Spießrutenlauf“, wie der Verein mitteilt, ehe sich die Kaufmänner doch anders entschieden. „Alles war klar, wir hatten noch vor der deutschen Meisterschaft ein klärendes Gespräch und ein für beide Seiten akzeptables Miteinander schien vereinbart“, schildert Grünenwald über die U 18-Meisterschaft Ende Juni. Fünf Tage später soll es allerdings zum Bruch gekommen sein. „So ein Ende ist der Horror für jeden, der sich in diesem Verein in irgendeiner Form einbringt“, ist Grünenwald enttäuscht.

Auch Anna Kaufmann, die Mutter der Kaufmann-Schwestern, möchte nichts dazu sagen. „Wegen Meinungsverschiedenheiten“ gehe man getrennte Wege, teilt sie schriftlich mit. „Aber die Kinder hören deshalb nicht mit dem Tischtennis auf.“

Nichtsdestotrotz sind sowohl Alexandra als auch Annett bis Juli 2019 nicht für einen anderen Verein spielberechtigt – zumindest bezogen auf den Mannschaftssport, wie Sönke Geil, Landestrainer und Sportdirektor des Baden-Württembergischen Tischtennisverbandes (TTBW) erklärt. „Den Verein könnten sie aber wechseln, dann würde bei Einzelstarts der Name vom neuen Verein genannt werden“, sagt Geil weiter. Auch er kann nichts über die genauen Hintergründe der Trennung sagen, ist aber zuversichtlich, dass gerade die 12-jährige Annett nicht unter der neuen Situation leiden wird. „Sie hatte durch die Verbindung von Mannschafts- und Einzelwettbewerben sowieso viel zu viele Wettkämpfe, weil sie aufgrund ihrer Spielstärke auch in höheren Klassen spielen kann.“ Für sie sei das Training viel wichtiger. „Ein bisschen anders sieht das bei ihrer größeren Schwester aus, die nicht in so vielen Einzelwettbewerben spielen kann.“

Womöglich leidet also Alexandra unter der Trennung der beiden Parteien. Ganz besonders aber der TTC Bietigheim-Bissingen. Der Club steht vor einer „ganz, ganz schweren Saison“, so Grünenwald. Gut möglich, dass das kommende nicht das letzte „Horrorwochenende“, wie Dietrich es nannte, sein wird.

Philipp Böhl
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