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Basketball-Bundesliga

Alba Berlin beendet eine starke Saison der MHP-Riesen

Die Saison der MHP-Riesen Ludwigsburg endet im Play-off-Halbfinale der Basketball-Bundesliga mit einer 67:73-Niederlage gegen Alba Berlin. Dennoch erleben die Fans in der MHP-Arena nach Spielende eine stimmungsvolle Premiere.

Zurück im Team: Justin Simon (links) drückt dem Spiel seinen Stempel auf. Foto: Baumann
Zurück im Team: Justin Simon (links) drückt dem Spiel seinen Stempel auf. Foto: Baumann

Ludwigsburg. Seit neun Jahren ist John Patrick Trainer bei den MHP-Riesen Ludwigsburg. Wer geglaubt hat, dass der Coach nach all den erfolgreichen Saisons beim Basketball-Bundesligisten nicht mehr für eine Überraschung gut sei, der wurde am Freitagabend eines Besseren belehrt. Denn nach der 67:73-Niederlage gegen Alba Berlin ließ sich der 54-Jährige tatsächlich überreden, zum Abschluss der Spielzeit eine „Humba“ in der MHP-Arena anzustimmen. Und so schnappte er sich, etwas widerwillig, das Stadionmikro und sorgte für Stimmung in der Ludwigsburger Halle –, obwohl sein Team zuvor mit der dritten Niederlage im dritten Halbfinalspiel gegen Titelverteidiger Alba aus den Play-offs ausgeschieden war und somit diese Saison für den Bundesligisten endete. „Das würde ich normalerweise nicht machen“, sagte Patrick vor Beginn der Pressekonferenz mit einem Lachen über seine Premiere als Stimmungsmacher.

Kein normales Spiel vor 3800 Zuschauern

Normal war dieses Spiel ohnehin nicht. Schon vor Beginn hatte sich in den letzten Wochen angedeutet, dass der Erfolgscoach den Verein verlassen könnte. Eine endgültige Entscheidung sei weiterhin nicht gefallen, so Patrick.

Gegen die Berliner wehrte sich sein Team am Freitag von Beginn an vehement gegen das vorzeitige Ende der Saison und womöglich auch der Ära Patrick. Schon die Präsenz von Justin Simon, der nach Atemproblemen in den ersten beiden Spielen der Serie in den Kader zurückgekehrt war, machte sich bemerkbar. Erst ein 8:0-Lauf der Gäste zwang Patrick beim Stand von 7:10 zu seiner ersten Auszeit. Danach fingen sich die Riesen. Jonas Wohlfarth-Bottermann pflückte im ersten Viertel sechs Rebounds und machte bisher bekannte Schwächen der Riesen aus den ersten Partien gegen Berlin vergessen. Auf der anderen Seite wollte aber Ludwigsburgs Dreier nicht fallen. Alle sieben Versuche aus der Distanz verfehlten den Berliner Korb. Besser machte das Albas Jonas Mattisseck: Zwei Dreier zum Viertelende stellten ein 16:15 für die Gäste her.

Dominante Berliner ziehen davon

Das Spiel blieb umkämpft. Johannes Patrick ließ den Dreier-Knoten nach 16 gespielten Minuten zur 30:28-Führung der Riesen endlich platzen. Diesen Zwei-Punkte-Vorsprung retteten die Ludwigsburger auch in die Kabine (37:35).

Im dritten Abschnitt entglitt den Riesen allerdings das Spiel. Dominante Berliner erarbeiteten sich Offensivrebound um Offensivrebound. Zudem trafen die Gäste nun auch noch aus der Ferne. So wurde aus einer 41:35-Führung durch einen Berliner 22:4-Lauf ein 45:57-Rückstand. „Kämpfen und siegen“, feuerten die Ludwigsburger Fans ihre Spieler beim 49:60 vor dem Schlussabschnitt an.

Und die Gelb-Schwarzen gehorchten. Zwar taten sie sich weiter schwer, offensiv einen Rhythmus zu finden, doch mit großem Engagement arbeiteten sich die Ludwigsburger zurück. Nach einem Dreier von James Woodard waren die Riesen sogar auf vier Punkte dran (65:69). So laut wie nun in der mit 3800 Zuschauern ausverkauften MHP-Arena „Defense, Defense“ von den Rängen hallte, war es in den zweieinhalb Jahren seit Beginn der Coronapandemie nicht gewesen. Sichtlich verunsichert schwächelten die Berliner nun.

Tremmell Darden macht vielleicht weiter

Daraus konnten die Riesen aber kein Kapital schlagen, weil besonders der Distanzwurf nicht fallen wollte. Näher als auf sechs Punkte kamen die Riesen nicht heran. „Sie waren einen Tick besser“, gab Patrick zu, lobte aber sein Team, das sowohl in der Champions League als auch in der BBL ins Halbfinale eingezogen war, nun aber ohne Titel dasteht. „Es war eine meiner erfolgreichsten Saisons. Wir wollen diese Mannschaft feiern“, sagte Patrick mit Blick auf die Saisonabschlussfeier am Sonntag (15 Uhr) in der Rundsporthalle.

Und als nach Spielende auf der Tribüne die Spieler mit Freunden und Familie beisammensaßen, war einer bereits wieder auf dem Parkett: Tremmell Darden. Der 40-Jährige zeigte sich gewohnt diszipliniert und dehnte sich lange nach Spielende hinter der Bande. Vor den Play-offs habe er zum Karriereende tendiert. „Jetzt stehen die Chancen 60:40 fürs Weitermachen“, kündigte er an. „Es kommt darauf an, wer mir eine Möglichkeit gibt.“

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