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Basketball-Bundesliga

Riesen verabschieden sich mit saisontypischer Vorstellung

Die MHP-Riesen Ludwigsburg haben sich mit einer ansehnlichen Leistung von ihren Fans verabschiedet. Dass der Basketball-Bundesligist die Play-offs erstmals seit 2013 verpasst, war bereits vor der 79:80-Niederlage gegen Alba Berlin klar.

Gerangel um den Ball: Konstantin Klein (Mitte) und Ex-Riese Johannes Thiemann (rechts). Foto: Baumann
Gerangel um den Ball: Konstantin Klein (Mitte) und Ex-Riese Johannes Thiemann (rechts). Foto: Baumann

Ludwigsburg. Im letzten Bundesliga-Spiel der Basketball-Saison zeigten die MHP-Riesen Ludwigsburg noch einmal beispielhaft die Probleme der vergangenen Monate. Obwohl die Gastgeber im Schlussviertel mit zwölf Punkten in Führung lagen, gewann am Ende Alba Berlin mit 80:79. Kraft und Konzentration der Gelb-Schwarzen reichten nicht aus. Nach einem fulminanten 6:0-Start der Ludwigsburger riss Berlin das Spiel an sich. Erst im dritten Viertel kamen die Riesen wieder heran. Aaron Best gelang mit einem Dreier für die 52:51-Führung (26. Minute).

Im Schlussviertel war bei Alba eigentlich die Luft raus. Ludwigsburg führte zeitweise mit zwölf Punkten, war aber trotz eines erneut bärenstarken Marcos Knight nicht konsequent genug. Eine Bilanz zum Saisonende:

Warum haben die Riesen die Play-offs nach der erfolgreichsten Saison der Vereinsgeschichte in 2017/2018 verpasst?

Es war eine Mischung aus Pech und Unvermögen. Pech, weil sich Topspieler Malcolm Hill bereits im November einen Kreuzbandriss zuzog. Zudem verletzte sich Konstantin Klein zweimal. Karim Jallow, Owen Klassen sowie vor kurzem Kelan Martin fielen ebenfalls mehrere Wochen aus. David McCray hatte dauerhaft verletzungsbedingte Probleme.

Doch auch die Zusammenstellung der Mannschaft war fehlerhaft. Mit Bogdan Radosavljevic, Trevor Mbakwe und Clint Chapman kamen und gingen gleich drei Center. Lamont Jones wurde erst suspendiert, dann wieder zurückgeholt – und zählte als eine der vier erlaubten Nachverpflichtungen. Haydon Dalton, Jeff Ledbetter und Thomas Wilder verließen die Barockstadt bereits nach wenigen Wochen wieder. Bis zum Schluss wirkte das Team nicht wie eine richtige Einheit.

Welche Auswirkung hat die erste verpasste Play-off-Teilnahme seit 2013?

Der 1. Vorsitzende Alexander Reil hat eine umfassende Aufarbeitung angekündigt, die intern bereits laufen dürfte. Nach sechs überaus erfolgreichen Jahren wird Trainer Patrick nicht infrage stehen, doch das Modell muss überdacht werden. Das sah bisher so aus: Talentierte Spieler bekamen in Ludwigsburg zwar weniger Gehalt, dafür aber viel Spielzeit, um sich in den Fokus zahlungskräftiger Clubs zu spielen. Die Folge: Jahr für Jahr wechselte fast die komplette Mannschaft. Sich immer wieder aufs Neue mit dem Team identifizieren zu müssen, stößt bei den Fans verstärkt auf Unmut – vor allem, wenn der Erfolg ausbleibt.

Wie stehen die Chancen, wieder international zu spielen?

Das werden die nächsten Wochen zeigen. Mit dem 10. Platz dürfte es schwierig werden, einen Platz für die Champions-League-Qualifikation zu bekommen. „Wenn wir das Spielrecht bekommen, nehmen wir es“, sagte Riesen-Sprecher Lukas Robert gestern. Eine Teilnahme am viertklassigen Europe Cup dürfte keine Option sein. Schon in der Champions League gab es Schwierigkeiten, bei internationalen Spielen 2000 Zuschauer und mehr in die Halle zu locken.

Wer geht, wer bleibt?

Bei der Kaderzusammenstellung steht Trainer John Patrick vor einer großen Herausforderung. Mit Mann.+.Hummel fällt einer der wichtigsten Sponsoren weg. Einen Vertrag für die kommende Saison ohne Klauseln haben nach Vereinsangabe nur Christian von Fintel und Konstantin Klein. Mit Kapitän und Urgestein David McCray wird verhandelt. Ob der 36-Jährige Adam Waleskowski noch ein Jahr dranhängen möchte, ist fraglich.

Zudem ist unklar, ob die Riesen das hohe Gehalt des US-Amerikaners mit deutschem Pass weiterbezahlen möchten und können. Die Leihspieler Karim Jallow (FC Bayern München) und Donatas Sabeckis (Zalgiris Kaunas) kehren zurück zu ihren Stammvereinen.

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