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Interview mit Josh King
Neuer Trainer des Basketball-Bundesligisten MHP-Riesen Ludwigsburg: „Wäre gern der nächste John Patrick“

Josh King.
Josh King.
Josh King tritt ein großes Erbe an: Bei den MHP-Riesen Ludwigsburg hat er den Cheftrainer-Posten übernommen, den zuvor neun Jahre lang John Patrick innehatte. Vor dem Trainingsauftakt am heutigen Freitag spricht der aus Indiana stammende 36 Jahre alte US-Amerikaner im Interview über seinen Mentor Patrick, den Kader der Riesen und die eigene Basketball-Karriere.

Ludwigsburg. 2018 hatte Josh King noch unter John Patrick als Co-Trainer bei den MHP-Riesen Ludwigsburg gearbeitet und übernahm vergangene Spielzeit beim tschechischen Basketball-Erstligisten USK Prag erstmals einen Cheftrainer-Posten. Für ein Gespräch auf deutsch reichen die Sprachkenntnisse trotz seiner drei Jahre in Ludwigsburg noch nicht. „Aber ich verspreche: Wenn ich hier so lange bleibe, wie John Patrick hier war, werde ich deutsch sprechen können“, lacht King im Interview mit unserer Zeitung.

John Patrick wirft in Ludwigsburg noch einen großen Schatten – beeinflusst das Ihre Arbeit in Ludwigsburg?

Ich ersetze einen sehr guten Trainer. Aber John ist auch ein Mentor und ein Freund. Egal, ob ich in Ludwigsburg, Prag oder Brisbane war – ich war immer mit ihm im Austausch. Ich empfinde es nicht als zusätzlichen Druck. Denn immer, wenn man einen Posten übernimmt, gibt es Druck, erfolgreich zu sein. John hat einen tollen Job gemacht und ich versuche, das fortzusetzen.

Wie ist Ihr Verhältnis zu John Patrick?

John ist ein wirklich guter Freund von mir, nicht nur ein Kollege. Wir sprechen täglich. Bereits letztes Jahr als ich in Prag war, war das der Fall. So ist das eben, wenn man einen Mentor hat oder jemanden, zu dem man aufschaut.

Wenn man das Team gerade anschaut: Wie viel von Josh King und wie viel von John Patrick steckt im Riesen-Kader?

Erstmal stellen wir den Kader als Team zusammen. Ich habe gute Assistenten, auf die ich mich im Scouting verlassen kann. Ich frage John natürlich manchmal nach seiner Meinung, aber es ist nicht sein Team, das für diese Saison zusammengestellt wurde. Wir werden trotzdem einen ähnlichen Spielstil haben wie unter John Patrick.

Gab es keine Überlegungen, diesen zu ändern?

Man sagt ja: Wenn etwas nicht kaputt ist, muss man es auch nicht reparieren. Ich habe in Europa vorher nur für John gearbeitet und war in Prag auf mich alleine gestellt. Ich bin nicht John, ich bin Josh. Mit mir als Trainer werden wir in erster Linie defensiv denken und physisch spielen. Wir haben Spieler, die viele Positionen spielen können und wir werden eine kleine Aufstellung haben, das ist kein Geheimnis.

John Patrick war Trainer und Manager in einer Person. Werden Sie das genau so fortführen?

Das ist die Rolle des Trainers hier. Wenn man Headcoach ist, kann man keine Spieler trainieren, die man nicht ausgesucht hat. Präsident Alexander Reil erlaubt dem Trainer, die Spieler auszusuchen, die er trainieren möchte. Meine Rolle ist diesbezüglich die gleiche, wie sie John Patrick letztes Jahr hatte.

In der Basketball-Bundesliga gibt es unter anderem mit Tuomas Iisalo oder Pedro Calles eine Garde erfolgreicher junger Trainer. Sind das sportliche Vorbilder für Sie?

Die zwei gehören zu den besten Basketball-Trainern der Welt. Pedro hatte in Vechta sofort Erfolg, er geht in sein fünftes Jahr, nun in Oldenburg. Er hat es immer in die Playoffs geschafft. Ich hätte natürlich gerne den gleichen Erfolg.

Wer hat Ihre Art, Basketball spielen zu lassen, beeinflusst?

Basketball hier in Europa ist ein anderer Sport als in den USA. Es ist mehr ein Teamsport, was ich sehr gut finde, es ist intensiver. Ich sage immer, seit ich in Europa bin, hat John Patrick wirklich meine Philosophie und Idee des Spiels beeinflusst. Wir wollen hier in Ludwigsburg Spieler, die Offensive und Defensive sehr gut spielen können.

Wie sahen Ihre letzten Wochen aus?

Ich war Anfang Juli bei der Summer League in den USA. Wir haben vor einer Woche in Ronnie Harrell den letzten Spieler in unserer Planung verpflichtet. Wir hatten unseren Kern an deutschen Spielern sehr früh, was notwendig ist. Danach hatten wir früh fünf Importspieler.

Ihr Kader ist also komplett?

Ja. Wir starten mit sechs Importspielern in die Vorbereitung. Wir haben viele talentierte deutsche Spieler, dazu Veteranen wie Yorman Polas Bartolo, Eddy Edigin, der in Hamburg zuletzt für Pedro Calles gespielt hat, und Jonathan Bähre, der bei uns geblieben ist.

Aber insgesamt ist das Team deutlich jünger als letztes Jahr und hat in Kapitän Jonas Wohlfarth-Bottermann, Jordan Hulls und Tremmell Darden erfahrene Leistungsträger verloren.

Wobo ist nach Hamburg gegangen, Jordan hat seine Karriere beendet. Ich hätte beide natürlich gerne noch hier behalten. Aber als die beiden gegangen sind, haben wir uns darauf konzentriert, jüngere Spieler zu bekommen. Das muss nicht heißen, dass das besser sein wird – hoffentlich wird es das. Aber wir wollten junge, hungrige Jungs, die wir jeden Tag pushen können.

Ist das nicht ein riskanter Weg – schließlich tun sich gerade junge US-Amerikaner oftmals in ihrem ersten Jahr in Deutschland ziemlich schwer?

Klar, aber Erfahrung bedeutet auch nicht gleichzeitig, dass man besser ist. Es gibt bei jeder Verpflichtung ein Risiko, besonders aber bei unerfahrenen Spielern, die noch nie hier waren. Bis wir die Spieler im Training sehen konnten, gibt es immer eine gewisse Sorge, gleichzeitig ist es eine Überraschung, auf die ich mich freue.

Was ist mit Tremmell Darden? Könnte er noch ein weiteres Jahr in Ludwigsburg spielen?

Tremmell ist fast 41 Jahre alt. Ich weiß nicht, was passieren wird.

Und wenn er sagt, er möchte zurückkommen, gibt es einen Platz in Ludwigsburg für ihn?

Nach aktuellem Stand würde ich sagen, den würde es hier geben. Aber wir müssen aus verschiedenen Gründen geduldig bleiben.

Bei Ihrer Präsentation als Riesen-Trainer haben Sie angesprochen, sehr gut im College-Basketball vernetzt zu sein. Wie sehr hat das in diesem Transfer-Sommer geholfen?

Es kann immer wieder helfen, um auf schnellem Weg Informationen zu Spielern zu bekommen. Ich kann einfach das Telefon in die Hand nehmen und mich über Spieler schlau machen. Aber klar, nahezu alle Teams haben mittlerweile gut funktionierende Scoutingsysteme. Wir haben mit Ben Shungu auch nur einen Spieler direkt vom College verpflichtet.

Worin ist das Team in diesem Jahr stärker als letztes Jahr?

Das ist schwer zu sagen. Ich würde sagen, wir sind jünger. In einem Staffellauf würden wir wahrscheinlich gewinnen. Wir müssen die Jungs aber aufs Parkett bekommen und dann schauen, worin wir stärker und schwächer sind. Wir haben wahrscheinlich mehr Energie, das hat aber noch nichts darüber zu sagen, ob wir besser sein werden.

Gibt es ein Ziel, das Sie für die kommende Saison ausgesprochen haben?

Es klingt klischeehaft, aber das Ziel ist einfach, jeden Tag besser zu werden. Es gibt natürlich einen hohen Erfolgsstandard in Ludwigsburg. Das Team war drei Jahre lang sehr erfolgreich. Aber ich mag grundsätzlich keine langfristigen Ziele. Natürlich würde ich gerne in die Playoffs kommen und eine erfolgreiche Saison hier in Ludwigsburg spielen, aber wenn man jeden Tag besser wird, löst das einige Probleme und beantwortet die meisten Fragen.

Gibt es trotzdem etwas, das Sie in den nächsten Jahren erreichen möchten?

Natürlich. In meinem Kopf wäre ich gerne der nächste John Patrick. Aber um langfristige Ziele zu erreichen, muss man die kurzfristigen Ziele anpacken.

Gibt es einen Spieler im Kader, auf den Sie sich am meisten freuen?

Das ist ja, als würden Sie einen Vater fragen, wer sein liebstes Kind ist (lacht).

Genau.

Das sind alles neue Jungs. Ich weiß schon, was sie mitbringen. Aber ich freue mich auf Freitag wie ein Kind auf Weihnachten. Ich bin so aufgeregt, was wir im ersten Training auf dem Parkett sehen werden. Wir haben intensiv gescoutet, ich glaube zu wissen, was die Jungs dem Team bringen können. Schauen Sie sich Markell Johnson nur mal auf Youtube an.

Auf Highlight-Schnipseln auf der Videoplattform sieht aber jeder Spieler grandios gut aus.

Genau. So ist das oft im Scouting. Vor drei Jahren hatten wir einen Jungen, der hieß Jaleen Smith. Heute ist einfach zu sagen, dass er ein toller Spieler ist. Genau so wie Khadeen Carrington, Nick Weiler-Babb, Thomas Wimbush oder Tanner Leissner. Die Jungs sind gut, aber damals waren sie völlig unbekannt. Ich habe Jaleen Smith am College trainiert. Und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, es wäre damals absehbar gewesen, dass er es einmal in die Euroleague schafft. Lasst uns einfach abwarten. Manchmal braucht es Geduld. Wenn man ein Steak in Marinade einlegt, muss man es auch geduldig ziehen lassen. Aber ich freue mich darauf.

Sie haben Tanner Leissner erwähnt. Nach unseren Informationen stand er vor einer Rückkehr nach Ludwigsburg.

Es gab Gespräche. Ich kenne Tanner schon lange, aber es hat einfach nicht geklappt. Es gibt aber keinerlei böses Blut, es gibt immer eine offene Tür und wir werden sehen, was die Zukunft bringt.

Wie verlief Ihre Basketball-Karriere?

Ich habe nach der Trinity High School in North Carolina ein Stipendium für das College bekommen. Nach dem College habe ich direkt mit dem Coaching angefangen. Mit dem Wissen von heute hätte ich damals wahrscheinlich mein Glück in Europa versucht. Ich weiß nicht, ob es für die BBL gereicht hätte. Wahrscheinlich eher für die zweite Liga. Ein Star war ich nie, aber ein guter Schütze.

Wieso sind Sie dann Trainer geworden?

Die Leute in den USA wissen nicht viel über Basketball in Europa. Dank der Euroleague wird es aber inzwischen etwas populärer. Aber ich saß damals im selben Boot. Ich dachte mir: Wenn ich nicht in der NBA spielen kann, wo soll ich denn dann hin? Ich hatte keine Verbindung, um irgendwie nach Europa zu kommen. Und ich wusste immer, dass ich einmal Trainer werden wollte. Heute sage ich den Spielern aber immer: Spielt so lange ihr könnt. Ich glaube, Tremmell Darden beherzt das ganz gut (lacht).