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Interview

Alba Berlins Jaleen Smith vor BBL-Spielen gegen die MHP-Riesen: „Serie wird wahrscheinlich die härteste meiner Karriere“

Ex-Riese Jaleen Smith erwartet mit Alba Berlin gegen die Ludwigsburger eine anspruchsvolle BBL-Halbfinalserie

Jaleen Smith steuert für Alba Berlin im Schnitt 10 Punkte in 23 Minuten pro Spiel bei. Foto: Eibner
Jaleen Smith steuert für Alba Berlin im Schnitt 10 Punkte in 23 Minuten pro Spiel bei. Foto: Eibner

Ludwigsburg. Zwei Saisons spielte Jaleen Smith von 2019 bis 2021 für die MHP-Riesen Ludwigsburg, wurde vom Probespieler zur Stammkraft, Fanliebling und schließlich wertvollster Akteur der Basketball-Bundesliga (BBL). Vor dieser Spielzeit wechselte der heute 27 Jahre alte US-Amerikaner zu Alba Berlin – und trifft am Freitag (19 Uhr/Magentasport) im ersten Spiel der Best-of-five-Serie im BBL-Halbfinale auf seinen Ex-Club. Die Serie „wird die härteste meiner bisherigen Karriere werden“, kündigt er im Interview an und spricht über eine schwere Eingewöhnungszeit in der Hauptstadt, Gruppenchats mit Ex-Kollegen und den Traum von der NBA.

Vor einem Jahr haben Sie im Interview mit unserer Zeitung gesagt, dass die Entscheidung, eine zweite Saison in Ludwigsburg zu bleiben, die beste gewesen war, die Sie hätten treffen können. Wie ordnen Sie Ihren Schritt nach Berlin ein?

Jaleen Smith: Ich weiß noch, dass ich das damals gesagt habe. In Ludwigsburg zu bleiben, war eine tolle Entscheidung. Genau so gut war es nun, nach Berlin zu gehen.

Wieso haben Sie sich so entschieden?

Ich war auch in Verhandlungen mit Zalgiris Kaunas, aber ich habe so viel Gutes über Berlin gehört und wollte Teil davon sein. Die Stadt hier ist toll, alles ist multikulturell. Dazu spielen wir Euroleague.

Als Sie sich für eine weitere Saison in Ludwigsburg entschieden haben, sagten Sie, das habe auch an Ihrer Führungsrolle im Team der Riesen gelegen. Welchen Platz nehmen Sie nun in Berlin ein?

Das war auf jeden Fall ein Lernprozess. In Ludwigsburg war ich der Go-to-Guy, in Berlin habe ich den Ball nicht so oft in den eigenen Händen. Das übernehmen eher Spieler wie Maodo Lo oder Luke Sikma.

Sie spielen auch nicht mehr 40 Minuten in einem Spiel. Stört Sie das?

So sehr ich es manchmal gemocht habe, die vollen 40 Minuten auf dem Parkett zu stehen, braucht man manchmal einfach eine Pause. Ich hätte auch nicht gedacht, dass es so anspruchsvoll werden würde. Drei oder vier Spiele pro Woche wegen der Euroleague, die Reisen, wenig Zeit zum Erholen – ich habe am Anfang der Saison damit kämpfen müssen und meine Probleme gehabt. Wenn man dann in der BBL gegen Teams spielt, die nur am Wochenende ran müssen, ist es manchmal schwierig, Leistung abzurufen. Ich wollte dann unbedingt mithalten, aber der Körper hat das nicht mitgemacht.

Im letzten Sommer haben Sie versucht, einen NBA-Kaderplatz zu bekommen und spielten in der Summer League für die Phoenix Suns. Wie nah waren sie dran, einen Vertrag in der besten Basketballliga der Welt zu erhalten?

Ich hatte schon Angebote, aber es ging meistens um Plätze bei G-League-Teams.

Also in der zweitklassigen Entwicklungsliga unterhalb der NBA.

Genau. Das wollte ich aber nicht. Wenn ich einen Platz in der NBA bekommen hätte, wäre das schön gewesen. Aber um G-League zu spielen, wollte ich nicht aufgeben, was ich hier in Europa erreicht hatte. Es wäre ein Neuanfang gewesen. Wenn das nicht geklappt hätte, hätte ich wieder in Deutschland etwas aufbauen müssen.

Werden Sie es im Sommer erneut in den USA versuchen?

Das ist schwierig zu sagen. Vielleicht versuche ich es. Aber ich habe hier, glaube ich, mehr Spaß, als ich in der NBA haben würde. Trotzdem ist die NBA ein Traum, den jedes Kind, das Basketball spielt, hegt.

Gibt es einen anderen Schritt, den Sie in Erwägung ziehen würden?

Es ist ganz witzig: Ich habe in Ludwigsburg öfter mit Assistenztrainer Tetsuro Miyazaki aus Japan darüber gesprochen, dass ich vielleicht irgendwann nach Asien gehe, wenn ich älter bin und mich nicht mehr wie ein Guard bewegen kann. Das wäre noch einmal eine ganz andere Kultur.

Erstmal haben Sie in Berlin noch Vertrag über zwei weitere Saisons. Zuvor waren sie je zwei Jahre in Heidelberg und Ludwigsburg. Nicht viele Basketballer aus den USA schlagen einen Weg mit so viel Kontinuität ein. Woher kommt das?

Im ersten Jahr läuft es immer etwas holpriger. Wenn ich aber in einem Verein bin, in dem ich System, Trainer und Umfeld kenne, wird das wie mein zweites Zuhause. Das hilft mir enorm, mich zu entwickeln. Zu wissen, dass es da einen Ort gibt, an dem ich die Zeit genießen kann, macht viel aus. Das ist auch ein mentaler Faktor.

Dazu gehören auch Ihre Frau Monica und Ihr gemeinsamer Sohn, die Sie oft bei Spielen in Berlin begleiten.

Sie sind erst in dieser Woche zurück nach Houston geflogen. Wenn wir es ins Finale schaffen, kommen sie womöglich wieder.

Auf dem Weg dorthin müssen Sie Ihren Ex-Club ausschalten. Freuen Sie sich darauf, oder hätten Sie es gerne vermieden, gegen die Riesen zu spielen?

Ich bin für solch eine Herausforderung immer zu haben. Sie haben Ulm mit 3:0 ausgeschaltet, das hätten ihnen davor nur wenige zugetraut. Ich freue mich auf die Serie und wir haben auch noch etwas gutzumachen nach der Hauptrunde.

Ludwigsburg hat Berlin zweimal in der Hauptrunde geschlagen – das ist in dieser Spielzeit keinem anderen Team gelungen. Was stimmt Sie optimistisch, dass das in den Play-offs anders ausgeht?

Wir sind gerade besser im Rhythmus. Wir möchten unbedingt den Titel holen und haben extrem viel Selbstvertrauen. Sie werden ein anderes Alba Berlin erleben als in den Hauptrundenspielen.

Wissen Sie schon, auf welchen Spieler Sie angesetzt werden?

Nein, aber ich würde gerne Jonah Radebaugh verteidigen. Wir haben einen Gruppenchat zusammen mit unseren früheren Mitspielern Jamel McLean, Desi Rodriguez und Barry Brown. Darin hat bisher der Trash Talk noch nicht angefangen. Das wird sich vielleicht auf dem Feld ändern.

Bei den Riesen herrscht gerade etwas Unruhe angesichts der Verhandlungen über einen vorzeitigen Abschied von Erfolgstrainer John Patrick. Wäre es überhaupt möglich, ihn zu ersetzen?

Es wäre sehr schwierig, weil seine Art zu coachen sich so sehr von der anderer Trainer in der Liga unterscheidet. Er bekommt das Beste aus jedem Spieler heraus. Das war bei mir so, als ich in Ludwigsburg war, und ist nun beispielsweise bei Jonah Radebaugh das Gleiche. Er spielt eine phänomenale Saison. Ludwigsburg wäre nicht mehr dasselbe ohne „JP“.

In ihren zwei Saisons in Ludwigsburg hat das Team womöglich den besten Basketball der Clubgeschichte gespielt. Trotzdem hat es nicht für einen Titel gereicht. Wäre es für einen kleinen Club wie die Riesen überhaupt möglich, einen Titel wie die deutsche Meisterschaft zu holen?

Ich glaube, wir waren unter John Patrick so nah dran, diese Serien gegen Alba oder Bayern München zu gewinnen. Wir haben viel mit kleinen Spielern agiert und sind damit weit gekommen. Oft fehlt dafür aber Größe im Spiel. Trotzdem glaube ich nicht, dass der Unterschied zu Teams wie München oder Berlin so groß ist.

Zuletzt: Ihr Tipp für die Serie gegen Ludwigsburg – gelingt Ihnen wie zuletzt gegen Bamberg ein Weiterkommen nach nur drei Partien?

Das kann ich mir kaum vorstellen. Auch wenn wir unsere Heimspiele zum Auftakt gewinnen sollten und mit 2:0 in Führung wären, würden die Riesen nur noch aggressiver spielen. Und selbst die Auftaktspiele werden nicht leicht. Die Serie gegen die Riesen wird wahrscheinlich die härteste meiner bisherigen Karriere.

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