Logo

Basketball

Beim Final Four der MHP-Riesen Ludwigsburg erinnert in Bilbao nur wenig an Athen

Nicht nur in Architektur und Geschichte unterscheidet sich die baskische Hafenstadt Bilbao von der antiken Hauptstadt Griechenlands. Auch die Vorzeichen für einen Titelgewinn der MHP-Riesen Ludwigsburg sind in Spanien deutlich besser als beim letzten Champions-League-Final-Four der Riesen in Athen 2018. Am Freitag (21 Uhr) geht es in einem der größten Spiele der Vereinsgeschichte gegen Baxi Manresa.

Voll fokussiert: die Riesen beim gestrigen Training in der Bilbao Arena. Mit dabei ist auch Tremmell Darden (rechts, am Ball). Foto: Anna Andre
Voll fokussiert: die Riesen beim gestrigen Training in der Bilbao Arena. Mit dabei ist auch Tremmell Darden (rechts, am Ball). Foto: Anna Andre

Bilbao. Justin Sears ist sich sicher: „Keine Frage! Wir hätten das garantiert gewonnen“, blickte der US-Amerikaner im Telefongespräch zurück auf das letzte Final Four der MHP-Riesen Ludwigsburg in der Champions League. Damals, im Mai 2018, hatte sich der mittlerweile 28 Jahre alte Sears im Basketball-Bundesligaspiel gegen Tübingen kurz vor dem Final Four in Athen das Kreuzband gerissen. „Wir sind dann nicht einmal in die Nähe dessen gekommen, was wir eigentlich zu leisten im Stande gewesen wären“, sagte der US-Amerikaner über das bittere Halbfinal-Aus in Athen, das er von Deutschland aus verfolgen musste. Vergleichbares soll den Ludwigsburgern diesmal nicht passieren. Voll fokussiert und mit voller Kapelle präsentierten sich die Gelb-Schwarzen am Donnerstag in der Bilbao Arena beim Training vor dem Halbfinalspiel am Freitag gegen das spanische Team Baxi Manresa (21 Uhr). „Die Zeichen stehen jetzt gerade besser als damals“, versicherte Riesen-Co-Trainer David McCray .

Der 35-Jährige war bereits vor vier Jahren in Athen dabei, als der Traum vom ersten internationalen Titel der Clubgeschichte im Halbfinale gegen Monaco mit einem 65:87 zerplatzte. „Hoffentlich läuft es als Trainer besser als als Spieler“, sagte McCray am Donnerstag.

Alle Riesen melden sich fit

Nun ähneln sich die baskische Hafenstadt Bilbao, bekannt für ihre moderne Architektur, und das antike Athen schon im Erscheinungsbild nicht im Geringsten. Und auch sportlich erinnert im Norden Spaniens nur sehr wenig an den letzten Final-Four-Trip der Riesen nach Griechenland. Denn die Vorzeichen für ein erfolgreiches Final Four machen den Riesen diesmal Mut, anstatt ihnen Sorgenfalten auf die Stirn zu zwingen. Voraussichtlich wird Trainer John Patrick, anders als vor vier Jahren in Athen, wo auch das Spiel um Platz drei verloren ging, aus dem Vollen schöpfen können. Auch Tremmell Darden machte am Donnerstag im Training am frühen Mittag trotz dick bandagierter Wade einen frischen Eindruck. Für den 40-jährigen Routinier könnte das Finalturnier der Abschluss einer grandiosen internationalen Karriere sein. Zudem nahm auch Tekele Cotton nach seiner Handgelenkverletzung am Training teil.

Nur wenige Fans aus Ludwigsburg

„Wir wollen diese Gelegenheit ergreifen“, sagte am Donnerstag der gewohnt gut gelaunte Riesen-Forward Justin Simon nach der Einheit. „Wir verdienen es, hier zu sein.“ Zuletzt hatten Simon und Co. im Viertelfinale bei Cluj-Napoca im rumänischen Hexenkessel vor 10000 Heimfans Nervenstärke bewiesen und den Einzug ins Final Four gesichert. Eine ähnlich brisante Stimmung erwartet Ludwigsburg nun im Norden Spaniens. 10 000 Zuschauer fasst die Bilbao Arena, nur noch wenige Restkarten waren am Donnerstag verfügbar. Während nur rund 100 Zuschauer aus Ludwigsburg erwartet werden, sind aus Manresa wohl 2500 bis 3000 Zuschauer in der Arena. Selbst aus dem israelischen Holon, das das Final Four um 18 Uhr gegen Titelfavorit Lenovo Teneriffa eröffnet, reisen wohl 1000 Fans an.

Lesen Sie hier unser großes Interview mit Alexander Reil

„Man merkt, dass das hier eine besondere Bühne ist. Es ist ein großes Turnier“, bemerkte Justin Simon und fühlte sich an große Spiele an der High School und am College in den USA erinnert. Doch nur mit einer Erfahrung auf dieser Bühne soll es nicht enden, sondern bestenfalls mit dem Titel, der dem Club eine Million Euro Preisgeld einbringen würde. „Es war eine großartige Reise, um hier her zu kommen“, bezieht sich Simon auf die sportlichen Leistungen in der bisherigen Champions-League-Saison.

Sears sieht Chancen für Riesen

Daran, dass das internationale Kapitel in dieser Spielzeit einen besseren Abschluss finden wird als vor vier Jahren, glaubt auch Justin Sears. Er vertraut dem Credo, dass man mit einer guten Offensive Spiele, mit einer starken Defensive aber Titel gewinne: „Ludwigsburg hat eine Chance, weil sie ein so stark verteidigendes Team sind“, sagte Sears.

Während Halbfinalgegner Manresa die Rolle des unbekannten Überraschungsteams einnimmt, gäbe es für die Riesen im möglichen Finale ein Wiedersehen. Sowohl gegen Teneriffa als auch Holon spielte Ludwigsburg im Turnierverlauf. Gegen Teneriffa gelangen zwei Siege, gegen Holon setzte es zwei Pleiten. „Wenn wir ins Finale kommen, ist mir egal, gegen wen wir spielen“, lachte Simon und erinnerte sich an ein Ereignis in Teneriffa: „Als wir aus der Halle gingen, hat uns ein spanischer Fan zugerufen, dass wir uns im Finale wiedersehen werden“ – kein unwahrscheinliches Szenario.

Autor: